Eine Chance als "Zukunftsstarter”

Eine Chance als "Zukunftsstarter”

Die Wirtschaft beklagt einen zunehmenden Fachkräftemangel. Doch einige Firmen finden Auswege - und die Arbeitsagentur hilft dabei.

Gillenfeld Sami Nahlawi drückt nach vielen Jahren wieder die Schulbank. Der 30-Jährige macht beim Gillenfelder Unternehmen martin networks GmbH eine Umschulung zum IT-System-Elektroniker. Der junge Vater von zwei Söhnen ist glücklich. Er ist ein "Zukunftsstarter". Unter diesem Label (siehe Info) fördert die Agentur für Arbeit nämlich junge Menschen, die keine abgeschlossene Berufsausbildung in Deutschland haben und zwischen 25 und 35 Jahren alt sind. Der Syrer gehört zu dieser Gruppe. Zwar hatte er in seiner Heimat eine Ausbildung zum Elektroniker, doch die Anforderungen an den Beruf sind in beiden Ländern höchst unterschiedlich. Dort arbeitete Nahlawi fünf Jahre in einer Firma, doch die Zustände in dem Land wurden unhaltbar, und er floh mit Frau und Kind. Seit 2015 ist er in Europa. Der anerkannte Flüchtling hat mit seiner Familie eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.
Dass er nun sogar eine Ausbildung machen kann, ist auch dem Engagement des ehemaligen Landrats im Vulkaneifelkreis, Heinz Onnertz, geschuldet. Denn hier kommt seine Ausbildungsfirma ins Spiel. Firmen-Chef Heinz-Wilhelm Martin: "Unser ehemaliger Landrat, Herr Onnertz, hat mich vor etwa 15 Monaten auf den jungen Mann angesprochen." Sami Nahlawi arbeitet damals in einem Restaurant als Küchenhilfe. Durch den Kontakt zwischen Geschäftsführer und Ex-Landrat bekam Nahlawi einen Helfer-Job in der IT-Firma. "Wir haben gesehen, dass er engagiert und ehrgeizig bei der Sache ist und auch Grundkenntnisse mitbringt", erinnert sich Martin. "Doch ohne anerkannten Abschluss kann sich der junge Mann und seine Familie hier nicht richtig integrieren", findet der Unternehmer. Für ihn und seinen Mitarbeiter war also schnell klar: Sami Nahlawi braucht einen Ausbildungsabschluss. Unterstützt werden dabei Firma und Mitarbeiter von der Arbeitsagentur. Monika Scheuer-Jungen, zuständig für Weiterbildungsförderung im Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur, sieht hier von allen Seiten einen lohnenden Einsatz. "Und es geht ja nicht nur um das Schicksal eines Einzelnen. Hier steht ja eine ganze Familie dahinter, Frau und Kinder und die Chance auf ein neues Leben", sagt sie. Dabei ist laut Martin vom Umschüler auch voller Einsatz gefordert: "Für Sami sind Deutschkenntnisse das A und O." Denn bei aller fachlichen Kompetenz kommt es natürlich darauf an, mit Kunden und Kollegen die Arbeit zu meistern. Der Syrer besucht, wie auch seine Frau, geförderte Sprachkurse und spricht schon ganz gut Deutsch.
Die Firma von Heinz-Wilhelm Martin hat insgesamt 17 Mitarbeiter und bietet IT-Rundum-Lösungen, von der Glasfaserverkabelung bis zur IT-Security, an. Im Team fühlt sich der Syrer bestens aufgehoben. Und der Firmenchef möchte ihn nach Abschluss seiner zweijährigen Ausbildung auch gerne im Unternehmen halten. "Das ist unser Ziel, denn es wird immer schwieriger Fachkräfte zu finden", sagt Martin.
Er sieht in dieser Situation die Wirtschaft gefordert. "Die Unternehmen müssen die Augen aufmachen, links und rechts schauen, wo sie gute Leute finden." Dabei müsse man Zeit und Geld in die Ausbildung seiner Mitarbeiter investieren.
"Wir unterstützen dabei die Unternehmen in der Region", sagt Benjamin Koerfer, Pressesprecher der Arbeitsagentur Trier. Die Initiative "Zukunftsstarter" sei eines der Instrumente, mit der die Agentur für Arbeit Trier dem Fachkräftemangel entgegenwirkt. In einigen Branchen und Regionen fehlten der Wirtschaft Fachkräfte. Durch die niedrige Arbeitslosenzahl sei es oft schwierig, Stellen zu besetzen. Die Initiative richte sich deshalb an alle Menschen in der Region im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, die über keinen Berufsabschluss verfügten.
Aus der Gruppe der 25- bis unter 35-Jährigen - für die das Programm "Zukunftsstarter" aufgelegt wurde - waren im August 2521 Personen in der Region Trier arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe lag dabei 4,8 Prozent und damit höher als die Gesamtarbeitslosenquote von 3,6 Prozent. Die Altersgruppe machte gut ein Viertel (24,2 Prozent) aller Arbeitslosen (10 428) aus. Von den Arbeitslosen in der fraglichen Altersgruppe verfügten 1083 nicht über eine abgeschlossene Ausbildung. Im Dezember 2016 waren in dieser Altersgruppe 36 571 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gemeldet - von diesen hatten 24 983 eine abgeschlossene Ausbildung, lediglich 3797 hatten keine Ausbildung. Die übrigen Personen hatten entweder eine akademische Ausbildung (5013) oder haben keine Angabe zur Ausbildung gemacht (2778). Seit August 2016 haben in der Region Trier insgesamt 126 Personen im Rahmen des "Zukunftsstarter"-Projekts eine Umschulung, die Vorbereitung auf eine Externenprüfung oder eine Teilqualifikation begonnen.

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