Einmal im Monat ist "Moritz"-Tag

Einmal im Monat ist "Moritz"-Tag

Die Auftragslage ist gut, die Firma könnte expandieren. Doch sie findet nicht genug Arbeitskräfte. Herbert Zahnen von Zahnen Technik in Arzfeld, Elektro- und Maschinentechnik für Abwassersysteme, hat vor drei Jahren vor diesem Problem gestanden. Heute hat er es gelöst und seinen Mitarbeiterstamm nahezu verdoppelt - mit einer lebensphasenorientierten Personalpolitik.

Arzfeld. Jeden letzten Freitag im Monat spielt bei der Zahnen Technik GmbH in Arzfeld "Moritz" die Hauptrolle. "Moritz", das steht für "Mitarbeiter orientierter Zahnen Lohn". Das macht sich nicht nur bei der Gehaltsabrechnung bemerkbar, sondern ist ein Teil der Unternehmenskultur.
"Dann sind alle Mitarbeiter im Haus", erklärt Firmenchef Herbert Zahnen, auch die von den Baustellen außerhalb. Dann ist Zeit für Schulungen, Mitarbeitergespräche und Gesundheitsmanagement; die Mitarbeiter waschen ihre Autos - immerhin haben 45 Prozent einen Firmenwagen. "Manchmal ist ein Steuerberater hier, der den Mitarbeitern bei der Steuererklärung hilft, oder ein Friseur. Sie müssen dafür keine Freizeit opfern."
Warum der Chef so viel in die Mitarbeiter investiert? "Wir hatten vor drei Jahren eine Wachstumsklemme", sagt der 54-Jährige, "weil wir kein Personal gefunden haben, weder Auszubildende noch Gesellen."
580 Lehrstellen unbesetzt


Nicht nur ihm macht der Facharbeitermangel zu schaffen. "Jeder fünfte unserer 7000 Mitgliedsbetriebe sucht Mitarbeiter", bestätigt Matthias Schwalbach, Leiter der Wirtschaftsförderung in der Handwerkskammer (HWK) Trier. "Es gibt rund 1500 offene Stellen, wir haben in allen Branchen Engpässe." Außerdem hätten in diesem Jahr, so Schwalbach, 580 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden können.
Zahnen hat eine Bachelorarbeit zum Thema "Employer Branding in mittelständischen Unternehmen" einer Studentin aus dem Ort weitergeholfen. Ziel war es, die Zahnen Technik GmbH als attraktiven Arbeitgeber darzustellen. Mit nur 40 Mitarbeitern führte Herbert Zahnen den Bereich Personalentwicklung ein - mit Erfolg: Heute arbeiten 84 Menschen, davon 13 Frauen, im Betrieb.
Aus den Ergebnissen einer Mitarbeiterbefragung hat Zahnen ein Konzept mit drei Säulen erarbeitet. "Wir müssen Menschen aus der Region finden und diese hier halten." Das fange bei den Auszubildenden an. "Das sind die ersten Fachkräfte, die uns helfen."
Menschen aus der Region zurückgewinnen sei die zweite Säule. "Wir haben Erfolg damit, Ingenieure und Techniker, die aus beruflichen Gründen weggezogen sind, zu werben." An die dritte Säule, die Rekrutierung von Mitarbeitern aus anderen Regionen, habe er sich noch nicht herangetraut, sagt Zahnen.
Die HWK geht diesen Weg: "Wir versuchen verstärkt, in die Großregion, nach Wallonien, Luxemburg und Lothringen zu gehen", berichtet Schwalbach. Dort sei die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen etwa doppelt so hoch wie in Rheinland-Pfalz. So sei in Wallonien jeder Vierte ohne Job.
Zahnen setzt auch auf flexible Frauenarbeitsplätze, etwa durch eine Teilautomatisierung beim Schaltschrankbau. "Wir haben verschiedene Arbeitszeitmodelle." Wichtig sei auch die Mitarbeiterbindung, ein weiteres Ergebnis der Befragung. "Wir versuchen, unsere Beschäftigten als Führungskräfte zu gewinnen." Alle absolvieren Fortbildungen. Künftig will Zahnen drei Nachhaltigkeitsworkshops anbieten zu Qualität, Kundenorientierung und Unternehmenskultur. "Es ist wichtig, dass die Region viele attraktive Arbeitsplätze hat, das stärkt uns alle."
Extra

Die Firma Zahnen wurde 1958 als klassischer Elektroinstallationsbetrieb mit angegliedertem Handel in Arzfeld gegründet. 1992 übernahm Herbert Zahnen im Alter von 22 Jahren den Betrieb von seinem Vater - damals mit einem Mitarbeiter - und wandelte ihn 1996 in die Firma Zahnen Technik GmbH um. "Ich habe den Betrieb im Jahr 2000 umstrukturiert und die Abwassertechnik für uns entdeckt", sagt der 54-Jährige. Heute liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung, Lieferung und Montage von Maschinen- und elektrotechnischen Einrichtungen für abwassertechnische Anlagen wie Kläranlagen, Pumpstationen und Regenüberlaufbecken sowie Biogasanlagen. mehiExtra

Die Zahnen Technik GmbH in Arzfeld bildet zurzeit 15 junge Menschen aus, das sind knapp 19,8 Prozent aller Beschäftigten. Samstags machen Trainer die Auszubildenden "Fit for Job", wie Herbert Zahnen den Aktionsplan nennt. Es gibt fünf Module: Persönlichkeitsentwicklung, Selbstmanagement, Kommunikation, Kunde, also Präsentation, und Gespräche am Telefon. Denn bei den Mitarbeitern werde nicht nur Wert auf Fach-, sondern auch auf diese sozialen Kompetenzen gelegt. "Wir ermitteln die individuelle Handlungskompetenz, also die Schnittmenge, in Mitarbeitergesprächen", sagt Zahnen. Es gebe Schulungsprogramme übers ganze Jahr. "Bei uns hat jeder Auszubildende einen Paten, der eine entsprechende Bescheinigung hat", sagt Zahnen. Er habe seit 2006 einen Trainerschein Persönlichkeitsentwicklung und sei Coach. mehi