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Eine Region steht unter Strom

Eine Region steht unter Strom

Selbst lernende Computer, Breitbandausbau und E-Mobilität: Die Energiewende ist in der Region Trier bereits spürbar. An jedem zehnten Stromanschluss hängt ein privater Energieerzeuger.

So viel Ökoenergie wie im Monat Oktober gab es bundesweit noch nie: 44,1 Prozent der deutschen Stromproduktion kamen aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind, Wasser und Biomasse, teilen die Energieversorger mit. Insgesamt produzierten die Ökostromanlagen gut 20,7 Milliarden Kilowattstunden Strom.

In der Region Trier ist die Energiewende bereits fortgeschritten: So gibt es heute in den Landkreisen Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich und Bitburg-Prüm 14 000 Ökostrom-Produzenten. Das heißt, an jedem zehnten Stromanschluss hängt nun ein privater Einspeiser", sagt Jürgen Stoffel, Leiter Regionalzentrum Trier der Westnetz und verantwortlich für Planung, Bau und Betrieb von Strom- und mehreren Glasfasernetzen in der Region Trier beim ersten Energiegipfel des Trierischen Volksfreunds . Dieselbe Strommenge erzeugt ein Atommeiler im französischen Cattenom.

Sich selbst mit Strom versorgen und dabei immer weniger abhängig von steigenden Stromkosten zu sein, das wollen immer mehr Menschen. "Der Bürger wartet nicht, bis die Politik reagiert, sondern er ergreift die Gelegenheit und investiert etwa in Photovoltaik", sagt Manfred Klasen, Vertriebsleiter von Innogy Süd, der neuen RWE-Tochter für erneuerbare Energien. So würden Verbrauch und Energiekosten minimiert. Und sollte sich Strom künftig besser speichern lassen, erwarten die regionalen Energieversorger einen weiteren Ökostrom-Boom: "Wenn Stromspeicher erschwinglich werden, wächst die Eigenproduktion", ist sich Arndt Müller, technischer Vorstand der Trierer Stadtwerke (SWT), sicher.

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie fordert daher "den Netz- und Speicherausbau und die Anbindung des Wärme- und Verkehrsbereichs", sagt ihr Präsident Michael Ziesemer. Noch sei das Energiesystem weiter auf alte Technologien ausgerichtet. Als weitere Zukunftsfelder sieht er die Speicherung und intelligente Steuerung von Strom sowie "den massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität sowie einen massiven Breitbandausbau".

Gerade auf diesen Feldern stellen die regionalen Energieversorger sowie die Handwerkskammer (HWK) Trier die Weichen. "Wir müssen alle darauf vorbereiten, dass die neue Welt umsetzbar wird", sagt Axel Bettendorf, HWK-Hauptgeschäftsführer, und verweist auf einen Wandel der Gewerke. "Bei den KFZ-Betrieben fallen komplette Arbeiten wie Ölwechsel oder Motorreparaturen durch die E-Mobilität weg."

Ein Beispiel für die Energiewende in der Region ist die sogenannte Eifelpipeline der SWT mit der Netzgesellschaft KNE aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm. Sie soll 250 000 Menschen mit Trinkwasser, Strom, Gas und Breitband versorgen und Bioenergie bündeln. Dafür legen die SWT ihr Großprojekt des Pumpspeicherwerks Rio an der Mosel vorerst auf Eis. Westnetz testet in Pilotprojekten wie Smart Country in Bleialf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) oder Smart Operator in Wincheringen (Kreis Trier-Saarburg) und bald Idesheim (Eifelkreis Bitburg-Prüm), wann Strom aus Biomasse oder Sonne erzeugt wird und wann wie viel Strom für Haushalte und Elektro-Fahrzeuge abgezapft wird.

Auch die SWT nutzen zunehmend selbstlernende Computersysteme, um "vom Abwasser bis zur Straßenbeleuchtung Strom besser einsetzen zu können". Denn für die Energieversorger wie für die Verbraucher gilt: Auch wenn die Umlage für erneuerbare Energien leicht sinkt, befinden sich die Strompreise auf einem Rekordhoch: "Ich glaube nicht, dass es zu nennenswerten Änderungen beim Strompreis kommt", sagt SWT-Vorstand Olaf Hornfeck.