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Dunlop in Wittlich stellt PKW-Reifenproduktion ein: Bis Ende 2016 fallen rund 120 Arbeitsplätze weg

Dunlop in Wittlich stellt PKW-Reifenproduktion ein: Bis Ende 2016 fallen rund 120 Arbeitsplätze weg

Der Reifenhersteller Goodyear Dunlop wird in seinem Wittlicher Werk bis Ende 2016 etwa 120 Mitarbeiter entlassen. Grund ist die Einstellung der PKW-Reifenproduktion. In Wittlich werden dann nur noch LKW-Reifen und runderneuerte Reifen hergestellt.

Foto: Klaus Kimmling

Keine 15 Minuten dauerte am Donnerstag eine kurzfristig einberufene Mitarbeiterversammlung im Wittlicher Goodyear Dunlop-Werk. Die Werksleitung hatte zum Schichtwechsel um 14 Uhr die Mitarbeiter der Früh- und Spätschicht einbestellt, um eine wichtige Nachricht zu verkünden.

Vor etwa 400 Beschäftigten teilte Produktionsdirektor Christoph Maas mit, dass im Wittlicher Werk in Zukunft keine PKW-Reifen mehr hergestellt werden. Betroffen davon seien 120 Arbeitsplätze. Die PKW-Reifenherstellung werde an andere Standorte innerhalb der sogenannten Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) verlagert. Diese Umstrukturierung und der Arbeitsplatzabbau werde nicht vor Ende des Jahres 2016 erfolgen.

Maas, der vor 20 Jahren als Auszubildender bei Dunlop in Wittlich begonnen hat, sagte gegenüber dem TV: "Mir tut es persönlich sehr leid, dass wir diesen Schritt nun gehen müssen. Die Maßnahme ist aber notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu stärken."

In einer Presseerklärung des Unternehmens heißt es ferner: "Die Verlegung der noch in Wittlich verbliebenen PKW-Reifenherstellung an andere Standorte ist die konsequente Weiterführung der Konsolidierung dieses Bereiches, die bereits seit einigen Jahren durchgeführt wird. Sie wird rund 120 Arbeitsplätze in Wittlich betreffen und wird, abhängig vom Ausgang der Konsultationen mit der Arbeitnehmervertretung, nicht vor Ende des Jahres 2016 erfolgen. Die Produktion von LKW-Reifen und runderneuerten Reifen am Standort Wittlich ist von diesen Planungen nicht betroffen."

Betriebsratsvorsitzender Joachim Weberskirch sagte enttäuscht: "Diese Entscheidung war doch längst geplant. Das war doch klar." Weberskirch verweist auf die Aufkündigung des Standortsicherungspaktes Anfang Mai dieses Jahres.

Die Unternehmensleitung hatte für die deutschen Standorte mit etwa 7500 Beschäftigen diese seit 18 Jahren bestehende Vereinbarung gekündigt. Mit dem Standortsicherungspakt waren die Mitarbeiter bei dem Reifenhersteller von betriebsbedingten Kündigungen gefeit. Diese Sicherheit hatten sie sich teuer erkauft, denn sie brachten in Wittlich zweieinhalb Stunden unvergüteter Arbeitszeitleistung in der Woche ein: Statt der tariflichen 37,5 Stunden arbeiten die Mitarbeiter 40 Stunden.

Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber auch nach der gestrigen Entscheidung so wenig wie möglich geben. Produktionsdirektor Christoph Maas: "Dafür werde ich mich persönlich einsetzen."

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hatte das Werk Wittlich wegen der geringen Auslastung der PKW-Reifenherstellung bereits 50 Stellen abgebaut. Die Entlassungen erfolgten sozialverträglich, das heißt, ältere Mitarbeiter konnten beispielsweise in die Altersteilzeit gehen.
Vor zwölf Jahren wurden im Wittlicher Werk täglich bis zu 8000 PKW-Reifen produziert, aktuell sind es nur noch 2200 bis 2300. Das führt zu hohen Fixkosten und somit geringerer Profitabilität. Zu schaffen macht den Wittlichern vor allem die starke Billigkonkurrenz aus China und Korea.