Eine Frage der Würde

Bundesweit haben die Gewerkschaften den "Tag der Arbeit" am 1. Mai gefeiert. In Mainz - bei der bundesweiten Zentralveranstaltung - und in Trier forderten die Redner einen Mindestlohn.

Trier. Der 1. Mai hat für die Gewerkschaften nichts an seiner Bedeutung eingebüßt. So waren auch in diesem Jahr rund 600 Gewerkschaftsmitglieder dem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes Trier gefolgt und zur Maikundgebung nach Trier gekommen.OB Klaus Jensen spricht in Trier

Der Trierer Oberbürgermeister forderte bei der Kundgebung in Trier, dass es für alle Menschen eine leistungsgerechte Entlohnung geben müsse. "Was ganz Europa kann, muss auch bei uns möglich sein - dass Menschen einen Mindestlohn erhalten", sagte Jensen. Eine gerechte Entlohnung sei auch für den sozialen Frieden enorm wichtig. "Es geht einem Teil in unserer Gesellschaft immer schlechter, während die Reichen immer reicher werden. Das hält eine Gesellschaft nicht aus", sagte Triers OB. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Trier (DGB), Karl-Heinz Päulgen klagte: "In Rheinland-Pfalz sind 40 000 Menschen auf Arbeitslosengeld II angewiesen, obwohl sie jeden Tag arbeiten gehen. Bei uns in der Region können 4250 arbeitende Menschen nicht ohne staatliche Hilfen leben." Die Gewerkschaft fordere deshalb mindestens 7,50 Euro für die Arbeitsstunde. "In den anderen EU-Ländern ist noch kein Betrieb wegen des Mindestlohns in Konkurs gegangen", sagte der DGB-Chef. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, und Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) haben zum 1. Mai gemeinsam einen flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland gefordert und vor einer Spaltung der Gesellschaft gewarnt. "Unsere Botschaft ist klar, verständlich und machbar: Arbeit darf nicht arm machen - Deutschland braucht den Mindestlohn", sagte Sommer in Mainz.Die rheinland-pfälzische Arbeitsministerin Malu Dreyer (SPD) hat sich indes anlässlich des Tags der Arbeit am 1. Mai für eine gleiche Entlohnung von Männern und Frauen ausgesprochen. "Immer noch verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 22 Prozent weniger für die gleiche Tätigkeit als Männer. Das ist alles andere als gerecht", sagte Dreyer laut Mitteilung bei der DGB-Maifeier in Frankenthal. Sie betonte die Forderung der Landesregierung nach einem gesetzlichen Mindestlohn und sprach sich dafür aus, dass "die Vorstandsbezüge von Managern durch Aktienoptionen und Pensionszusagen nicht unkontrolliert in die Höhe schießen".