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Ein Schicksalstag für den Nürburgring

Ein Schicksalstag für den Nürburgring

Heute dürfte ein wichtiger Tag für die Zukunft des Motorsports in der Eifel sein. Vertreter der Landesregierung und des gemeinnützigen Vereins "Ja zum Nürburgring" wollen bei der EU-Kommission erreichen, dass die Rennstrecken privilegiert werden.

Nürburg. Wenn die EU-Kommission damit einverstanden wäre, die Rennstrecken am Nürburgring zu privilegieren, könnte das bedeuten, dass sie aus dem laufenden Beihilfeverfahren und damit auch aus dem geplanten Verkaufsprozess herausgenommen werden. Zu der neuen Verhandlungsrunde kam es nach massiven Protesten aus der Region gegen einen Verkauf von Nordschleife und Grand-Prix-Rennstrecke. Der Vorsitzende von "Ja zum Nürburgring", ADAC-Ehrenpräsident Otto Flimm, und dessen Rechtsbeistand Dieter Frey haben dazu ein gemeinsames Papier mit der Landesregierung ausgearbeitet. Beide sind bei dem Gespräch in Brüssel dabei.
Bedeutung für Breitensport


Die Landesregierung wird von Clemens Hoch, dem Vize-Chef der Staatskanzlei vertreten, der sich schwerpunktmäßig um den Nürburgring kümmert. Mit am Tisch sitzen auch Hermann-Josef Romes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, Tobias Traupel, der die Staatskanzlei als Fachmann für das EU-Beihilferecht berät, sowie ein Vertreter des Betriebsrats am Nürburgring. Die Sitzung ist auf anderthalb Stunden angesetzt und beginnt um 11.40 Uhr.
Gesprächspartner sind der hohe EU-Beamte Wouter Pieké und sein Team. Der Niederländer ist in der Generaldirektion der Wettbewerbsbehörde für den Fall Nürburgring verantwortlich. Otto Flimm hofft, "dass nun endlich alle an einem Strang ziehen", wie er gegenüber unserer Zeitung erklärte. "Wir brauchen eine Trennung von Rennstrecken und Eventbereich, damit Nordschleife und Grand-Prix-Kurs nicht verkauft werden", so der ADAC-Ehrenpräsident. Der Rest (im Volksmund: die "Kirmes") kann seines Erachtens "gerne meistbietend an den Mann gebracht werden".
Die Rennstrecken indes gehören seiner Ansicht nach nicht ins EU-Beihilfeverfahren, da (mit Ausnahme der Haupttribüne) keinerlei strittige Mittel bei ihrem Bau geflossen sind. Und da beide "Monopolcharakter" haben und für den Breitensport unverzichtbar sind, müssen sie nach Flimms Einschätzung für eine Veräußerung tabu bleiben. Ziel ist, einen vom Freizeitpark befreiten, auf sein Kerngeschäft geschrumpften Ring vor dem Zugriff potenzieller Kaufinteressenten zu schützen.
EU-Energiekommissar Günther Oettinger, der auf Einladung von CDU-Fraktionschefin Julia Klöckner in Mainz weilte, äußerte sich nicht zum Verhandlungsstand. Der Fall Nürburgring liegt in der Zuständigkeit von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Doch der CDU-Politiker zeigte sich bei einem Hintergrundgespräch äußerst gut informiert. Er glaubt, dass die besondere Bedeutung des Rings - und damit auch der legendären Nordschleife - für den Motorsport bei der EU-Kommission gesehen wird. "Es gibt keine vergleichbare Rennstrecke", meinte er. Mit Blick auf die Formel 1 sagte Oettinger: "Mein Kollege Almunia hat nicht das Interesse, den Nürburgring aus dem globalen Geschäft zu werfen." Oettinger glaubt, "dass der Nürburgring eine Perspektive behält".
Den bisherigen Umgang der Landesregierung mit der EU-Kommission bezeichnete Oettinger als "suboptimal" und zielte auf Äußerungen des früheren Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) ab. Inzwischen sei aber ein gewisser Neuanfang gelungen.