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Handwerk
Alles andere als heiße Luft

 Mit diesem Ofen, den er für ein Haus in Cochem designte und baute, hat Jürgen Henrichs den internationalen Preis „Ofenflamme 2019“ gewonnen.
Mit diesem Ofen, den er für ein Haus in Cochem designte und baute, hat Jürgen Henrichs den internationalen Preis „Ofenflamme 2019“ gewonnen. FOTO: TV / Björn Pazen/Ofenbau Henrichs
ZELTINGEN-RACHTIG. Der Ofenbauer Jürgen Henrichs aus Zeltingen-Rachtig ist mit einem internationalen Designpreis ausgezeichnet worden – weil die Jury seine Feuerstelle so schön schlicht fand. Der 56-Jährige ist ein Freund klarer Formen. Von Björn Pazen

Die goldene, züngelnde Flamme ist so etwas wie der Oscar der Branche. Alle zwei Jahre wird ein internationaler Designpreis ausgelobt, für die schönsten Öfen und Feuerstellen. Alleine in diesem Jahr bewarben sich 151 Ofenbauer aus ganz Europa um die „Ofenflamme“, die vergangene Woche bei der ISH, der weltgrößten Messe für Sanität, Heizung und Klima in Frankfurt vergeben wurde.

Zu den vier Preisträgern zählte auch Jürgen Henrichs (56) aus Zeltingen-Rachtig (Kreis Bernkastel-Wittlich). Der Keramik- und Ofenbauermeister hatte sich mit einem Ofen beworben, den er in Cochem installiert hatte.

„Die Jury lobte besonders die Schlichtheit, die Anleihen an die Bauhaus-Architektur und dass sich der Ofen wunderbar in die zwei Etagen des Hauses einfügt“, sagt Henrichs, der 1990 das Ein-Mann-Unternehmen an der Mosel gegründet hat.

„Die Herausforderung war, dass es kein Riesenklotz sein sollte, aber immer noch stark genug, um Esszimmer und Wohnzimmer zu heizen. Und schön sollte er auch sein.“ Die Lösung war ein von Henrichs mit einem Partnerunternehmen entwickeltes Verfahren mit einer Guss-Schamottmasse, deren Oberfläche in Betonoptik gehalten ist. „Alle Gussformen stellen wir individuell her, da gibt es, wie bei allen meinen Öfen, keine Doppelgänger, das sind alles Unikate, selbst geplant und den Bauherrn zunächst in einem 1:20-Modell präsentiert“, sagt Henrichs, der den Besitzer des nun prämierten Ofens erst überzeugen musste: „Er wollte einen großen Panoramakamin, ich habe ihm einen anderen Vorschlag gemacht - der auch viel besser in das moderne Haus passte.“ Die Schamottmasse kann höhere Temperaturen aushalten als Beton und ist zudem nur drei Zentimeter dick, daher wurde der nun prämierte Ofen auch nicht so wuchtig. Henrichs schwört auf Speicheröfen, fast immer mit Holzfeuerung. „Mit der größeren Speichermasse hält sich die Wärme länger im Raum, das Holz wird langsam und vollständig verbrannt, was im Vergleich zu anderen Öfen auch zu einer viel geringeren Feinstaubbelastung führt“, sagt der Designer, der keine Öfen mag, die „kurzfristig nur heiße Luft machen“.

Bevor er Ofenbauer wurde, absolvierte Henrichs in Speicher (Kreis Bitburg-Prüm) eine Ausbildung zum Töpfer, wurde dann Meister für Baukeramik, arbeitete für einen Künstler in Witten und wurde schließlich Ofenbauer. Seine Kundschaft kommt größtenteils aus der Region Trier und Luxemburg, er hat aber auch schon Öfen für Häuser in Sylt, Berlin oder Baden-Baden gestaltet, „alles Einzelstücke“, darauf legt Henrichs Wert. Häufig landen Kunden auf Empfehlung von Architekten oder Mundpropaganda bei seinem kleinen Betrieb. Bei all‘ seinen Feuerstellen dominiert – wie beim prämierten Ofen in Cochem – eher das Schlichte: „Ich mag keinen Spektakulärismus, da muss man zurückhaltend mit dem Design sein. Zudem sollen die Öfen immer die Zeit wiederspiegeln, in denen sie gebaut wurden. Ich mag keinen Abklatsch von alten Öfen.“ Gerade hat er – nomen est omen – seine neue Produktlinie unter dem Namen Henri gestartet, ein kleiner Grundofen mit langsamer Wärmeabgabe und hohem Wirkungsgrad, speziell für Niedrigenergiehäuser. Zudem hat Henrichs ein Faible für Kunst am Bau. In seiner Heimatgemeinde Niersbach hat er zum Beispiel eine Wand der Mehrzweckhalle gestaltet, daneben experimentiert er mit Stampflehm als Wandkonstruktion.  Auch wenn es immer weniger Ofenbauer in der Region gibt, glaubt Henrichs an sein Geschäftsmodell: „Der Markt für moderne Öfen ist da.“

 Der Siegerofen ist sogar auf seinem Firmenfahrzeug abgebildet: Jürgen Henrichs mit der Trophäe und der Urkunde, seinen Preisen unter 151 Bewerbern bei der Ofenflamme.
Der Siegerofen ist sogar auf seinem Firmenfahrzeug abgebildet: Jürgen Henrichs mit der Trophäe und der Urkunde, seinen Preisen unter 151 Bewerbern bei der Ofenflamme. FOTO: TV / Björn Pazen/Ofenbau Henrichs