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Ekkehard Storck hat Finanzplatz Luxemburg aufgebaut. Er stirbt mit 88 Jahren.

Nachruf : Abschied vom Luxemburger Deutsche-Bank-Gründer

Ekkehard Storck hat fast drei Jahrzehnte die Geschicke am Finanzplatz geleitet. Auch heute noch ist das Institut ein Riese am Markt. Ein Nachruf auf ihn.

Als Ekkehard Storck 1970 die erste 100-prozentige Auslandstochter der Deutschen Bank in Luxemburg gründet und ihr geschäftsführendes Verwaltungsratsmitglied wird, ist das Großherzogtum noch ein kleiner Staat mit vielen Bauern und einem großen Industrie- und Stahlzentrum im Süden des Landes. Er spricht vor einigen Jahren in einem Interview von einem „einfachen Leben“, das von dem heutigen Lebensstandard in einem der reichsten Länder der Welt meilenweit entfernt ist.

Nun ist Ekkehard Storck als einer der wichtigsten Gestalter und Förderer des Finanzplatzes Luxemburg über fast drei Jahrzehnte lang mit 88 Jahren am 1. Weihnachtstag nach schwerer Krankheit verstorben. Schon mit der Gründung 1970 hat die Deutsche Bank ein Gespür dafür, dass Luxemburg „eine Oase war ohne Mindestreserveverpflichtung“, sagte Ekkehard Storck einmal, so dass die Finanzierung für Kunden günstiger wurde. Denn der sogenannte „Euromarkt“, das internationale Kreditgeschäft deutscher Banken außerhalb Deutschlands, erfährt zu dieser Zeit einen regelrechten Aufschwung.

a<Zugleich baut die Deutsche Bank mehrere Geschäftsbereiche im Großherzogtum auf, die viel Geld versprechen, damals aber noch ein unbebautes Finanzfeld sind wie etwa der Devisen- und Wertpapierhandel. Denn den Euro gibt es noch lange nicht, viele Währungen schwanken orientierungslos durch den Devisenorbit und von regulierten oder kontrollierten Märkten kann keine Rede sein.

Hier setzt Storck an, der promovierte Jurist, der nach Banklehre, Studium und Filialleitung erste Auslandserfahrungen sammelt und 1962 zur Deutschen Bank kommt. Bis zu seiner Pensionierung 1998 eilt ihm der Ruf ein Experte für den Euromarkt zu sein voraus. Er veröffentlicht das Buch „Euromarkt: Finanz-Drehscheibe der Welt“, das in Bankenkreisen als Standardwerk gilt und schreibt mehr als 60 Aufsätze. Gemeinsam mit der Börsen-Zeitung gründet er das Luxemburger Finanzmarkt-Forum, das viele Jahre lang Notenbänker, Finanzexperten und Industriepolitiker zum Austausch einlädt. Auch zur Luxemburger Politik pflegt Storck gute Kontakte: „Ich hatte Zugang zu den Regierungschefs – von Pierre Werner bis Jean-Claude Juncker. Mit allen war die Zusammenarbeit hervorragend“, sagte der Luxemburger-Deutsche-Bank-Chef im Rückblick.

Als er 1998 mit 65 Jahren in den Ruhestand geht, ist aus der Compagnie Financière de la Deutsche Bank längst die Deutsche Bank Luxembourg S.A. (DBL) geworden und Ekkehard Storck hat sich und der Bank ein eigenes Denkmal gesetzt. Prominent auf dem Kirchberg, dem Herzstück des Luxemburger Finanzentrums gelegen, hat er ein neues Verwaltungsgebäude bauen lassen, entworfen vom „Architektur-Nobelpreisträger“ Gottfried Böhm (siehe Info). Kunst ziert auch das Innere der Bank, die auf seine Initiative gegründete Stiftung der Deutschen Bank Luxembourg S.A. fördert zudem die Wissenschaften bei der deutsch-luxemburgischen Zusammenarbeit.

Noch immer zählt die DBL zu den Großen am Finanzplatz Luxemburg. Sie betreibt zwar keine Schalterbanken, zählt aber konzernweit rund 550 Beschäftigte, wovon etwa 150 bei der Investmentgesellschaft DWS arbeiten. Die Bilanzsumme liegt bei mehr als 25 Milliarden Euro.

Die DBL konzentriert sich auf drei Geschäftsbereiche, meist als Hubs für Europa: das Unternehmenskundengeschäft, das Geschäft mit den wohlhabenden Privatkunden sowie das Investmentbanking. In Letzterem war die Bank auch an der Platzierung der Luxemburger Staatsanleihe von 2,5 Milliarden Euro beteiligt. 2020 – soweit die jüngsten Zahlen – erwirtschaftete sie einen Nettogewinn von 91 Millionen Euro unter Geschäftsführer Frank Rückbrodt, vier Prozent mehr als 2019.