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Einzelhandel Trier: Warum diese Geschäfte eröffnet haben

Einkaufen in der Region Trier : Einzelhandel: Diese fünf schwimmen gegen den Strom

Während immer mehr kleine Fachgeschäfte schließen, starten sie durch: Fünf Unternehmer aus der Region erzählen, warum sie ein Geschäft eröffnet oder übernommen haben.

„Wir machen es aus Freude an unserem Beruf“

Markus und Petra Goertz und ihre Buchhandlung in Bernkastel-Kues

Bei unserem Besuch Ende Oktober gleicht das Ladenlokal im Stadtteil Kues noch einer Baustelle: Die Schreiner sägen und schrauben, und Markus und Petra Goertz sind erkennbar im Stress. Denn Mitte November sollte es so weit sein: Das Ehepaar wollte dann seinen Buchladen eröffnen. Es ist nicht das einzige Projekt, mit dem es sich in Zeiten des Onlinehandels und der abflachenden Corona-Pandemie in das Haifischbecken des stationären Einzelhandels stürzt. Die beiden Kinheimer haben bereits 2018 in Cochem einen Buchladen übernommen und weitergeführt. Jetzt wollen sie sich dem Gegentrend zum stationären Einzelhandel mit einem zweiten Geschäft widersetzen? „Gegentrend ist relativ“, sagt Markus Goertz. Bei Großbuchhandlungen gebe es in der Tat einen Trend zu Schließungen und Verkleinerungen. Doch der inhabergeführte Buchhandel lebe von der individuellen Betreuung und Beratung der Kunden. „Insbesondere, wenn man die meisten Kunden vor Ort und ihre persönlichen Lesegewohnheiten kennt“, sagt Markus Goertz.

Markus und Petra Goertz in ihrer Buchhandlungin Bernkastel-Kues.
Markus und Petra Goertz in ihrer Buchhandlungin Bernkastel-Kues. Foto: TV/Christoph Strouvelle

Denn Petra Goertz ist an dem Standort Bernkastel-Kues tatsächlich eine alte „Häsin“. In einer Buchhandlung der Moselstadt, die 2020 geschlossen hat, hat sie mehr als 20 Jahre gearbeitet. Deshalb hat sie ehemalige Mitarbeiter für ihr neues Geschäft gewinnen können. Zudem sei der Zuspruch aus Bernkastel-Kues auch am Standort in Cochem nie abgeflaut, sagt Petra Goertz. „Stammkunden sind aus Bernkastel-Kues zu uns nach Cochem gekommen“, sagt sie. Eine weitere Verbindung sei der Internetshop gewesen, der von Kunden von der Mittelmosel, die Petra Goertz noch kannten, eifrig genutzt worden sei. „Anfangs haben wir sogar persönlich ausgeliefert“, sagt Petra Goertz. Dann hat das Ehepaar eine Bücherecke und einen Abholservice im „Bernkasteler Schaufenster“ eingerichtet, in dem Geschäfte verschiedener Branchen gemeinsam Auszüge aus ihren Sortimenten zeigen. Leseveranstaltungen des Kulturbüros haben die Goertz‘ mit Büchertischen begleitet, was sie auch weiterführen wollen.

Zudem sei der Buchladen in Cochem seit seiner Eröffnung ebenfalls gut gelaufen. „Sonst könnten wir das hier nicht“, sagt Markus Goertz inmitten der noch leeren Regale. Wobei sich am Standort in Kues in der Nähe der Moselbrücke zwei Vorteile miteinander verbinden: Das Ladenlokal ist für Stammkunden gut zu erreichen und es liegt auch noch inmitten der Touristenströme. „Eine gesunde Mischung“, sagt Markus Goertz. „Wir machen es aus Freude an unserem Beruf“, sagt Markus Goertz. Er ist optimistisch, dass er und seine Frau die Buchhandlung wirtschaftlich führen können und hat die Hoffnung, dass es auch in Krisenzeiten so bleibt. „Wir sind zuversichtlich“, sagt er. „Um es wie mit Hermann Hesse zu sagen: Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.

