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Auszeichnung
Erfinder dank haariger Probleme

Manus Leyendecker prüft das Kunststoffgranulat, aus dem seine Erfindung, der haarfreie Duschabfluss "Freilauf" hergestellt wird. Foto: Privat
Manus Leyendecker prüft das Kunststoffgranulat, aus dem seine Erfindung, der haarfreie Duschabfluss "Freilauf" hergestellt wird. Foto: Privat FOTO: TV / Privat
Trier . Manus Leyendecker aus Piesport ist eigentlich Lehrer in Luxemburg. Doch ganz nebenbei ist er Tüftler und Erfinder und wird heute von Malu Dreyer ausgezeichnet. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

Lange Haare, die im Duschabfluss klemmen, sind vielen Menschen ein Gräuel. Manus Leyendecker geht es nicht anders. 2010, damals trug der heute 40-Jährige, seine Haare noch lang und ärgerte sich über den Duschabfluss in seiner WG, indem regelmäßig die Haare hängen blieben.

„Ich bin in den Baumarkt und wollte mir einen Abfluss kaufen, der lange Haare nicht festklemmt. Die haben mich nur ausgelacht.“ Ostern 2010 hatte Leyendecker die Idee: „Der Abfluss müsste am besten keine Halterung haben, aber in der Luft schweben, kann er ja auch nicht.“ Doch seine Umsetzung kommt dem schon sehr nahe. Bei seinem Duschabfluss „Freilauf“ ist am Deckel ein Stab, der nur an einer Stelle unten im Siphon aufsteht und dort mit Dauermagneten gehalten wird, Haare können sich nur an diesem einen Punkt festsetzen. Tritt man gelegentlich während des Duschens, zwei bis drei Mal, auf den Abfluss, rutscht der Stab aus seiner Halterung und hebt sich leicht von seinem Kontaktpunkt ab, sodass die Haare weggespült werden. Nimmt man den Fuß wieder vom Deckel, schnappt dieser durch Magnetkraft wieder in die Ausgangslage zurück. Im Test sind kaum 20 bis 30 Zentimeter lange Haare hängen geblieben.“ Der Abfluss ist strömungstechnisch so konstruiert, dass sich dort keine anderen Ablagerungen festsetzen. Von der Idee zum Patent ging es für Manus Leyenecker recht schnell. Schon im Oktober 2010 meldete er sein Patent an.

Doch danach fing die eigentliche Arbeit an: Firma gründen und erste Modelle aus Pappe erstellen. Danach mussten auf dieser Basis Abgüsse hergestellt werden. 2013 gab es ein erstes CAD-Produkt.

Mit diesem Prototyp aus dem 3-D-Ducker stellte sich Leyendecker bei vier Firmen in der Region vor. „Zwei hatten kein Interesse, eine Firma meldete sich gar nicht.“ Glück hatte der Piesporter bei dem Idar-Obersteiner Unternehmen GS-Kunststofftechnik, Gebrüder Schmitt KG. Doch bis zur Produktionsreife war noch ein weiter Weg. „Zunächst war es eine Sache, den Abfluss zu konstruieren, so dass er funktioniert. Dann musste die Massenproduktion möglich sein. Und natürlich muss der Abfluss auch so kostengünstig herzustellen sein, dass er am Markt besteht“, erklärt Manus Leyendecker. Und in dieser Phase wurde der Erfinder von der Mosel von der Firma Gebrüder Schmitt bestens unterstützt. „Dort waren die Verantwortlichen nicht nur von meiner Erfindung überzeugt, sondern haben mich auch sonst tatkräftig unterstützt. Produktbeschreibung, Verpackung und solche Sachen gehören ja auch dazu.“

Der Freitag ist für Manus Leyendecker nun ein ganz besonderer Tag. Denn erstens wird er im Rahmen des Ideenwettbewerbs Rheinland-Pfalz von Ministerpräsidentin Malu Dreyer ausgezeichnet.

Gleichzeitig kommt der „Freilauf“ in den Markt. Der Badausstatter Leysser vertreibt den „haarfreien Abfluss“. Die Innovation soll etwa 80 Euro kosten, sagt Leyndecker dem TV und ist zunächst mit 5000 Einheiten produziert worden. „Damit liegen wir ähnlich wie gewöhnliche Abflusssysteme. Interessant ist das für Hausbauer oder Renovierer“, erklärt Jungunternehmer Leyendecker. Doch der Tüftler, der Lehrer an der Ecole Privée Notre-Dame Sainte-Sophie in Luxemburg ist und unter anderem Biologie und Politikwissenschaft studiert hat, hat schon den nächsten Coup in Planung. „Was mich jetzt natürlich reizt ist ein normaler Waschbeckenabfluss. So etwas ist aber viel komplizierter. Ich denke, dass die Idee noch zwei, drei Jahre reifen muss, bis es so weit ist, erklärt der Piesporter Erfinder und Unternehmer. Dafür wäre der Einbau aber wesentlich unkomplizierter als bei seinem Duschabfluss. Dass er die Energie und das Durchhaltevermögen für einen solchen Schritt hat, hat der 40-Jährige ja schon bewiesen.

Manus Leyendecker erhält am Freitag in Trier von Ministerin Malu Dreyer die Auszeichnung im Rahmen des Ideenwettbewerbs Rheinland-Pfalz. Der Moselaner aus Piesport hat beim Regionalentscheid den zweiten Platz (500 Euro) gemacht. Um 17 Uhr gibt er in der Moseltalhalle in Piesport eine „Produkt-Release-Party“.

Die Einzelteile eines haarfreien Duschabflusses – produziert von der Firma GS-Kunststofftechnik, erfunden von Manus Leyendecker.
Die Einzelteile eines haarfreien Duschabflusses – produziert von der Firma GS-Kunststofftechnik, erfunden von Manus Leyendecker. FOTO: dpa / GS-Kunststofftechnik