Ein trendiger und nachhaltiger Baustoff

Ein trendiger und nachhaltiger Baustoff

Ein Werkstoff, ein Naturmaterial, mit Struktur und Geruch: Holz gilt seit Jahrhunderten im Haus- und Möbelbau als Material der ersten Wahl. In der Region Trier erlebt Holz inzwischen einen neuen Boom - wie auch der Andrang zahlreicher Holzverarbeiter auf der Verbrauchermesse "Öko 2014" am kommenden Wochenende zeigt.

Trier. Ob als Halbfertigteile, zur Vermeidung von Wärmebrücken, zum Dachausbau, zum Anbau oder zur Außendämmung: Der Holzbau und seine Technologien haben sich in den vergangenen Jahren nicht nur rasant entwickelt. In Zeiten von Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein ist das Bauen mit Holz "in". "Holz war nie ganz weg, aber der Werkstoff wurde weiterentwickelt und modernisiert", sagt Herbert Tschickardt, Kreishandwerksmeister Trier-Saarburg, Zimmereimeister und seit Jahrzehnten seinem Hauptbaustoff verbunden. Vom Fachwerk vor Hunderten von Jahren bis hin zum modernen mehrschaligen Holzbau - Holz habe einfach viele Vorteile.Stetig steigende Nachfrage

Nachhaltig, recycelbar, mit minimalem Energieaufwand für Herstellung und Verarbeitung: So formuliert das Umweltzentrum der Handwerkskammer (HWK) die Vorzüge des Werkstoffs Holz. Und Axel Bettendorf, Leiter des Umweltzentrums (UWZ), stellt fest: "Der Anteil reiner Holzgebäude, aber auch von Mischkonstruktionen mit Holz am Gesamtbauvolumen in der Region Trier hat zugenommen." Auch Handwerksmeister Tschickardt bestätigt: "Wir verzeichnen eine stärkere Nachfrage der Kunden nach dem Baustoff Holz."Und so wundert es auch wenig, dass zur 14. Auflage der "Öko-Messe" am kommenden Wochenende (22. und 23. Februar) jeder vierte Aussteller ein Holzverarbeiter ist. Altbausanierung, Modernisierung, Holzständerbau und Holzrahmenbau, Dachkonstruktionen, abgehangene Decken und Wärmedämmung im Dach: Dies sind nur einige der Möglichkeiten, die die knapp 30 der insgesamt 114 Aussteller im Trierer Messepark den Besuchern präsentieren.Damit nicht genug. Um gegenseitig voneinander zu profitieren, wollen die Handwerkskammer Trier und das Lehr- und Forschungsgebiet Holz der Hochschule Trier in Zukunft stärker zusammenarbeiten. Ein "Kompetenzzentrum Holz" in Zusammenarbeit von UWZ-Leiter Bettendorf und dem Trierer Hochschulprofessor Wieland Becker (Gestaltung, Architektur) soll ab dem Frühjahr kommenden Jahres ein Studium mit einem Abschlusszertifikat für ehemalige Fachhochschul-Absolventen und Tischler- sowie Zimmereimeister anbieten. Bedarf bei Altbausanierung

"Ziel ist es, dass die Forschung von der Praxis und die Praxis von der Forschung profitieren", sagt Bettendorf. Die Handwerksmeister könnten neue und moderne Theorie in ihre tägliche Arbeit aufnehmen, die Wissenschaftler Probleme der täglichen Arbeit auf den Baustellen aufarbeiten. "Wir sehen vor allem den Bedarf, sich bei der Restaurierung und energetischen Sanierung von Altbestand wie Fachwerkhäusern, aber auch bei digitalen Entwürfen und der sogenannten Abbundtechnik im Zimmerhandwerk auszutauschen", beschreibt der UWZ-Leiter die Idee der Zusammenarbeit von Hochschule und Wirtschaft. Aber auch der Standort Trier sei von Bedeutung, es gebe immerhin großen Waldreichtum in Eifel und Hunsrück sowie dem angrenzenden Benelux-Raum (siehe Extra). Und die Holzverarbeitung sei ein großer Wirtschaftsfaktor für die Region. Dabei sei die Forschung schon viel weiter, als es die Wünsche der Verbraucher, aber auch die Gesetzeslage hergeben, sagt Herbert Tschickardt: "Es ist noch lange nicht alles umgesetzt, was technisch möglich wäre", bedauert er. So seien bis zu achtgeschossige Gebäude aus Holz durchaus möglich zu bauen, in Rheinland-Pfalz seien aber nur drei Etagen gesetzlich erlaubt. An einem dreigeschossigen Gebäude aus Holzrahmenbau der Universität Luxemburg baut der Handwerksmeister mit seinen knapp 20 Mitarbeitern aktuell die Fassade komplett aus Holz. "Das Schöne daran ist: Wir haben den Werkstoff hier vor Ort, und er ist nachhaltig - was will man als Handwerker, aber auch als Verbraucher mehr", sagt der Kreishandwerksmeister. Die "Öko 2014 - Bauen und Sanieren" ist am kommenden Wochenende, Samstag, 22. Februar, und Sonntag, 23. Februar, im Trierer Messepark jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos unter www.oeko-trier.deExtra

Wer alte Fachwerkläuser wie dieses in Traben-Trarbach aus dem 19. Jahrhundert sanieren will, braucht Fachleute mit Spezialwissen. Hochschule Trier und Handwerkskammer wollen hier stärker zusammenarbeiten. TV-Foto: Archiv/Winfried Simon.

Rheinland-Pfalz ist - im Vergleich zu seiner Gesamtfläche -das waldreichste Bundesland in Deutschland. 42 Prozent der Landesfläche, rund 833 000 Hektar, sind mit Wald bedeckt. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 30 Prozent. Die Waldfläche übertraf damit nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems im Jahr 2011 erstmals die Landwirtschaftsfläche. Dabei war das Land nicht immer so stark bewaldet. Ende des 18. Jahrhunderts war der Wald nahezu zerstört. Erst langsam entwickelte sich eine Forstwirtschaft, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat. Heute hat Rheinland-Pfalz mit dem Pfälzerwald, aber auch mit Hunsrück, Eifel und Westerwald einige der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Mitteleuropa. Insgesamt sind 50 Baumarten in Rheinland-Pfalz heimisch, weshalb die Forst- und die Holzwirtschaft zu den wichtigen Wirtschaftsfaktoren im Land gehören. sas

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