 Michael Pauly glaubt an den stationären Handel.
Michael Pauly glaubt an den stationären Handel. Foto: TV/Christoph Strouvelle

Ein Idealist geht in die Fläche

Michael Pauly und sein Geschäft für Haushaltswaren und Baumarkt-Artikel in Morbach

Ein Elektrosortiment war Michael Pauly nicht genug: Neben seinem Handwerksbetrieb für Elektroinstallation und seinem Fachgeschäft für Elektroartikel mit Haushaltselektronik, Unterhaltungsgeräten und sogenannter weißer Ware hat der Morbacher Unternehmer gleich zweimal in neue Sortimente investiert. 2020 hat er ein bereits bestehendes kleines Gebäude hinter seiner Stamm-Immobilie umgebaut und auf 40 Quadratmetern Fläche einen Haushaltswarenladen eröffnet. 2021 hat er diesen mit einem Baumarktsortiment auf gleicher Fläche erweitert. So erhalten die Morbacher Kunden bei ihm jetzt nicht mehr nur Kühlschränke, Toaster und Fernsehgeräte, sondern auch Pfannen, Töpfe, Backformen sowie Kleiderbügel und Knoblauchpressen. Hinzu kommen Schrauben, Dübel, Zangen und Hämmer. „Ich will damit mein Elektrogeschäft ergänzen. Wer einen Herd kauft, braucht auch eine Pfanne und einen Kochtopf dazu“, sagt er. Weiterhin nutzt er eine Außenfläche von rund 100 Quadratmetern für Events, zeigt dort aber auch einige wenige hochwertige Gartenmöbel. Das soll aber noch nicht das Ende sein: Auf dieser Freifläche errichtet er noch eine Außenhütte für saisonale Sortimente wie Weihnachtsartikel oder Grills. Und eine Erweiterung der Geschäftsräume um weitere 40 Quadratmeter ist für das kommende Jahr fest geplant, um die neuen Geschäftsräume mit seiner Elektroausstellung zu verbinden. Für die erneute Investition von 52.000 Euro sind bereits Mittel aus der Leader-Förderung (Förderprogramm der Europäischen Union zur Entwicklung des ländlichen Raumes) in Höhe von 40 Prozent bewilligt.

Warum macht Pauly das? „Ich glaube immer noch an den stationären Einzelhandel“, sagt er. Bei ihm stecke auch viel Idealismus dahinter. In Morbach hatte 2020 ein Baumarkt geschlossen. Pauly will mit seinem Engagement eine entstandene Sortimentslücke schließen. Die Entwicklung des Geschäftes für Haushaltswaren und Baumarktartikel habe anfangs geholpert, da man sich in fremde Sortimente habe einarbeiten müssen. Gerade auf der relativ kleinen Fläche sei es schwierig, ein umfangreiches Sortiment zu zeigen. Pauly wähnt sich immer noch in der Aufbauphase. „Es ist noch mehr möglich“, sagt er. „Die Leute haben das Geschäft noch nicht auf dem Schirm.“ Von der Politik wünscht sich Pauly mehr Unterstützung für den stationären Einzelhandel. So könne diese mehr auf das Umweltbewusstsein der Kunden einwirken. Gerade der Versandhandel mit seinen vielen Retouren belaste die Umwelt. Hinzu wünscht er sich lokal mehr Unterstützung durch Wirtschaftsförderer, die sich mehr gegen den Leerstand in den Innenstädten wenden.

„Nächstes Jahr wird besser“, sagt Alexander Conrad. Er hat innerhalb von zwei Jahren mit Felice und Constanca zwei traditionelle Trierer Modehäuser übernommen.
„Nächstes Jahr wird besser“, sagt Alexander Conrad. Er hat innerhalb von zwei Jahren mit Felice und Constanca zwei traditionelle Trierer Modehäuser übernommen. Foto: Roland Morgen

