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Eine Region ohne Knalleffekte

Eine Region ohne Knalleffekte

Mehr Beschäftigte, mehr neue Jobs, aber auch eine leicht erhöhte Arbeitslosenquote - das ist die regionale Arbeitsmarktbilanz für das zurückliegende Jahr. Auch für 2017 sind die Prognosen gut. Dennoch hat der Chef der Trierer Arbeitsagentur einen wohl nicht leicht zu erfüllenden Wunsch.

Trier. Wenn der Chef der Trierer Arbeitsagentur, Heribert Wilhelmi, zu Beginn eines neuen Jahres turnusgemäß auf das vergangenen Jahr zurückschaut, erinnert dies unweigerlich an die Silvesterklamotte "Dinner for one" und Miss Sophies wiederkehrendes "same procedure as every year". Zwar geht mal die eine Zahl ein bisschen rauf und die andere ein bisschen runter, aber unter dem Strich sind auf dem regionalen Arbeitsmarkt seit Jahren keine größeren Ausschläge nach oben oder unten festzustellen. Das gilt auch für 2016, wie die Experten der Trierer Arbeitsagentur am Dienstag bilanzierten. (Daneben stellten sie auch die Dezemberzahlen vor, siehe Grafik.) Trotz leichten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen sei der regionale Arbeitsmarkt in einem guten Zustand, sagte Agenturchef Wilhelmi, und es klang ein wenig nach Understatement.
Denn eigentlich sind die regionalen Zahlen im Vergleich zum restlichen Rheinland-Pfalz sogar spitze. Mit einer Arbeitslosenquote von durchschnittlich 3,1 Prozent ist der Eifelkreis Bitburg-Prüm abermals Landes champion. Aber auch der Kreis Trier-Saarburg kann sich mit 3,3 Prozent sehen lassen. Beide Kommunen profitieren besonders von der Grenznähe zu Luxemburg mit über 30 000 Pendlern allein aus der Region Trier. Auch Trier, das als Oberzentrum traditionell eine höhere Arbeitslosenquote (5,7 Prozent) aufweist, ist im Landesvergleich unter den kreisfreien Städten auf Platz zwei. Der Vulkaneifelkreis kommt im Jahresdurchschnitt auf 4,5 Prozent, der Kreis Bernkastel-Wittlich auf 3,7 Prozent. Bernkastel-Wittlich weist im Vergleich der regionalen Kommunen die höchsten Schwankungen auf, weil es dort besonders viele Beschäftigte im saisonabhängigen Hotel- und Gaststättengewerbe gibt. "Wenn die Gastronomie die Pforten öffnet, sinkt die Arbeitslosenquote", sagt der Trierer Agenturleiter.
Daran wird sich auch in diesem Jahr nichts ändern. Nach dem Höchststand im Januar werden die Arbeitslosenzahlen in der Region in den folgenden Monaten zunächst kontinuierlich sinken. Die Zahl der Beschäftigten, die 2016 die 170 000er Marke knackte, werde in diesem Jahr abermals ansteigen, prognostiziert Agentur-Vizechefin Edeltraud Nikodemus unter Verweis auf aktuelle Umfragen der Kammern. Die Stimmung in den Unternehmen und Betrieben sei positiv. Hinzu komme: Im Vergleich zu anderen Gebieten in Deutschland weise die Region Trier eher einen stabilen Beschäftigungsmarkt auf. "Da knallt es weder nach oben, noch nach unten", brachte es Nikodemus auf den Punkt.
Daran hat auch die bisweilen hohe Zahl an Asylbewerbern nichts geändert. Die Flüchtlinge künftig bei der Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt mehr zu unterstützen, ist eine der arbeitsmarktpolitischen Initiativen, die sich die Trierer Agentur für dieses Jahr auf die Fahne geschrieben hat. Der Agenturchef hat noch einen persönlichen Wunsch: "Die Neuansiedlung eines Großbetriebs wie Amazon in Koblenz oder Haribo im Kreis Ahrweiler täte der Region gut", meint Wilhelmi.
Bleibt nur noch die Frage, woher in einer Region mit wenig Arbeitslosen die Beschäftigten für ein solches Großunternehmen kommen sollen.