Eine neue Plattform für die Mittelstandsforschung

Eine neue Plattform für die Mittelstandsforschung

Mit einer neuen Forschungsstelle Mittelstandsforschung an der Universität Trier soll die Wirtschaft wieder näher an die Hochschule rücken. Ziel ist, dass Professoren und Studenten regionale Unternehmen begleiten und beraten, die Wirtschaft soll im Umkehrschluss neue Fachkräfte gewinnen.

Trier. Mit großer Sicherheit wird das einst über die Landesgrenzen hinaus bekannte Institut für Mittelstandsökonomie (Inmit) am 16. Juni endgültig Geschichte sein, denn dann wird der Verein formal aufgelöst (der TV berichtete). Schon seit gut einem Jahr liegt die Mittelstandsforschung in dieser Form brach, weil die wichtigsten Förderer wie das Land Rheinland-Pfalz und die Stiftung Stadt Wittlich das Budget massiv eingeschränkt hatten. Mitarbeitern wurde gekündigt, das als Verein organisierte Institut besteht nur noch auf dem Papier.
Zunächst zwei Jahre finanziert


Nun soll es mit der Mittelstandsforschung in der Universitätsstadt Trier und der Region wieder aufwärts gehen: Denn für zunächst zwei Jahre gibt es eine Forschungsstelle Mittelstand, die als Nachfolgeeinrichtung des Inmit die Erkenntnisse von der Uni ins Wirtschaftsgeschehen tragen soll, eine Koordination von Abschlussarbeiten mit regionalen Unternehmen vorsieht und industrienahe Forschung betreiben soll. "Wir haben es geschafft, unterschiedliche Interessen zu bündeln und die Mittelstandsforschung über zwei Jahre mit jeweils 100 000 Euro zu finanzieren", freut sich Universitätspräsident Michael Jäckel. Denn mit den Trägern der neuen Forschungsstelle - unter anderem Universität, Nikolaus-Koch-Stiftung, beide Wirtschaftskammern, Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU), Sparkasse und Volksbank Trier, Stiftung Stadt Wittlich und Stadtwerke Trier (SWT) - gibt es durchaus unterschiedliche Interessen bei einer stärkeren Verzahnung von Forschung und Praxis. "Der Gedanke des Inmit war und ist gut. Nun ist es gelungen, mit kleinem Budget die Idee wiederzubeleben", sagt Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. Denn die Wirtschaft habe großes Interesse an Beratung durch und Zusammenarbeit mit der Universität, so dass jede Mittelstandsforschung "eine Investition in die Zukunft der Region" sei: "So wird es auch möglich, weitere Förderer zu finden."
Die Köpfe der Forschungsstelle sind der 37-jährige Jörn Block, Professor für Unternehmensführung an der Trierer Universität, sowie ein weiterer Mitarbeiter. Der Betriebswirtschaftler versteht seine Aufgabe darin, "eine Plattform für die Mittelstandsforschung zu schaffen", sagt er. Schon jetzt würden im Fach Betriebswirtschaftslehre rund 40 Abschlussarbeiten mit regionalen Unternehmen geschrieben. Aber auch Fachbereiche wie die Wirtschaftspsychologie sollen je nach Bedarf eingebunden werden.
"Ziel ist es, die Wirtschaft näher an die Uni zu holen", sagt Uni-Präsident Jäckel. So könnten Betriebe fehlende Fachkräfte aus dem Kreis der Hochschulabsolventen akquirieren. Die Forschungsstelle werde auch in die Wissenschaftsallianz Trier, eine Kooperationsinitiative in der Region zwischen Kommunen, Verwaltung, Forschung und Wirtschaft, hineinwirken, sagt der Uni-Präsident.

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