1. Region
  2. Wirtschaft

Ein neues Netz zwischen Talsperren

Ein neues Netz zwischen Talsperren

Schon so ist das geplante, 140 Millionen Euro teure Verbundnetz ein ambitioniertes Projekt. Verspricht es doch nicht weniger, als die Versorgung der Westeifel neu zu regeln. Die grüne Landtagsfraktion will mit Hilfe der neuen Netze darüber hinaus das heiß diskutierte Biomüllproblem lösen.

Trier/Prüm. Allzu viele Details möchte das rheinland-pfälzische Umweltministerium nicht verraten, bevor die Verantwortlichen heute um 10.30 Uhr bei einer Pressekonferenz in Prüm ihr deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt vorstellen. Ein Projekt, das die Versorgung ländlicher Räume auch in Zeiten des demografischen Wandels sicherstellen soll und sie grundlegend verändern könnte.
Tee kochen wird anders


Nach allem, was vorab über das geplante 140 Millionen Euro teure "Regionale Verbundsystem Westeifel" zu erfahren war, kann man sich die Zukunft wohl ungefähr so vorstellen: Wer in der Eifel zwischen Trier und der nordrhein-westfälischen Grenze künftig Tee kocht, nimmt dafür Trinkwasser, das zumindest zum Teil aus der Oleftalsperre im Kreis Euskirchen stammt. Den Strom für den Wasserkocher produzieren Windräder, die in der Ferne am Horizont erkennbar sind, die Wärme des Wohnzimmers wird mit dem Biogas vom benachbarten Bauernhof erzeugt, und dank des schnellen Internets ist es gar kein Problem, zum Tee online einen Film in HD-Qualität zu sehen.
Grüne wollen Biomüll vergären


Eine rund 80 Kilometer lange Leitungstrasse für Trinkwasser, Strom, Erdgas, Biogas und Telekommunikation wird künftig von der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen bis nach Trier verlaufen. Sie soll die bislang getrennten Versorgungsnetze der beteiligten Kommunen miteinander verbinden und dabei helfen, Kosten und Energie zu sparen. Zudem soll sie den vielen Biogasanlagen, deren Förderung in einigen Jahren ausläuft, eine sinnvolle Zukunft schenken und dazu beitragen, die Region energieautark zu machen.
Unweit Triers schließt die neue Trasse an eine vorhandene Leitung zur Riveristalsperre an, und jenseits der Landesgrenze wird der Oleftalsperrenverband die Lücke bis zu seinem Trinkwasserreservoir im Naturpark Hohes Venn-Eifel schließen.
Auf die Versorger zwischen Trier und der Landesgrenze kommen damit große Veränderungen zu. Aber womöglich auch auf so manchen Landwirt, der sein Biogas künftig ins öffentliche Netz einspeist, statt es auf seinem Hof in Strom zu verwandeln - was übrigens eine Möglichkeit darstellt, grüne Energie zu speichern. Apropos grün.
Die Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag wollen das neue Verbundsystem darüber hinaus dafür nutzen, den Streit um die Einführung der Biotonne zu beenden - und zwar mit einem Vorschlag, von dem sie sich erhoffen, dass er (trotz der dafür nötigen Tonne) Zustimmung findet: Zunächst wollen sie eine Fristverlängerung bis Januar 2017 erwirken, um ein Konzept zu erarbeiten, das die Bioabfallverwertung zum Bestandteil des neuen Verbundsystems Westeifel macht.
Der Bioabfall der beteiligten Kommunen soll eingesammelt und in den angeschlossenen Biogasanlagen verwertet werden. Auch der Bau einer speziellen Biogas-Vergärungsanlage wäre denkbar.
Die Gärreste sollen dann den Landwirten zur Düngung zur Verfügung stehen. Ein wichtiger Vorteil dessen wäre aus Sicht der grünen Landtagsabgeordneten, dass die Biogasanlagen nicht mehr so stark auf Mais oder Getreide angewiesen wären, es weniger Monokulturen gäbe und weniger Konkurrenz um Flächen zur Erzeugung von Lebensmitteln. Um die vom Bund geforderte und bei vielen unbeliebte Biotonne führt bei diesem Lösungsvorschlag allerdings kein Weg vorbei. Die Grünen wollen ihn nun schnellstmöglich in die zuständigen Gremien einbringen.
Vorher werden der Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen, KNE-Vorstandssprecher Arndt Müller und Umweltministerin Ulrike Höfken allerdings heute in Prüm die letzten Geheimnisse der neuen Trasse lüften, die die Versorgung der Menschen in der Eifel verändern wird.
Extra

Initiatoren des Projekts sind die Stadtwerke Trier (SWT) und die Kommunale Netze Eifel AöR (KNE) mit Sitz in Prüm, an der neben dem Eifelkreis Bitburg-Prüm die SWT zu 24,9 Prozent beteiligt sind. Mit ins Boot geholt haben diese beiden die Stadtwerke Bitburg sowie die Verbandsgemeindewerke Bitburger-Land, Schweich, Speicher, Trier-Land und die Südeifelwerke Irrel. kah