1. Region
  2. Wirtschaft

Erfundene Schnitzel, patentierte Schweine

Erfundene Schnitzel, patentierte Schweine

Gentechnik beschränkt sich längst nicht mehr auf die Änderung von tierischen oder pflanzlichen Organismen. Mittlerweile beanspruchen Großkonzerne sogar Tierrassen und Pflanzensorten als ihr Eigentum. Ein vehementer Gegner dieser sogenannten Biopatente ist der deutsch-kanadische Träger des alternativen Nobelpreises, Percy Schmeiser. Am Dienstag kommt er nach Trier und Bitburg.

Trier. Wer hat eigentlich das Schwein erfunden? Wem gehört der Brokkoli? Fragen, die verwirren. Doch sie haben ihre Berechtigung. Denn die Zeiten, in denen Pflanzen und Tiere allein durch Kreuzung gezüchtet werden, sind vorbei. Großkonzerne melden immer häufiger Patente auf Nutztiere oder Pflanzen an, ihnen gehört dann eine bestimmte Rasse oder Sorte. Diese gilt dann als deren Erfindung. Jeder Landwirt, der sie züchtet, muss dafür bezahlen. Die Patente beziehen sich längst nicht mehr nur auf gentechnisch veränderte Arten, sondern zunehmend auch auf konventionell gezüchtete Lebewesen.

Zur Erfindung wird ein Schwein oder ein Brokkolisamen dann, wenn es dem Unternehmen gelungen ist, in einem Analyseverfahren Gene aus Tier oder Pflanze herauszufiltern, die einen besonders hohen Ertrag versprechen. Daraus leiten die Unternehmen dann ihre Ansprüche ab. Das sei Diebstahl geistigen Eigentums, sagt die Bitburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken. Sie ist selbst Schafzüchterin.

Eine US-Firma hatte sich zum Beispiel ein Patent auf einen Gentest bei Schweinen gesichert. Damit sollten Schweine herausgefiltert werden, die eine bestimmte Genvariante in sich tragen, die ein besonders gutes Fleisch garantieren soll. Die Firma wollte sich aber nicht nur das Verfahren schützen lassen, sondern auch die gezüchteten Schweine. Landwirte, die Schweine mit dem herausgefilterten Gen züchten, müssten dem Unternehmen dafür dann eine Lizenzgebühr bezahlen. Auch das Fleisch der Tiere würde dann zum Patent gehören. Mit anderen Worten: Schinken und Schnitzel werden zur Erfindung eines Unternehmens. Dieses sogenannte Schweinepatent wurde diese Woche vom zuständigen Europäischen Patentamt widerrufen.

Aber das ist allenfalls ein Teilsieg für die Gegner der Biopatente. Die Europäische Patentrichtlinie ermöglicht es, für biologische Verfahren technisch veränderte Patente zu erteilen. "Dass ist ein massiver Eingriff. Ganze Lebewesen werden zum Patent", kritisiert Höfken. Die Grünen sind im vergangenen Jahr mit einem Antrag im Bundestag gescheitert, Biopatente auf Tiere und Pflanzen zu verbieten. Im Juni will die Bundestagsfraktion einen neuen Anlauf unternehmen.

Auch der Bauernverband will ein europaweites Verbot von Patenten auf Tiere und Pflanzen. Er verweist auf eine entsprechende Vereinbarung im schwarz-gelben Koalitionsvertrag. Es dürfe keine Patente auf Leben geben, sagte kürzlich auch der Cochemer CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Bleser, Gegner der Biopatente haben beim Europäischen Patentamt Beschwerde gegen das sogenannte Brokkoli-Patent eingelegt. Bei der Züchtung des Gemüses wurden unveränderte Gene herausgefiltert, die zu einem höheren Gehalt von Glucosinolat führen sollen, einem Inhaltsstoff mit gesundheitsfördernder Wirkung. Laut Höfken gibt es auch einen Patentantrag für Kühe, deren Milch besonders für die Joghurtherstellung geeignet sein soll. Allein der US-Konzern Monsanto beanspruche Patentanträge für über 260 000 Genvarianten beim Rind.

Wie Monsanto Landwirte knebelt, hat der Deutsch-Kanadier Percy Schmeiser erfahren. Der 79-Jährige züchtet und baut seit 40 Jahren Raps in Kanada an. 1997 fand er nach eigenem Bekunden erstmals gentechnisch veränderten Raps des Konzerns Monsanto auf seinen Feldern, vermutlich durch Pollenflug übertragen. Der Konzern verklagte Schmeiser, weil er, ohne dafür zu zahlen, seine Saat verwendet habe. Der Rechtsstreit dauerte Jahre, bevor der Oberste Gerichtshof Schmeiser recht gab.

Am Dienstag kommt Schmeiser auf Einladung von Höfken in die Region. Morgens wird er die Bitburger Brauerei besichtigen als einen Betrieb, der ausschließlich gentechnisch unveränderte Rohstoffe verwendet. Um 19 Uhr spricht er in Trier in der Europahalle über Gefahren von Gen-Mais und Kuhpatenten.