Optimist ohne Platzhirsch-Gehabe

Alex Conrad und seine zwei Bekleidungsgeschäfte in der Trierer City

Der traut sich was, haben sicher viele gedacht, als sie im Volksfreund gelesen haben, dass Alexander Conrad innerhalb kurzer Zeit ein zweites Geschäft in Trier übernommen hat. Am 1. Januar 2020 wurde er Chef von Felice, einem Geschäft für Männermode am Kornmarkt. Dort war er vorher angestellt und als seine Chefin aufhören wollte, war er zur Stelle. Die Übernahme sei einfach gewesen, weil er gewusst habe, was ihn erwarten würde, sagt Alexander Conrad. Dann kam Corona und der frischgebackene Unternehmer wurde abrupt ausgebremst. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, „eher spontan“ das Damenmodegeschäft Constanca in der Konstantinstraße zu übernehmen. Er habe bereits die Intention gehabt, einen Laden für Damenmode zu eröffnen, habe schon ein Objekt im Blick gehabt, als er durch Zufall erfahren habe, dass das Traditionshaus schließen würde. Er kontaktierte den Inhaber und nach zwei Monaten sei man sich einig gewesen. „Constanca by Alex Conrad“ wurde am 1. Januar 2022 eröffnet.

War das nicht ein gewagter Schritt? Auf den Umgang mit Frauen „hatte ich richtig Lust“, sagt der 28-Jährige. „Da herrscht mehr Trubel. Männer wissen, was sie wollen. Wenn das zusammengestellte Outfit sitzt, kann das eine Sache von zehn Minuten sein“, sagt er lachend. Es habe den ein oder anderen gegeben, der ihm abgeraten habe, „aber ich lebe komplett nach meinem Sternzeichen Löwe“, sagt Alex Conrad. Ganz gleich, was einen Löwen ausmacht, der Jungunternehmer wirkt optimistisch, zielstrebig und freundlich. Der Schritt sei auf jeden Fall richtig gewesen, leichte Zweifel habe es zwischendurch gegeben, aber das sei reine Kopfsache … Ein Handwerker kommt und hat Fragen … kurze Pause.

Wo waren wir stehen geblieben? Ist sein Optimismus trotz Corona belohnt worden? Wie laufen die Geschäfte? „Dass ich ein Mega-Team habe und arbeiten unheimlich Spaß macht, sehe ich als Belohnung“, antwortet er. Man werde kein Millionär, aber darauf komme es nicht an. Es sei auch nicht immer einfach. Die Dauerbaustelle auf der Straße vor den Constanca-Auslagen, die nach Monaten endlich Anfang Dezember verschwunden sein soll, bezeichnet er als Katastrophe. „Nächstes Jahr wird besser“, ist er überzeugt und schwärmt vom „verdoppelten Wareneinsatz“ für den kommenden Sommer. „Wir haben ein unglaublich cooles Sortiment für Alt und Jung, klassisch und modern …“ Alex Conrad sagt, er sei angekommen. Seine Begeisterung ist ansteckend.

Was wünscht er sich langfristig für den Einzelhandel in Trier? „Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Einzelhändlern sollte einfacher werden“, sagt er und meint damit einen gut erreichbaren festen Ansprechpartner und weniger Bürokratie. Außerdem hätte er gerne mehr Attraktivität, ein paar Blumen und Bänke in einer Konstantinstraße ohne Autos, fahrende und stehende. Er sieht auch die Immobilienbesitzer in der Pflicht für ansehnliche Außenfassaden zu sorgen, im Zweifel solle die Stadt vermitteln. Eine für Kunden attraktive Innenstadt besteht für ihn aus einem Angebot inhabergeführter Geschäfte, weniger aus Ketten. Er freut sich über die „neuen“ Secondhand-Läden „Kinderkram“ vis-à-vis von Constanca oder „Liebe auf den 2ten Blick“ in der Nagelstraße. Mitbewerber belebten das Geschäft, seien keine Konkurrenz. Das Platzhirsch-Gehabe von früher, finde er problematisch. Und: Seine Kunden vermissten gute, gehobene Gastronomie in Trier … Die neue Händler-Generation ist da.

Daniela Johanni (Zweite von rechts) und ihr NNIstudio-Team vor ihrem Geschäft in der Neustraße.
Daniela Johanni (Zweite von rechts) und ihr NNIstudio-Team vor ihrem Geschäft in der Neustraße. Foto: NNistudio/Esther Raudszus

