Enorme Preisschere zwischen Stadt und Land

Enorme Preisschere zwischen Stadt und Land

Wenig Platz für Neubau, ein knappes Angebot und eine immer größer werdende Nachfrage: Der Trierer Immobilienmarkt lässt die Preise weiter steigen. Ein Trend, der sich allmählich auch in den kleineren Städten wie Bitburg, Schweich und Wittlich abzeichnet.

Trier. Von 14 Euro je Quadratmeter im Baustertergraben in der Ortsgemeinde Baustert (Eifelkreis Bitburg-Prüm) bis 340 Euro je Quadratmeter im Trierer Altbachtal im Stadtteil Heiligkreuz: Um mehr als das Zwanzigfache liegen die Bodenrichtwerte für Grundstückspreise in der Region Trier auseinander. Werte, die zeigen, wie verzerrt sich der Immobilienmarkt in Eifel, Mosel und Hunsrück derzeit darstellt.
Auf dem Preisniveau von Mainz


Die Gründe hierfür liegen in dem seit Jahren anhaltenden Preis-Boom in der Stadt Trier. Inzwischen berichtet die LBS, nach eigenen Angaben der größte Immobilienmakler in der Region und rheinland-pfalz-weit, gar von einem "Ausverkauf" in manchen Stadtteilen.
"Das gab es noch nie", sagt Thorsten Griebel, LBS Immobilien-Geschäftsführer. So hätten in Trier die Preise im Vergleich zum Vorjahr nochmals zugelegt: Neubauten um sieben Prozent, Altbauten um acht Prozent. Dabei liegt Trier laut Griebel bereits auf dem Niveau der teuersten Stadt im Land, Mainz (siehe Extra). Hinzu komme, dass immer weniger Häuser und Wohnungen - auch Neubauten - auf den Markt kämen.
"Es gibt nirgends wirklich gute Angebote", sagt er. "Gerade für Familien, Studenten und Ältere fehlt es an bezahlbarem Wohnraum."
Von einer Art "Immobilienblase" wie 2008 in den USA sei man jedoch weit entfernt.
Dass Trier so gefragt ist, liegt zum einen an den im Vergleich zu Luxemburg geringeren Wohnpreisen. Dort sind laut dem Wohnungsbauministerium im Schnitt 566 000 Euro für ein Einfamilienhaus zu zahlen. In Trier sind es maximal 420 000, im Schnitt 365 000. Dies zieht nicht nur deutschlandweit aktive Exklusiv-Makler sowie zugezogene Grenzgänger aus dem Rest der Republik nach Trier, auch die Luxemburger selbst kommen zum Wohnen über die Grenze. Zwischen 2001 und 2007 sind laut Ministeriumsangaben rund 1700 Luxemburger aus dem Großherzogtum weggezogen, die meisten in den Eifelkreis Bitburg-Prüm oder den Kreis Trier-Saarburg.
Trend zu Pflege-Appartments


So zeigt sich anhand der Zahlen des Statistischen Landesamtes in Bad Ems auch, dass bis zum Jahr 2030 in der Stadt Trier und im Kreis Trier-Saarburg mit einer Bevölkerungszunahme zu rechnen ist. Demnach sinkt die Bevölkerung in den übrigen Teilen der Region Trier - um maximal zwölf Prozent. Doch selbst wenn dies so eintreffen sollte, werden die Mittelzentren wie Schweich, Konz, Wittlich, Bitburg, Prüm und Daun im Gegensatz zu anderen Regionen im Land davon profitieren. Gerade junge Familien, die näher am Arbeitsplatz sein wollen, und Ältere, die sich auf dem Land nicht mehr ausreichend versorgt fühlen, zieht es laut der LBS bereits jetzt in die größeren Kommunen. Der Beweis: der sich abzeichnende Trend zu Pflege-Appartments als Kapitalanlage. Beispiele sind hier das geplante Seniorenzentrum AGO Pluwig und die geplante Wohnanlage "Villa Mentis" in Schweich und (beide Kreis Trier-Saarburg) - letzteres ab 2500 Euro je Quadratmeter. Ein weiteres Zeichen für die steigende Bedeutung der Mittelzentren ist die aktuelle Situation in Bitburg. Nicht nur, dass der Eifelkreis Bitburg-Prüm landesweit mit 60 Wohnungen pro 10 000 Einwohner mit Abstand die meisten Wohnungen stellt. Das Preisniveau in der Kreisstadt Bitburg ist inzwischen regionweit das zweitteuerste. Hier kommen größere Baukomplexe der gestiegenen Nachfrage nach Wohnraum nach.Extra

Die teuersten Lagen der Region Im Durchschnitt aller erschlossenen Grundstücke befinden sich in Trier die teuersten Lagen innerhalb der Region. Darüber hinaus haben zahlreiche Unter- und Mittelzentren beachtliche Werte erreicht. Trier-Altbachtal: 340 Euro/Quadratmeter Trier-Herrenbrünnchen, Trier-Kloschinskystraße, Nordviertel, Bergstraße: 320 Euro/Quadratmeter Palzem und Konz (jeweils Kreis Trier-Saarburg): 220 Euro/Quadratmeter Stadt Schweich, Wellen (Kreis Trier-Saarburg): 210 Euro/Quadratmeter Langsur (Kreis Trier-Saarburg): 190 Euro/Quadratmeter Igel, Longuich, Riol, Wincheringen (alle Kreis Trier-Saarburg), Wittlich (links der Lieser): 180 Euro/Quadratmeter (jeweils gute Lagen) Besonders günstige Lagen Baustert (Eifelkreis Bitburg-Prüm): 14 Euro/Quadratmeter Immerath (Vulkaneifelkreis): 18 Euro/Quadratmeter Betteldorf, Üdersdorf, Udler (alle Vulkaneifelkreis): 19 Euro/Quadratmeter Mückeln (Vulkaneifelkreis), Seffern (Eifelkreis Bitburg-Prüm): 20 Euro/Quadratmeter Bleckhausen (Vulkaneifelkreis): 21 Euro/Quadratmeter Ehlenz (Eifelkreis Bitburg-Prüm), Steineberg, Nerdlen Kirchweiler, Ellscheid (alle Vulkaneifelkreis): 22 Euro/Quadratmeter Arenrath (Kreis Bernkastel-Wittlich): 23 Euro/Quadratmeter (jeweils mittlere Lage) Quelle: Oberer Gutachterausschuss für Grundstückswerte Rheinland-Pfalz 2012, www.gutachterausschuesse.rlp.de, Generalisierte Bodenrichtwerte für Wohnbauflächen, Stand 1.1.2012)

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