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Eisiger Januar: Viele Saisonkräfte arbeitslos

Trier. Der frostige Januar hat in der Region Trier zu einem saisonbedingten Anstieg bei den Arbeitslosen geführt. 12 730 Menschen suchten zum Jahresbeginn einen Job, das sind fast 2100 mehr als im Dezember. Die Arbeitslosenquote ist auf 4,7 Prozent (+ 0,8) gestiegen. Heribert Waschbüsch

Trier. Thorsten K. aus der Eifel wurde im Dezember von seinem Chef erklärt, dass er momentan keine Arbeit für ihn habe. Der Bauhelfer kennt das Prozedere schon. Sein Teilzeitvertrag ist ausgelaufen und wird nicht verlängert, weil in der Baufirma bei eisigen Temperaturen nichts zu tun ist. Und für ihn bedeutet das: Er muss bei der Arbeitsagentur antreten und Arbeitslosengeld beantragen. Seit drei Jahren geht es dem jungen Mann so. Er hat keinen Berufsabschluss und gehört zu den ersten, die ihre Papiere bekommen. Im März, April spätestens, findet er dann wieder einen Job. Ähnlich geht es Silvie B. Der junge Mann arbeitet an der Mosel im Hotel- und Gaststättenbereich. Bleiben im Winter die Gäste aus, gibt es für ihn auch immer wieder eine Zwangspause. Allein in den saisonabhängigen Bereichen Bau, Landschaftsbau, Verkehr und Logistik sowie Handel und Tourismus bekamen nach Schätzungen der Experten 1200 Beschäftigte ihre Papiere.
Solche Entwicklungen schlagen dann bei den Arbeitslosenzahlen voll durch. In diesem Januar ist die Zahl der Arbeitslosen um fast 2100 auf 12 730 gestiegen. Doch die Arbeitsagentur sieht darin keine Verschärfung der Lage: Der wiederkehrende Anstieg zum Jahresbeginn sei für die Region nicht ungewöhnlich. Im Vorjahr hatte es eine ähnliche Steigerung der Arbeitslosigkeit gegeben.
Der kalte Jahresauftakt sorgt zusätzlich für witterungsbedingte Kündigungen. "Gleichzeitig beenden Jugendliche die dreieinhalbjährigen Ausbildungsgänge. Sie stehen nun dem Arbeitsmarkt als qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung", so Edeltraud Nikodemus, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur. "Deshalb ist es erfreulich, dass in den letzten Wochen 876 neue Arbeitsstellen im gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern gemeldet wurden." Das seien mehr als im vergangenen Jahr. Die Aussichten für Berufseinsteiger, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, ständen gut. Ein Indiz für eine weiter hohe Einstellungsbereitschaft der regionalen Wirtschaft sei die Entwicklung im sogenannten SGB-II-Bereich. Bei den Hartz-IV-Empfängern ist die Anzahl der gemeldeten arbeitslosen Menschen im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. "Dies zeigt, dass die Unternehmen auch Menschen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen eine Chance geben", sagt die Agentur-Geschäftsführerin.
Entwicklung in Land und Bund


Die schwächelnde Konjunktur und saisonbedingte Einflüsse haben die Lage am rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt im Januar eingetrübt. Insgesamt waren 123 600 Menschen im Land arbeitslos und damit rund 15 000 mehr als im Dezember, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte. Danach gab es im Bau- und Gastgewerbe saisonbedingte Entlassungen, zudem sind Zeitverträge zum Jahreswechsel ausgelaufen. Der Handel habe sich nach dem Ende des Weihnachtsgeschäfts von zuvor eingestellten Zusatzkräften getrennt. Von diesen Entwicklungen seien im Land vor allem die Kreise Cochem-Zell, Bernkastel-Wittlich, Vulkaneifel und Ahrweiler betroffen. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,1 Prozent im Dezember auf 5,9 Prozent.
Schnee und Frost haben auch bundesweit die Zahl der Arbeitslosen im Januar über die Marke von drei Millionen getrieben. 3 138 000 Menschen waren auf Jobsuche. "Die ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben auf dem Arbeitsmarkt nur wenige Spuren hinterlassen. Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit hat rein saisonale Gründe", betonte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise.Extra

Die Situation am Arbeitsmarkt in Luxemburg ist schlechter als hierzulande. Im Dezember waren im Großherzogtum fast 17 000 Luxemburger auf Jobsuche. Die luxemburgische Arbeitsverwaltung Adem hat diese Zahlen Mitte Januar vorgelegt. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,4 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte über dem Novemberwert. Im Dezember 2011 waren fast 2000 Menschen weniger in Luxemburg arbeitslos gemeldet. Wichtigste Branche im Nachbarland ist weiterhin der Banken- und Finanzsektor. 26 534 Mitarbeiter sind bei den 142 Finanzinstituten in Luxemburg beschäftigt. Die Zahl der Unternehmen hat sich im vergangenen Jahr nicht verändert, wie die Luxemburgische Zentralbank (BCL) berichtet. Im letzten Quartal 2012 hat sich die Gesamtmitarbeiterzahl um 83 Mitarbeiter verringert. Dabei lässt sich keine einheitliche Tendenz ausmachen. So haben 46 Banken neue Mitarbeiter eingestellt (zwischen einem und 17 Mitarbeitern). Gleichzeitig haben 47 Finanzinstitute laut BCL auch Mitarbeiter entlassen, nämlich zwischen einem und 28 Arbeitnehmern. Von den mehr als 350 000 in Luxemburg sind etwa 150 000 Pendler, aus der Region haben 28 000 Menschen einen Job in Luxemburg gefunden. hw