Ende eines Traditionsunternehmens: Weiland Bau beantragt Insolvenz

Ende eines Traditionsunternehmens: Weiland Bau beantragt Insolvenz

Die Weiland-Gruppe mit Stammsitz in Irrhausen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) hat am Freitag beim Amtsgericht Bitburg Insolvenz beantragt. Betroffen ist die Bau-GmbH auf deutscher Seite mit etwa 300 Beschäftigten - und damit fast die Hälfte des gesamten Unternehmens.

Es ging nicht mehr: Die Weiland-Gruppe, mit etwa 700 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in der Region, hat für eine wesentliche Abteilung ihrer Gesamtgruppe Insolvenz beantragt. Seit einem Monat haben dort die Mitarbeiter bereits kein Gehalt mehr ausgezahlt bekommen. Am Freitag unternahmen die Verantwortlichen des Unternehmens den schmerzhaften Schritt zum Amtsgericht Bitburg.

Die Zahlungsunfähigkeit trifft das Weiland-Herz - die Bau GmbH Deutschland. Die luxemburgische Bauabteilung sei nicht betroffen, dort sei man dabei, "alles zu stabilisieren", sagt Geschäftsführer Wolfgang Weiland. Im Großherzogtum mache man außerdem mehr Umsatz als auf deutscher Seite.

Wer zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt wird, ist noch nicht bekannt. Wie es nun weitergeht und ob die Unternehmenszweige zu retten sind, ist ebenfalls noch offen. Vorrangiges Ziel sei jetzt ein geordnetes Verfahren, um zu verhindern, "dass Baustellen zusammenbrechen".

"Das ist ein schwerer Schlag", sagt Weiland. Zumal vor wenigen Wochen alles noch anders ausgesehen habe: Damals war das Unternehmen dabei, die schwierige Lage auch dank Krediten der beteiligten Banken zu stabilisieren, nachdem man bereits im November für die BRG Kanaltechnik in Krautscheid (55 Beschäftigte) Insolvenz hatte beantragen müssen (der TV berichtete).

Weiland war im vergangenen Jahr in Schieflage geraten: Der lange Winter ohne Bautätigkeit, durchlaufende Kosten und Außenstände bei Großaufträgen machten es dem Unternehmen schwer, über die Runden zu kommen. Zum Jahresbeginn sah es allerdings vorerst besser aus: Dank eines Überbrückungskredits von Kreissparkasse Bitburg-Prüm und Raiffeisenbank Westeifel habe man das Unternehmen flüssig gemacht, Lieferanten und Kunden halfen unter anderem bei Zahlungen durch Sonderkonditionen, hieß es in einem weiteren TV-Bericht am 3. Januar.

Auch die Beschäftigten taten, was ihnen möglich war: Fast alle machten Überstunden und arbeiteten auch an Samstagen.

Damit startete man recht optimistisch ins neue Jahr. Das Unternehmen arbeitete zudem an einer Neustrukturierung, man wolle das Kerngeschäft Bau wieder ins Zentrum rücken, sagte Wolfgang Weiland. Leistungen, die man nicht durchgehend benötige, sollten von außen eingekauft, Kooperationen mit Subunternehmen und Lieferanten auf eine neue Basis gestellt werden.

Bei diesem Ausblick blieb es aber nicht: Laut TV-Informationen sollen die Banken dem Unternehmen zuletzt die Unterstützung mangels Perpektive aufgekündigt haben - so blieb offenbar nur noch der Gang zum Gericht.
Bei der Raiffeisenbank war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Ingolf Bermes, Vorstand der Kreissparkasse Bitburg-Prüm, kann sich zum Thema nicht äußern: "Ein Insolvenzantrag entbindet uns nicht vom Bankgeheimnis", sagt er zum TV. "Wir müssen kundenbezogene Tatsachen und Wertungen vertraulich halten."

Extra

Die Weiland-Gruppe (Bau, Umwelt- und Kanaltechnik), 1897 in Irrhausen von Johann Weiland als kleiner Baubetrieb gegründet, ist heute einer der größten Arbeitgeber in der Region: Insgesamt arbeiten in den Niederlassungen und Tochterfirmen in Deutschland (Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Saarland), Belgien und Luxemburg derzeit etwa 700 Beschäftigte. Das Unternehmen verzeichnet einen Gesamt-Jahresumsatz von ungefähr 90 Millionen Euro. fpl

Mehr von Volksfreund