1. Region
  2. Wirtschaft

Ehepaar feiert gemeinsam Maurer-Meisterjubiläum

Ehepaar feiert gemeinsam Maurer-Meisterjubiläum

Jedes Jahr überreicht die Handwerkskammer goldene Meisterbriefe für Handwerker, die vor 50 Jahren ihre Meisterprüfung abgelegt haben. Doch selten ist es, wenn ein Ehepaar gemeinsam ausgezeichnet wird, wie das Ehepaar Christa und Gerhard Esseln aus Morbach: Beide haben 1964 ihren Meisterbrief als Maurer erhalten.

Morbach. Frauen, die auf dem Bau oder in einem sogenannten Männerberuf als Schreiner, Dachdecker oder KFZ-Mechaniker arbeiten, sind heute keine Seltenheit. Doch vor 50 Jahren, als die Morbacherin Christa Esseln die Prüfung als Maurermeisterin ablegte, war das noch eine absolute Ausnahme: "Auf der Meisterschule in Düsseldorf war ich die einzige Frau bei 60 Männern", erinnert sie sich. Und Christa Esseln, erst 21 Jahre alt, bestand mit der Note Sehr gut. "Erster weiblicher Maurermeister im Kreis", titelte der Trierische Volksfreund damals. "Wirklich ein schöner Erfolg für ein junges Mädchen, dem wir dazu herzlich gratulieren", stand dort zu lesen.
Dabei ist Christa Esseln das Maurerhandwerk quasi in die Wiege gelegt worden. Denn als älteste von fünf Töchtern des Morbacher Bauunternehmers Vitus Leis begann sie als 14-jährige eine Maurerlehre im elterlichen Betrieb. Nach einigen Monaten im Büro ging es 1957 zur ersten Baustelle, der Grundschule mit Lehrerwohnhaus im Nachbarort Rapperath. "Mein Vater hat mir einen Kartoffelsack mit Traufel, Wasserwaage, Lot, Hammer und Zollstock auf den Gepäckträger meines Fahrrades geschnallt, und dann bin ich losgefahren", erinnert sie sich. "100 D-Mark habe ich im ersten Lehrjahr bekommen", weiß sie noch. Als im Winter die Arbeit am Bau ruhte, wurde sie im betriebseigenen Ingenieurbüro zur technischen Zeichnerin ausgebildet.
Damals wurden Baugruben noch von Hand ausschachtet, sagt ihr Mann Gerhard Esseln, der aus Piesport stammt und seine Lehr- und Gesellenjahre beim Unternehmen Hintz in Bernkastel-Kues absolviert hatte. "Die Bagger kamen erst in den 60-ern", erinnert er sich. Speis wurde mit Blechbehältern, sogenannten Spatzen, auf der Schulter über die Leitern zu den Maurern getragen.
Beide meldeten sich 1963 als einzige Rheinland-Pfälzer auf der Meisterschule in Düsseldorf an und lernten sich dort kennen. Zwei Jahre später heirateten die jungen Maurermeister.
Christa Esseln war direkt als Unternehmerin gefordert, denn ein Jahr nach ihrer Meisterprüfung starb ihr Vater, so dass die 23-jährige ab 1965 den Betrieb mit 80 Mitarbeitern, davon 15 Auszubildende, fortführte. Ihr Mann Gerhard stieg kurze Zeit darauf mit ins Unternehmen ein.
Gerhard Esseln übernahm die Überwachung der Baustellen sowie den Einkauf, Christa Esseln arbeitete, der beiden Kinder wegen, nur noch begrenzt im Büro.
Im Laufe der Jahre spezialisierte sich das Unternehmen auf Tiefbauarbeiten
wie den Bau von Wasserleitungen, Kläranlagen, Kanälen und Hochbehältern. "Bis zu 25 große Maschinen wie Bagger, Kräne und Raupen hatten wir gleichzeitig laufen", erinnert sich Gerhard Esseln, der von 1990 bis 2001 Obermeister der Kreishandwerkerschaft Wittlich und zweiter Vorsitzender des Baugewerbeverbandes in Koblenz gewesen war. Doch die Auftraggeber, hauptsächlich Kommunen, zahlten immer zögerlicher, immer größere Summen mussten vorfinanziert werden. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme. 2001 mussten die Esselns daher ihren Betrieb aufgeben. "Ein Jahr, bevor wir das hundertjährige Bestehen des Unternehmens feiern konnten", sagt Christa Esseln mit etwas Wehmut.