Ein Leben lang lernen

TRIER/KORLINGEN. Wissenserwerb hört nach Schule und Lehre nicht auf. Doch nur wenige Erwachsene nutzen die Gelegenheit zur Weiterbildung. Dass das Lernen ein Leben lang wichtig ist, zeigt ein Beispiel aus Korlingen.

Es ist sein Kindheitstraum: das Schlachtschiff "Bismarck" aus dem Zweiten Weltkrieg 1:100 nachzubauen. Doch erst jetzt, im Vorruhestand, hat Uwe Dickel Zeit dazu gefunden. Nicht, dass der 63-jährige Bauingenieur nicht lange genug Berufserfahrung gesammelt hätte, um sich den Traum zu verwirklichen. Es hat ihm jedoch das entscheidende Fachwissen gefehlt, um per Computer und CAD Baupläne und dreidimensionale Konstruktionen zu erstellen. "Ich bin kein Typ, der einfach nur rumsitzt, ich will geistig arbeiten und flexibel bleiben", sagt Dickel. Also belegte er einen Kurs und wurde innerhalb eines Jahres zur CAD-Fachkraft ausgebildet. Neben Meistern und technischen Zeichnern, die oft jünger als 20 waren, hat der Senior sich wohl gefühlt. "Das CAD ist für mich Mittel zum Zweck. Denn man muss sich im Modellbau Zeit lassen und genau arbeiten." Dort setzt auch der Verein "Lernende Region Trier" mit der Bildungsmesse "Job + Karriere" am Wochenende vom 17. bis 19. September in den Trierer Moselauen an. "Gerade im Alter ist Lernen lohnend", sagt Geschäftsführer Carl-Ludwig Centner. Dabei nimmt mit zunehmendem Alter die Weiterbildungsquote beständig ab. Während bei den 35- bis 44-Jährigen mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer sich schulen oder qualifizieren, liegt die Quote bei den über 60-Jährigen bei nur noch einem Prozent. "Und das liegt nicht nur daran, dass in dem Alter schon viele in Rente sind", sagt Centner und verweist stattdessen auf ein Mentalitäts- und Ausbildungsproblem. "Wenn wir es nicht schaffen, bis zur Rente kreativ und produktiv zu bleiben, geht Humankapital verloren", sagt er. Gerade in der Region Trier bestehe die Gefahr großer Abwanderung. Deshalb sei ein Mehr an Humankapital auch ein Mehr an Regionalentwicklung, sagt Centner und verweist auf 55 Aussteller auf der Bildungsmesse "Job + Karriere" ( www.lernende-region-trier.de). Derweil hat sich Uwe Dickel viel vorgenommen: In fünf Jahren will er sein rund 2,50 Meter langes Schlachtschiff in der heimischen Werkstatt gebaut und ein Modellbau-Handbuch geschrieben haben. "Mit dem Schiff will ich ein Erfolgserlebnis haben", sagt der 63-jährige Vorruheständler.