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Neujahrsempfang
Ein Blick in die Zukunft und in den Osten

 Gute Gespräche und angeregte Diskussionen in der Europahalle: Beim traditionellen Jahresempfang der VTU treffen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltungen zusammen.
Gute Gespräche und angeregte Diskussionen in der Europahalle: Beim traditionellen Jahresempfang der VTU treffen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltungen zusammen. FOTO: TV / Willi Speicher
Trier. Bilanz ziehen und in die Zukunft blicken – der traditionelle Jahresempfang der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) ist der Gradmesser für die Lage in der regionalen Wirtschaft. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft ist gut. Dies zeigte sich einmal mehr beim traditionellen Jahresempfang der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU). Dennoch gilt es, die Herausforderungen ernsthaft und engagiert anzunehmen, sowohl für die Wirtschaft als auch für die Politik, wie Frank Natus, Vorsitzender der VTU, bei der 56. Auflage betont. „2018 war wirtschaftlich gesehen ein gutes Jahr. So weit, so gut“, begrüßte der VTU-Vorsitzende die zahlreichen Gäste im Großen Haus des Trierer Theaters. Doch, um den wirtschaftlichen Erfolg zu sichern, müssten in einigen Feldern die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Den richtigen Ansprechpartner aus der Landesregierung hatte die Vereinigung an diesem Abend denn auch zu Gast: den rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten  Volker Wissing (FDP).

Die Vereinigung Trierer Unternehmer repräsentiert mehr als 500 Firmen aus der Region (siehe Info). Und denen brennen vor allem drei Bereiche unter den Nägeln. „Der Fachkräftemangel ist ein großes Problem, der Arbeitsmarkt leer gefegt“, so Natus. Für die VTU-Mitglieder keine große Überraschung. „Schon vor acht Jahren hat Professor Raffelhüschen als Gastredner bei unserem Empfang auf diese drastische Entwicklung hingewiesen.“ Für Natus ist deshalb eine Einwanderungskultur in Deutschland wichtig, die es Menschen ermöglicht, aufgrund ihrer Qualifikation und aus humanitären Gründen einwandern zu können. Ein zweiter Punkt: „Wir müssen in Sachen Infrastruktur deutlich das Tempo erhöhen.“ Die Wirtschaft habe wenig Verständnis, dass Projekte, die im Bundeswegeplan stehen, nur zögerlich umgesetzt würden. Auch in Sachen Breitbandausbau und 5-G-Netz geht es den Unternehmern viel zu langsam voran. Der Politik in Berlin stellte Natus für 2018 ein mangelhalftes Zeugnis aus und er forderte die Regierung auf, „Reißt euch zusammen und macht euren Job!“ Welche Unterstützung die Wirtschaft erwartet, formulierte Frank Natus auch klar: Die Steuerlast müsse gesenkt werden, der Soli – sofort und für alle – abgeschafft werden, Unternehmens- und die Erbschaftsteuer überdacht werden. Die Welt beneide Deutschland wegen ihres starken Mittelstandes und ihrer erfolgreichen Familienunternehmen. „Wir stehen noch gut da, doch wir müssen jetzt die Weichen stellen, dass das so bleibt“, fordert Natus. Nur Unternehmen, die erfolgreich wirtschaften, könnten investieren und Steuern zahlen.

Wirtschaftsminister Volker Wissing sieht bei vielen Forderungen der Wirtschaft das Land schon auf einem guten Weg. „Wir betreiben die Infrastruktur mit Leidenschaft.“ 2018 hätte das Land 500 Baustellen in Auftrag gegeben, mehr als zuvor. Der Landesbetrieb Mobilität sei personell aufgestockt worden, und es sollen 60 weitere Stellen hinzukommen. „Jede Maßnahme, die im Bundesverkehrswegeplan steht, wird von mir vorangetrieben“, versprach der Minister. Entsprechend erfolgreich habe sich Rheinland-Pfalz entwickelt: „Ich bin stolz darauf, dass wir in der ersten Hälfte 2018 das Land waren, das am stärksten gewachsen ist.“

Dass der Fachkräftemangel die wirtschaftliche Dynamik bremst, ist auch für Wissing ein großes Problem. „Wir brauchen eine Fachkräfte-Zuwanderung.“ Wichtig sei dabei auch, dass sich eine Gesellschaft offen zeige. „Unser Land ist sehr europäisch geprägt“, sagte der Liberale und wies auf die anstehende Europawahl hin. Angesichts großer Krisen (Brexit, die ungelöste Finanzkrise in der EU, die Probleme in vielen Krisengebieten) sei es wichtig, den Zusammenhalt zu stärken. „Ein starkes Europa ist wichtig. Wir können allein unsere Interessen nicht durchsetzen, sondern nur als Gemeinschaft.“

Die Rolle Europas beschäftigte auch Gastrednerin Antonia Rados. Die vielfach ausgezeichnete Nahost-Expertin beschäftigte sich mit dem Umbruch im „Nahen Osten und den Folgen für Europa“. Nachdem sich die USA als Weltpolizist immer mehr verabschiede, drängten andere Akteure in dieses Vakuum.

China und auch die Türkei und der Iran nähmen in Nahost wichtige Positionen ein. Nachdem die europäischen Länder Jahrhunderte nach Westen geschaut hätten, müsse man sich umstellen. „Look East“ sei die kommende Devise. China forciere mit der neuen Seidenstraße die Bindung und ihren Einfluss nach Europa. Und für den Nahen Osten würden der Iran und die Türkei eine Schlüsselposition, als Puffer und Korridor, gegenüber dem Westen einnehmen. Für Europa sei die Türkei dabei der logische Partner.

Die Einordnung der Nahost-Expertin hat den Zuhörern einen Denkanstoß und reichlich Diskussionsstoff geboten.