Mutig ihrer Zeit voraus

Daniela Johanni und ihr eigenes Label NNIstudio samt Laden in Trier

Schön, wenn sich bewährt, was man sich vorgenommen: Die Trierer Modedesignerin Daniela Johanni hat nach ihrem Abschluss an der Trierer Hochschule 2016 beschlossen, sich mit ihrem eigenen Label NNIstudio selbstständig zu machen. Wegen ihres Zieles, alles in einer Hand zu behalten und in Deutschland produzieren zu lassen, sei sie damals belächelt worden. Unmöglich. Verrückt. Unbezahlbar. Aber Daniela Johanni ist „stur“ geblieben und ist nun allen Skeptikern zum Trotz auf einem sehr guten Weg. Die zunächst überschaubare Damenkollektion ist stetig gewachsen und mittlerweile gibt es auch Kleidung für Männer und Kinder. Zu Philosophie von NNIstudio gehören neben Passform, Qualität und hochwertigen Materialien auch Langlebigkeit durch zeitloses Design und Kombinierbarkeit der einzelnen Stücke. Besondere Bestätigung erfährt die Unternehmerin, weil Nachhaltigkeit mittlerweile nicht mehr das Thema einiger Idealisten wie sie ist, sondern ein Trend, der in der Modebranche langfristig nicht mehr zu umgehen sein wird –, und den ihre Kunden zu schätzen wissen. „Für mich war es immer wichtig, dass wir vom Design, über die Produktion bis hin zum Verkauf alles aus einer Hand anbieten können“, sagt Daniela Johanni, „damit haben wir ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, weil wir den kompletten Entwicklungsprozess mitbestimmen können“.

Die 33-Jährige hat einen Schritt nach dem anderen gemacht: Zunächst hat sie ihre Mode nur online und in temporären Pop-ups angeboten. Dann ergab sich die Chance, ein Atelier samt Präsentationsfläche in Kooperation mit „Optik Glasklar“ in der Trierer Neustraße zu mieten. Dort ist sie mit NNIstudio seit 2019 dauerhaft vertreten. „Bei uns geht es um Materialien, Qualität und Passform. Dies lässt sich offline sehr viel besser begreifen“, ist Daniela Johanni überzeugt. Das Bedürfnis sei in ihren Augen während, vermutlich auch durch die Krisen der letzten beiden Jahre sogar gewachsen. „Der Showroom ist ein Ort des Austauschs, an dem sich alle in Ruhe ausprobieren können.“ Auf die Frage, ob sie ihre Entscheidung jemals bereut habe, antwortet sie spontan: „Nein, zum Glück nicht, auch wenn die beiden Corona-Jahre es nicht leichter gemacht haben.“

Was wünscht sie sich für die Zukunft der Innenstadt? Da sprudelt es praktisch aus der Modedesignerin heraus. Sie denkt, dass vieles in der Trierer Innenstadt auf dem Engagement Einzelner beruhe und wünscht sich weniger Bürokratie von Seiten der Stadt, mehr Vernetzung zwischen Stadt, Immobilienbesitzern und mehr Möglichkeiten für junge Menschen. Dass Trier mit dem Fachbereich Gestaltung der Hochschule quasi ein Design-Sitz sei, zeichne sich im Stadtbild nicht ab. Daniela Johanni erwähnt als Beispiel einen Leipziger Pop-up-Wettbewerb, bei dem zwei Ladenlokale auf Zeit angeboten worden seien. Durch kreative Nutzung von leer stehenden Geschäften ergebe sich selbst bei reduzierter Miete für alle eine Win-win-Situation.

„Ich finde, es gibt einen starken Bruch beim Erscheinungsbild der Trierer Innenstadt. Besonders in der Neustraße und anderen kleinen Straßen wie der Nagelstraße sind in den letzten Jahren einige spannende neue Konzepte dazugekommen“, sagt sie. Im Kontrast dazu sieht sie besonders große, seit Jahren leer stehende Flächen und Immobilien im Kern der Fußgängerzone. Johanni: „Die Mieten sind für kleine Unternehmen nicht bezahlbar und Großinvestoren scheinen die passenden Konzepte zu fehlen. Ich hoffe, dass sich hier stadtplanerisch etwas tut.“

 Oliver Mohr füllt eine Lücke: Die Zahl der Musikgeschäfte verringert sich, weil die meisten Inhaber im Rentenalter sind und keine Nachfolger haben.
Oliver Mohr füllt eine Lücke: Die Zahl der Musikgeschäfte verringert sich, weil die meisten Inhaber im Rentenalter sind und keine Nachfolger haben. Foto: TV/Christoph Strouvelle

