Erfolgreicher Einsatz für eine Weinrarität

Erfolgreicher Einsatz für eine Weinrarität

"Willkommen in der Elbling-Region" heißt es ab Konz moselaufwärts. Seit 25 Jahren kümmert sich der Verein der Elblingfreunde der Südlichen Weinmosel um die Popularisierung des einzigartigen Weißweins.

Nittel. "Der Elbling ist die älteste Rebsorte Deutschlands", sagen die Winzer an Obermosel und Sauer. Da die Rebe, aus der ein trockener und leichter Weißwein hergestellt wird, in nennenswerter Menge nur noch in dieser Region angebaut wird, hat sie sich zu einem echten Alleinstellungsmerkmal im deutschen Weinbau entwickelt - mit wachsendem Erfolg.
Abkehr vom Sektgrundwein



Zu der positiven Entwicklung des Elblings hat der vor 25 Jahren gegründete Verein der Elbling-freunde an der Südlichen Weinmosel kräftig beigetragen. "Wir haben mit diesem Verein erstmalig die Elbling produzierenden Winzer zusammengebracht, gemeinsame Jungweinproben durchgeführt, den sogenannten Elbling-Becher eingeführt und uns um eine kontinuierliche Qualitätssteigerung des früher fast ausschließlich als Fasswein für die großen Sektkellereien verwendeten Rebensafts bemüht", sagt Thomas Sonntag aus Nittel, der Vorsitzende des Elblingvereins, wie die heute rund 130 Mitglieder starke Lobbygruppe in der Regel kurz genannt wird.
Die Folgen der Anstrengungen sind nicht zu übersehen: Der Elbling wird heute nicht nur als Fasswein vermarktet, sondern findet auch im Direktvertrieb großen Absatz.
Wein und Tourismus


"Bei uns macht der Elbling sieben bis acht Prozent des Gesamtumsatzes aus", sagt Werner Kirchhof, Geschäftsführer des größten Elbling-Vermarkters, der Winzergenossenschaft Moselland eG mit Sitz in Bernkastel-Kues. Neben den Konsumenten an der Mosel findet der Elbling vorwiegend Abnehmer im süddeutschen Raum, wo leichte und trockene Weißweine sonst eher selten zu finden sind. "Für den Export ist der Elbling aufgrund seines unterdurchschnittlichen Bekanntheitsgrades aber kaum geeignet", sagt Kirchhof weiter.
Bei den Direktvermarktern unter den Winzern an der Obermosel und der Sauer spielt der Elbling hingegen eine äußerst bedeutsame Rolle. "Wir machen 50 bis 60 Prozent unseres Umsatzes mit dem Elbling", sagt Winzer Harald Apel aus Nittel. Für ihn steht der steigende Zuspruch zu der Weinrarität aber auch im Zusammenhang mit großen Anstrengungen im Tourismus. "Mit der landschaftlichen Attraktivität und der guten Infrastruktur können wir über den Wein hinaus echte Pluspunkte vorweisen", sagt Apel.
Die Förderung des Tourismus stand schon immer mit auf der Agenda des Elblingvereins. Die Informationstafeln zur Elbling-Region, die Beschriftung von Straßen der Elbling-Route, Schifffahrten auf der Mosel, all das hat der Elblingverein initiiert. Dazu betrieben die Mitglieder einige Jahre lang einen eigenen Weinstand, mit dem Werbung für den Elbling auch außerhalb der Region gemacht wurde.
Optimistische Vermarkter

Bei der Elbling-Lese an der Sauer. TV-Foto: Archiv.


Viele der Aktivitäten des Elblingvereins - beispielsweise die Etablierung des Elblings als Winzersekt - haben dafür gesorgt, dass die direkt vermarktenden Weinbaubetriebe weitgehend unabhängig vom Fassweinmarkt geworden sind, der vor 25 Jahren noch dominierend war. "Die Fassweinpreise sind heute das Sorgenkind in der Elbling-Vermarktung", sagt Harald Apel, der auch als Kommissionär tätig ist. Die Preise schwankten in den vergangenen Jahren zwischen 50 Pfennig (rund 25 Cent) pro Liter im Jahr 2000 bis hin zu 1,30 Euro je Liter im Jahr 2007. Für 2011 rechnet Apel zurzeit mit rund 1,20 Euro. "Große Ernte, kleiner Preis - kleine Ernte, hoher Preis", lautet seine Erkenntnis. Die stark schwankenden Einkünfte der Fassweinwinzer erschweren Investitionen in neue Weinbautechnik mit der Folge, dass diese Betriebe vom Aufschwung des Elblings etwas abgekoppelt wurden.
Die Konsequenz für die Fassweinwinzer: Viele Betriebe finden keine Nachfolger mehr und geben auf. Der allgemeine Rückgang der Rebenanbaufläche an der Mosel macht auch vor dem Elbling nicht halt. Aber die erfolgreichen Direktvermarkter sehen optimistisch in die Zukunft. "Manche von uns denken sogar wieder an eine Ausweitung der Anbaufläche", sagt Harald Apel.

Weinanbaufläche Obermosel: gesamt 681 Hektar, davon Elbling 501 Hektar (Stand 2010). Ertrag pro Hektar: etwa 10 000 Liter. Größte Elbling-Gemeinden: Nittel 151 Hektar, Palzem 114 Hektar, Wincheringen 82 Hektar. Produktion Qualitätswein 2010(mit amtlicher Prüfnummer): etwa 1,5 Millionen Flaschen Wein und knapp 70 000 Flaschen Sekt von rund 130 Mitgliedsbetrieben. Kontakt: Elblingfreunde der Südlichen Weinmosel e. V., Dirk Weber, Im Flürchen 27, 54293 Trier, Telefon: 0651/9940470, www.jungersueden.deVeranstaltungen: Jubiläumsfeier am 9. September, Elbling-Probetag, 5. November. jbo

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