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Ende eines Traditionsbetriebs

Ende eines Traditionsbetriebs

Obwohl erst kürzlich vor der Pleite gerettet, schließt die Trie rer Woolworth-Filiale Mitte Juni. Aus Angst, dass sich für die insolvente Kaufhaus-Kette kein Investor finden würde, haben die Vermieter den Pachtvertrag auslaufen lassen. Nachfolger an der Brotstraße wird die Schuh-Kette Görtz.

Trier. Wie erleichtert waren die 27 Mitarbeiter der Trierer Woolworth-Filiale, als Anfang Mai endlich die gute Nachricht feststand: Die Tengelmann-Gruppe, zu der auch der Billig-Textiler Kik gehört, steigt als Investor bei der insolventen Kaufhaus-Kette Woolworth ein und rettet alle 161 Filialen - auch die an der Trierer Brotstraße (der TV berichtete).

Anwältin: Schwere Entscheidung



Die Arbeitsplätze schienen gesichert. Doch nur gut eine Woche später folgte der Schock: Die Hausverwaltung verlängerte den zum 30. Juni auslaufenden Mietvertrag nicht. Bis 1. Juli muss Woolworth raus aus seinem seit den 1960er Jahren angestammten Platz in der Innenstadt. Letzter Verkaufstag ist Samstag, 19. Juni.

Besitzer der Immobilie ist laut Grundbuch der "Bischöfliche Stuhl". Die ehemalige Eigentümerin hatte das Haus vor Jahren der Kirche vermacht - mit der Auflage, dass die Bewohner das Nutzungsrecht behalten und damit auch für die Vermietung der Geschäftsräume im Erdgeschoss - für die die Erbengemeinschaft auch die Miete kassiert - verantwortlich sind.

Für die Erben verwaltet als Testamentvollstreckerin Stephanie Rosar-Schiffler die Immobilie. "Woolworth hat uns über ein Dreivierteljahr hingehalten, immer wieder hieß es, dass bald ein Investor gefunden werde, der die Filiale weiterbetreibt", erklärt die Trierer Rechtsanwältin. Noch Ende April hätte Woolworth erklärt, einen Investor gefunden zu haben - um wenig später mitzuteilen, dass die Übernahmeverhandlungen gescheitert waren. "Anfang Mai konnte sich die Erbengemeinschaft immer noch nicht darauf verlassen, dass Woolworth im Juli noch ihr Mieter sein würde", begründet Rosar-Schiffler die schwere Entscheidung, den Mietvertrag nicht zu verlängern. Gleichzeitig habe man mit einen guten potenziellen Nachmieter an der Hand gehabt, den man aus Angst, er könne abspringen, nicht hinhalten wollte. Nach TV-Informationen wird die Schuh-Kette Görtz in die jetzigen Woolworth-Räume einziehen.

Wie es mit Woolworth in Trier weitergehen soll, dazu wollten sich weder der Woolworth-Insolvenzverwalter - die Kanzlei Ottmar Hermann aus Frankfurt - und der Investor - ein Konsortium aus der Tengelmann-Gruppe und einer privaten Beteiligungsgesellschaft - äußern. "Aber uns wurde signalisiert, dass der Woolworth-Standort Trier erhalten bleiben soll - eine geeignete Ladenfläche wurde allerdings noch nicht gefunden", erklärt der Trierer Filialleiter Stefan Domnig, dem es nicht nur um seine vielen Stammkunden leidtut. "Meine Mitarbeiter sind ein tolles Team, es hat uns noch keiner vorzeitig verlassen, alle wollen bis zum letzten Tag dabei sein."

Kündigen musste er den 27 Angestellten nicht. "Im Rahmen des Insolvenzverfahrens wären die Arbeitsverträge zum 30. Juni sowieso ausgelaufen - eine Verlängerung war wegen des nicht verlängerten Mietvertrags leider nicht mehr möglich."