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Ein kultivierter Genießer

Ein kultivierter Genießer

21 Jahre lang war Hans-Josef Jänschke als Präsident der Handwerkskammer (HWK) Trier das Aushängeschild des regionalen Handwerks. Heute wird der "kultivierte Genießer", wie er sich selbst nennt, 80 Jahre alt.

Trier. Wo sonst als im eigenen Café in der Trierer Jakobstraße trifft man sich mit Hans-Josef Jänschke zum Gespräch. Dort, wo es nach frischem Kaffee duftet, wo einen Erdbeertörtchen und Creme-Rolle, Florentiner und Baiser aus der Auslage anlachen. Dort, wo er genau vor 60 Jahren als 20-Jähriger sein Konditoren-Berufsleben begann. Dort, wo er auch heute mit 80 noch jeden Tag vorbeischaut. "Ohne einen Tag im Betrieb wäre ich krank", sagt Jänschke. Dabei hat der "Botschafter des Handwerks" - wie er einmal genannt wurde - das "Konditern" weniger aus Leidenschaft, sondern mehr aus Verantwortung heraus erlernt. Denn Jänschke wollte lieber Journalist werden. "Ich sage eben gern meine Meinung", sagt er und verweist auf seine Aktivitäten als TV-Leserbriefschreiber.

Doch nach dem frühen Tod des Vaters mit 46 Jahren war der einzige Sohn in der Pflicht. 1949 begann er mit 20 Jahren im elterlichen Betrieb die Lehre - in einer Zeit, in der es statt duftenden Kaffees das Ersatzgetränk "Muckefuck" und statt Buttercreme-Torte Hefekuchen mit Zwetschgen gab. Schon früh kümmert sich Jänschke um den Handwerker-Nachwuchs - fast 20 Jahre als ehrenamtlicher Fachlehrer und 25 Jahre als Innungs-Obermeister. Heute, so bedauert er, sei sein Handwerk "aus der Mode gekommen". Fast Food habe Pralinen, Gebäck und Torten zu einem "Luxus für einen elitären Kreis" werden lassen. Seine Kritik: "Das liegt auch an den Ausübenden."

"Das Ehrenamt ist eine Bürgerpflicht"



Seine Ämter als Kreishandwerksmeister, Kammervorstand und Handwerkskammer-Präsident (ab 1994) von rund 6700 Betrieben versteht Jänschke stets als Full-Time-Job. Sein Motto: "Das Ehrenamt ist eine Bürgerpflicht." Eine Einstellung, die ihm eine Ehrung des Landes Rheinland-Pfalz einbrachte.

1995 gibt er seinen Betrieb an die Kinder ab, will noch stärker ein Funktionär zum Anfassen sein - bis 2005 Rudi Müller auf ihn folgt. Die Krise um gefälschte Abrechnungen im HWK-Umweltzentrum und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft macht Jänschke im Nachhinein "betroffen", einer möglichen Fusion mit der Kammer Koblenz sieht er mit Skepsis entgegen: "Trier ist gut aufgestellt, wir wären nur eine Filiale."

Wenn Hans-Josef Jänschke heute seinen 80. Geburtstag feiert, ehrt die Kammer ihren Ehrenpräsidenten mit einem großen Fest. Das bedeutet Stress für ihn, "da muss man Lobreden über sich ergehen lassen und mit jedem reden". Denn Jänschke ist kein hektischer Mensch, eher ein "kultivierter Genießer" (Jänschke über Jänschke) - ob beim Speisen in erstklassigen Restaurants oder beim Naschen von Florentinern ("EIN Lieblingsgebäck") aus der eigenen Backstube. Und so wird er die Lobreden wohl "über sich ergehen lassen" und mit seiner Leidenschaft fürs geschliffene Wort kontern.