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Erdrutsch-Niederlage für Haumann

Erdrutsch-Niederlage für Haumann

Keine Chance für Gereon Haumann: Bei der Wahl des neuen Dehoga-Präsidenten ist der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbands seinem Kontrahenten Guido Zöllick klar unterlegen.

Berlin/Trier. Lag es an der manchmal etwas arg forschen Art Gereon Haumanns? Oder nahmen es ihm die Delegierten übel, dass der 50-Jährige seinen rheinland-pfälzischen Präsidentenstuhl bei einem Wahlsieg in Berlin nicht räumen wollte, wie er im Vorfeld erklärt hatte?
Jedenfalls ging Haumann am Montagnachmittag bei der Wahl eines neuen Dehoga-Präsidenten in Berlin förmlich unter. Lediglich 26 Delegierte votierten für den Rheinland-Pfälzer als Nachfolger des nach 15 Jahren aus dem Amt scheidenden Dehoga-Präsidenten Ernst Fischer (72). Haumanns Kontrahent, der bisherige Fischer-Vize Guido Zöllick, kam dagegen auf 90 Stimmen. Ein Erdrutschsieg. Und eine Erdrutschniederlage für Gereon Haumann.
Dabei war dem vor einiger Zeit aus dem Hunsrückort Horath nach Bad Kreuznach gezogenen Haumann klar, dass er es bei der Wahl in Berlin nicht leicht haben würde. Auf 40 zu 60 taxierten Branchenkenner Haumanns Chancen; gerade einmal 22 Prozent Zustimmung allerdings fuhr der gelernte Diplom-Kaufmann am Ende nur ein.
Der neue Dehoga-Präsident Guido Zöllick ist gelernter Kellner, arbeitete sich auf verschiedenen Positionen nach oben und ist seit einiger Zeit Geschäftsführer eines großen Hotels in Warnemünde. Der 46-Jährige hatte vor der Wahl angekündigt, sich für eine Angleichung der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze in der Gastronomie und flexiblere Arbeitszeiten einzusetzen. "Ich werde vehement für die praxisnahe Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit kämpfen", so Zöllick.
Gereon Haumann, der dem Dehoga-Bundespräsidium bislang als Schatzmeister angehörte, kandidierte nicht erneut für das Amt. Er wolle sich jetzt "mit ganzer Kraft und voller Fahrt voraus seinem Landesverband widmen", sagte Landesgeschäftsführerin Anna Roeren-Bergs unserer Zeitung.
Für Gereon Haumann ist es nicht das erste Mal, dass er mit seinen Ambitionen zurückstecken muss. Vor drei Jahren wollte der gebürtige Kölner Bundesvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung werden. Als Favorit ging allerdings der nordrhein-westfälische CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann ins Rennen. Noch vor der Wahl machte der MIT-Landesvorsitzende Haumann seinerzeit einen Rückzieher - "aus beruflichen Gründen", wie es hieß.Extra

Gastronomie und Hotellerie ziehen ein positives Fazit der Sommersaison. Auch die Geschäftserwartungen beurteilt die Branche nach einer aktuellen Dehoga-Konjunkturumfrage optimistisch. "Die gute Arbeitsmarktlage, niedrige Zinsen und Preissteigerungsraten sorgen dafür, dass vor allem der private Konsum in Deutschland weiterhin eine wichtige konjunkturelle Stütze bleibt. Davon profitiert das Gastgewerbe", sagte der scheidende Dehoga-Präsident Ernst Fischer. Für Frust in der Branche sorgten steigende Betriebskosten, bürokratische Auflagen und Dokumentationspflichten sowie das starre Arbeitszeitgesetz. In den ersten neun Monaten lag das Umsatzplus in der Branche bei 3,3 Prozent. Der Verband Dehoga hat bundesweit 70 000 Mitgliedsbetriebe, davon 5000 in Rheinland-Pfalz. sey