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EIne große Persönlichkeit in der regionalen Wirtschaft

Handwerk : Das Handwerk trauert um Herbert Tschickardt

Die Nachricht kam überraschend, die Trauer ist umso größer: Herbert Tschickardt ist tot. Mit 68 Jahren ist der Ehrenkreishandwerksmeister gestorben, er hinterlässt in seiner Familie und im regionalen Handwerk eine große Lücke.

Denn Herbert Tschickardt hat über Jahrzehnte die Geschicke der regionalen Wirtschaft mitbeeinflusst, hat als Kreishandwerksmeister seine Handwerkskollegen bei der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg 20 Jahre angeführt, hat in der Handwerkskammer jahrzehntelang ehrenamtlich mitgewirkt und hatte vor allen Dingen den Handwerksnachwuchs, ob als Lehrling, Geselle oder Meister im Blick.

Der Zimmerermeister hatte immer ein offenes Ohr für die Probleme und Belange der Handwerker in der Region, war streitbare Gallionsfigur oder humorvoller Vermittler, immer im Sinne der Sache des Handwerks. Er wird allen, die ihn kannten, in Erinnerung bleiben, weil er stets sein Herz auf der Zunge trug und lieber anpackte als lange zu reden. Sein Humor hat so manche Diskussion entspannt und ihm viele Freunde gebracht.

Als Zimmerermeister war Tschickardt unter den Handwerkskollegen sehr geschätzt. Bereits 1979 machte er sich selbstständig. Früh schon kümmerte er sich als „Mediator“ um das gute Miteinander im Handwerk, vermittelte als Beauftragter für Bildung zwischen Lehrlingen und Ausbildungsbetrieben, wenn einmal etwas schieflief. Von 1992 an stand er der Zimmerer-Innung Trier-Saarburg als Obermeister vor und übernahm 1997 zusätzlich das Amt des Kreishandwerksmeisters, das er bis 2017 engagiert ausfüllte. Hier vertrat er 29 Innungen mit rund 1200 Mitgliedsbetrieben und deren Mitarbeitern.

In der Handwerkskammer Trier brachte er seine Meinung lange Jahre in der Vollversammlung ein und wirkte als Vorstandsmitglied auch weit über die regionalen Grenzen hinaus.

Die berufliche Bildung des Handwerksnachwuchses war ihm in vielen Jahrzehnten ein Anliegen, er war langjähriges Mitglied in den Prüfungsausschüssen des Zimmererhandwerks.

Seine Beliebtheit und die Anerkennung seiner ehrenamtlichen Arbeit zeigen sich in den vielen Auszeichnungen und Ehrungen die er erhielt. 2010 bekam Herbert Tschickardt die Goldene Ehrennadel der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg überreicht zudem erhielt er die Ehrennadel des Handwerks in Gold. 2017 zeichnete ihn Oberbürgermeister Wolfram Leibe mit dem Ehrenbrief der Stadt Trier aus und – auch das bleibt ganz in seiner humorvollen Art in Erinnerung, der OB überreichte ihm als Hobbykoch den „goldenen Kochlöffel der Stadt“, als witzige Retourkutsche für den „goldenen Zimmererhammer“, den er einst dem Trierer OB verliehen hatte. Als beliebtes Mitglied im Elferrat der Trierer Karnevalsgesellschaft Heuschreck hat sich Herbert Tschickardt nicht nur im Karneval engagiert, sondern eben auch im täglichen Leben hervorgehoben.

Bei allem aber stand immer das Wohl des regionalen Handwerks für ihn im Vordergrund. „Als langjährige, prägende Figur im regionalen Handwerk“ zeichnete ihn Rheinland-Pfalz 2018 mit der Landesverdienstmedaille aus.

Er wirkte in der Trier-Gesellschaft ebenso mit wie im Verwaltungsrat der IKK Südwest.  Und – für den Handwerksmeister sicher ein Höhepunkt seiner Karriere – 2017 ernannten ihn seine Kollegen zum ersten Ehrenkreishandwerksmeister.

In jenem Jahr hatte der Chef auch seinen Betrieb an seinen Sohn übergeben, stand ihm aber im Weiteren stets mit Rat und Tat zur Seite. Auch die Handwerkskammer Trier konnte sich weiter auf den Handwerker aus Leidenschaft verlassen. Bis zuletzt waren sein Fachwissen und seine Meinung gefragt, wie etwa im Bauausschuss für den Bau des neuen Berufs- und Technologiezentrums der HWK Trier.

Herbert Tschickardt hinterlässt eine große Lücke, das regionale Handwerk verliert einen großen und bedeutenden Botschafter seiner Werte.