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Ein Trierer Handwerker erhält den DFB-Pokal der Steinmetze. Was steckt hinter dem Peter Parler-Preis?

Auszeichnung : Ausgezeichneter Steinmetz

Trierer Handwerker erhält Peter Parler-Preis 2020, der „DFB-Pokal“ der Steinmetze. Ein Besuch in der Werkstatt.

Von der Bischofsstraße 3 im Gewerbegebiet Trierweiler- Sirzenich hat man einen fantastischen Weitblick, bei wolkenlosem Himmel bis nach Luxemburg. Hier hat Henning Wirtz seit 2013 seinen Steinmetz-Betrieb, sieben Mitarbeitende, fast die Hälfte davon weiblich. Gegenüber baut Amazon ein imposantes Verteilzentrum – von einer Straßenseite zur anderen trifft Tradition auf Moderne. Azubis lernen bei dem Meister ausschließlich, einen Naturstein mit Hammer und Meißel in die gewünschte Form zu bringen. So wie es seit Jahrtausenden weitergegeben wird. Erst mit dem Gesellenbrief dürfen sie Geräte nutzen, die die Knochenarbeit leichter machen.

Auf dem Hof vor Wirtz’ Werkstatt liegen gewaltige Steine, hier und da Skulpturen, Grabsteine, „Victoria, ca. 200 n. Chr.“ steht auf einem. In seinem Büro bieten Stühle aus einem ehemaligen Gewerkschaftshaus in der Petrusstraße Kunden Platz, auf dem Schreibtisch steht ein moderner Bildschirm. Auch hier trifft Alt auf Neu. An der Wand reihen sich Urkunden, Auszeichnungen und Zeitungsartikel aneinander – einen weiteren Platz muss Wirtz für den Peter Parler-Preis 2020 finden, den er kürzlich für sein Können erhalten hat. Dazu später mehr.

Schon als Kind war Henning Wirtz von Geschichte fasziniert. Archäologe wollte er werden. Oft ist der Trierer als Kind ins Museum gegangen, hat draußen gebuddelt, wo er Spannendes aus früheren Zeiten vermutet hat, und Verwandten sonntags die Fundstücke im Kinderzimmer verkauft. So erzählt er es rund vierzig Jahre später. Doch es blieb beim Traum vom Ausgraben und Entdecken – erst einmal. Zivi, Sozialversicherungskaufmann steht im Lebenslauf des 49-Jährigen. Mit Ende 20 lernt er den Beruf, in dem er angekommen ist, sich bis heute wohlfühlt: Steinmetz und Steinbildhauer.

Wirtz´ Arbeit schlägt meist eine Brücke zwischen Heute und der Vergangenheit: Wenn er Details des Trierer Doms aufhübscht oder die Mariensäule saniert, oder wenn Eltern, die um ihr Kind trauern, gemeinsam mit ihm den Grabstein entwerfen. „Ein uraltes Symbol, das Himmel und Erde verbindet“, sagt er. Es sei das letzte, was Eltern für ihr Kind tun könnten, ein kleines Detail könne Geschichten erzählen und im Stein sichtbar gemacht werden. Er fühle sich den Eltern emotional verbunden und gebe dem Entstehungsprozess die Zeit, die er brauche, sagt er. Das scheint sich herumgesprochen zu haben, Anfragen aus Österreich und der Schweiz landen in seinem digitalen Postfach. Auch in der Denkmalpflege hat der Steinmetz über die Region hinaus einen Namen. An einem Gut im nordrhein-westfälischen Inden, dem Gut Müllenark, hat er das barocke Hauptportal restauriert. Für seine Arbeit wurde er jetzt mit dem Peter Parler-Preis 2020 ausgezeichnet. Er habe um jeden Stein gerungen, heißt in einem Flyer, der eigens zur Preisverleihung gedruckt worden war. Darin spiegelt sich seine Liebe zu den Objekten, an denen er arbeitet, wider. „Die Chemie muss stimmen“, sagt er. Als er erstmals vor dem Portal gestanden habe, sei es ihm sympathisch gewesen und er habe gewusst: „Das kriegen wir hin.“ Über den Preis sagt Wirtz: „Das ist der ,DFB-Pokal’ der Steinmetze.“ 16 Projekte in der Denkmalpflege waren im Rahmen des Wettbewerbs begutachtet und am Ende drei Plätze und eine Belobigung vergeben worden – Henning Wirtz freut sich über Platz drei. „Eine kleine Krönung für mich“, sagt er und dass er sehr stolz darauf sei. Coronabedingt musste die Denkmalmesse in Leipzig und somit auch die Preisverleihung erst einmal abgesagt werden. Sie wird nachgeholt. Aber der Preis hat schon Spuren hinterlassen. Der Steinmetz, der in der Trierer Musikszene als Bluesharp-Spieler bekannt ist, wird noch einmal die Schulbank drücken. „Der Preis hat mich motiviert, mich zum Restaurator im Handwerk weiterzubilden“, sagt Wirtz.