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Einmal Reifendruck prüfen für einen Euro

Einmal Reifendruck prüfen für einen Euro

An der Tankstelle den Reifendruck messen und bei Bedarf Luft nachfüllen: Was bisher umsonst war, kann neuerdings Geld kosten. Die ersten Münzautomaten in der Region Trier stehen in Hetzerath (Kreis Bernkastel-Wittlich) und Schweich (Kreis Trier-Saarburg).

Hetzerath/Trier. Am Hähnchengrill an der Hauptstraße von Hetzerath ist um die Mittagszeit viel Betrieb. Die Kunden von Imbisswirt Karl-Heinz Pfleger diskutieren über die neue Luftdruckstation an der örtlichen Tankstelle. Dort müssen Kunden einen Euro bezahlen, um fünf Minuten lang den Luftdruck an ihrem Auto kontrollieren und Luft nachfüllen zu können.
"Ich finde das eine Frechheit. Da schiebe ich mein Auto lieber bis nach Trittenheim oder Schweich", sagt Ewald Schweisthal. Auch der Hetzerather Kai Dietzmann ist von dem neuen Gerät nicht überzeugt: "Ich versuche, dahin zu fahren, wo es nichts kostet."
Altgeräte oft gestohlen


Helmut Wagner, Eigentümer der Hetzerather Tankstelle, sieht die Sachlage gelassener: "Bis jetzt gab es noch keine Probleme mit den Kunden - im Gegenteil." Die Geräte seien modern und funktionierten automatisch, erklärt Wagner. Vor allem Frauen würden sich freuen, weil sie viel einfacher zu bedienen seien als frühere Modelle. Auf die Kritik einiger Autofahrer gibt Wagner nicht viel: "Vereinzelt fragen die Leute, warum Geld genommen wird. Ich erkläre Ihnen dann, dass das Luftdruckprüfgerät ein wirklicher Kostenfaktor für eine Tankstelle ist: Es fallen Reparaturen, Strom- und Kompressorkosten an. Zudem sind uns schon mehrere Geräte gestohlen worden. Da kann keiner sagen, dass Luft kostenlos ist."
Zwei bis drei Mal im Jahr prüft der durchschnittliche deutsche Autofahrer den Reifendruck an seinem Fahrzeug. Inzwischen muss er an 200 Tankstellen dafür eine Pumpgebühr entrichten. Für Reinhard Moll vom ADAC Mittelrhein ein Unding: "Durch die Bezahlautomaten kann die Verkehrssicherheit gefährdet werden. Die Menschen werden nicht mehr regelmäßig prüfen, weil sie auf Umwegen zu kostenlosen Automaten fahren müssten oder schlichtweg kein Kleingeld parat haben."
Der Firma AirServ aus Jülich betreibt die Bezahlstationen komplett in Eigenregie, so dass die Tankstellenpächter keine Kosten haben. AirServ-Geschäftsführer Nick Janssen lässt das Argument der mangelnden Verkehrssicherheit nicht gelten: "Wenn man dringend den Luftdruck kontrollieren muss, ist ein kostenpflichtiges Gerät besser als gar keines. Derzeit sind in Deutschland viele Geräte zum Luftmessen außer Betrieb, da sie schlecht gewartet oder gestohlen wurden. Unsere Geräte sind beheizt und immer betriebsbereit - das ist unser Geschäft."
Janssen kann die Aufregung aber auch ein wenig nachvollziehen: "Wenn man eine Dienstleistung bezahlen muss, die vorher gratis war, führt niemand einen Freudentanz auf. Sobald der Kunde jedoch die Vorteile wie den Bedienkomfort sieht, wird das Gerät akzeptiert."
Janssen verweist auf positive Erfahrungen in Großbritannien. Dort betreibt AirServ bereits 7000 Luftdruckstationen. In Belgien und den Niederlanden sind es 1500.
In Luxemburg ist die Reifenluft an Tankstellen derzeit noch kostenlos, was sich aber mittelfristig ändern könnte.
Ist es angebracht, einen Euro zu bezahlen, um den Reifendruck zu prüfen? Der TV fragte Autofahrer am Einkaufszentrum in Schweich. "Ich würde dem Pächter sagen, dass er einen Kunden verloren hat. Luftdruckkontrolle gehört für mich zum Service." "Ich finde einen Euro zum Prüfen des Reifendrucks enorm viel. Aber die meisten fahren ja nach Luxemburg tanken, deshalb kann ich die deutschen Pächter ein bisschen verstehen." "Ich finde das nicht gut. Die Luft gehört allen, ob sie aus dem Schlauch kommt oder zum Atmen ist."sen