Er freut sich über gut gelaunte Kunden

Oliver Mohr und sein viertes Musikfachgeschäft in Wittlich

Gitarren, Trompeten, Akkordeon und Schlagzeug: In der Region hat es bisher beim Verkauf von Musikinstrumenten eine Lücke gegeben. Die hat Oliver Mohr aus Hoppstädten-Weiersbach (Kreis Birkenfeld) jetzt geschlossen. Er hat in Wittlich im September ein Musikgeschäft eröffnet. Auf 100 Quadratmetern erhalten Kunden dort Musikinstrumente jeder Art, von der Gitarre über Klarinetten bis hin zur E-Gitarre und zum Cajon. Hinzu kommen Noten, Zubehör und musikalische Geschenkartikel, wie Tassen mit Noten oder Puzzles mit Bildern von Musiker wie den Beatles. Es ist bereits das vierte Ladenlokal, in dem der 41-Jährige Musikfreunde versorgt. In St. Wendel im Saarland ist er bereits mehr als 20 Jahre ansässig. In Bad Kreuznach hat er 2016 eine erste Filiale eröffnet, 2020 kam in Homburg eine weitere hinzu und jetzt Wittlich. Warum gerade dort? „Für uns ist Wittlich ein gutes Einzugsgebiet. Wir hatten schon vorher Kunden aus der Eifel und von der Mosel“, sagt er. Hinzu sei das Engagement der Stadt mit dem Projekt Alwin, dem Aktiven Leerstandsmanagement Wittlicher Innenstadt, gekommen.

Für Mohr und sein Team ist es wichtig, in der Nähe der Kunden zu sein. Die Kunden können die Instrumente in den Läden testen. Überzeugen möchte er mit seinem Service: Die Instrumente werden beim Kauf eingestellt – im Gegensatz zum Instrumentenkauf im Internet, bei dem die Kunden oft alleine auf sich gestellt seien. Hinzu kommt ein persönlicher Lieferservice in einem Umkreis von 150 Kilometern, wichtig bei Kunden, die beispielsweise erstmals ein Schlagzeug kaufen und nicht wissen, wie das montiert wird. „Wir fahren auch in die Proben der Musikvereine und bieten ihnen Rundum-Service“, sagt er. Man habe einen anderen Bezug, wenn man Kunden persönlich kenne. Das spiegle sich in den Geschäften wider. Jeder Verkäufer habe einen anderen Schwerpunkt. Der eine spiele Gitarre, der andere ein Tasteninstrument. Die Kunden besuchten inzwischen die Läden, wenn der jeweilige Fachmann da sei.

Mit seinen vier Musikgeschäften engagiert sich Mohr in einer stark rückläufigen Branche des stationären Einzelhandels. Vor zehn Jahren habe es im Saarland etwa 15 Musikgeschäfte gegeben, jetzt seien es nur noch drei, sagt er. „Es gibt keine jungen Musikfachhändler“, sagt er. Viele Fachhändler hätten in den 1960er Jahren eröffnet und seien jetzt im Rentenalter. „Da kommt nichts nach. Wenn wir das nicht machen, geht es nur noch ins Internet.“ Deshalb sei es von vorne herein sein Ziel gewesen, zu expandieren. „Wir haben alle wichtigen Lieferanten im Boot“, sagt er. Zudem ist Mohr selbst in einer Band. „Man kennt sich unter Musikern.“

Und wie ist der Laden in Wittlich angelaufen? „Nicht super, aber O.k.“, sagt er. „Man muss auch mal mutig sein.“ Da viele Kunden aus Musikvereinen ins Wittlicher Geschäft kämen, plane er, das Sortiment für Blasinstrumente zu erweitern. Hinter seinem Engagement stecke viel Idealismus, gibt Mohr zu. Reichtümer verdiene man mit den Geschäften nicht, aber es mache ihm Spaß. Mohr: „Die Leute kommen gut gelaunt rein in den Laden und gehen noch besser gelaunt wieder hinaus“, sagt er. Der Laden sei für ihn Entspannung. „Die Kunden kommen auch rein für ein Schwätzchen. Dafür sind wir auch da.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese fünf Unternehmer schwimmen gegen den Trend