"EU-Tabakrichtlinie hilft nur den Fälschern"

"EU-Tabakrichtlinie hilft nur den Fälschern"

15 Millionen Euro hat die Mayr-Melnhof Gravure GmbH in den vergangenen Monaten am Standort Trier investiert, weitere fünf Millionen sollen folgen. Das Engagement spiegelt sich auch in den Beschäftigungszahlen. 2006 startete die Druckerei mit 50 Mitarbeitern, heute sind es 170.

Trier. Wirtschaftlich laufen die Geschäfte für Mayr-Meinhof Gravure (MM) gut. Das Unternehmen stellt Zigarettenfaltschachteln für die Tabakbranche her. Zu den Stammkunden gehört natürlich Japan Tobacco International am Standort Trier. JTI ist mit etwa 1800 Mitarbeitern größter privater Arbeitgeber in der Region. Doch der Verpackungsspezialist, Europas größter Faltschachtelproduzent, hat auch andere Zigarettenkonzerne in der Kundschaft. So stanzt und bedruckt das Trierer Unternehmen auch Zigarettenschachteln von Philip Morris, Imperial und demnächst von British American Tobacco (BAT). Der Trierer Stadtrat und der Stadtvorstand haben sich bei einer Betriebsbesichtigung über das Unternehmen informiert.
Neues Entwicklungszentrum


Mayr-Melnhof-Deutschlandchef Rainer Schmidt stellte das Unternehmen vor. Die Tabakbranche sei für den österreichischen Konzern ein Kerngeschäft. "2007 haben wir mit der Tabakbranche rund 300 Millionen Euro umgesetzt, fünf Jahre später sind es bereits 430 Millionen Euro im Jahr", erklärt Schmidt. An diesem Aufschwung hat der Standort großen Anteil. So hat MM rund 15 Millionen Euro in das vollautomatische Hochregallager investiert. Dort kann die Firma benötigtes Material in kürzester Zeit abrufen, kann seine fertigen Produkte zwischenlagern. Aber auch die Umrüstung der europaweit schnellsten und modernsten Verpackungstiefdruck-Maschine profitiert davon. "Wir müssen fünf Mal am Tag die Druckmaschine für neue Aufträge umrüsten", erklärt der Deutschlandchef. Dafür müssen je zehn Druckzylinder ein- und ausgebaut werden, die alle auch im Hochregallager vorgehalten werden. Die 66 Meter lange Offline-Druckmaschine läuft bis zu 8000 Stunden im Jahr.
Insgesamt kann Mayr-Melnhof in Trier Verpackungen für 70 Milliarden Zigaretten im Jahr produzieren (siehe Extra). Stolz sind die Verantwortlichen auch auf ihr neues Technologiezentrum, in dem zwölf Mitarbeiter für die Tabakbranche Verpackungsinnovationen entwickeln. "Natürlich ist den Kunden Exklusivität und Verschwiegenheit garantiert", erklärt Produktionschef Harman Vorenkamp.
Die Diskussion über die vieldiskutierte Tabakrichtlinie beurteilen die Verantwortlichen in Trier einigermaßen gelassen. "Wir glauben, dass die Richtlinie nicht kommt", sagt Rainer Schmidt.
In der EU gibt es Überlegungen, dass Zigarettenverpackungen in Zukunft einheitlich zu 90 Prozent mit Warnhinweisen und Steuerbanderole bedruckt sein sollen. Die Marken hätten allenfalls noch zehn Prozent zur Markendarstellung. "Dies würde vor allem den Produktfälschern in die Hand spielen", sagt Schmidt. Denn einheitliche, einfache Zigarettenschachteln seien sehr leicht zu kopieren. "Zudem zeigt etwa das Beispiel Kanada, dass die abschreckenden Warnhinweise keine Raucher vom Kauf abhalten. Es ist sinnvoller, Jugendlichen den Zugang zu Zigaretten weiter zu erschweren", findet der MM-Manager. Für Fälscher sei die EU-Richtlinie wie gemacht. Eine Einheitspackung spiele den Kriminellen in die Hand.
"In Bulgarien stopfen Fälscher sogar getrocknetes Gras und andere Zutaten in Zigaretten", meint Schmidt. Bei einem Verkaufspreis von fünf Euro in Deutschland (3,50 Euro Steuern/1,50 für die Tabakbranche) sei das ein lohnendes Geschäft.
Würde die Europäische Tabakrichtlinie in der jetzigen Form umgesetzt, würde dies in Trier viele Arbeitsplätze kosten. "Unsere Spezialität sind hochveredelte Packungen. Wir können sogar Hologramme drucken, die Verpackungen fälschungssicher machen", erklärt der Deutschlandchef.
Unterstützung bekommt der Manager auch von Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen: "Ich bin für Raucherschutz. Doch die Richtlinie setzt falsch an. Der Zugang zu Zigaretten sollte weiter erschwert werden, und die Prävention sollte erhöht werden. Einfache, einheitliche Verpackungen würden indes nur zu mehr Fälschungen führen und den eigentlichen Sinn der Richtlinie untergraben."Extra

Die Mayr-Melnhof-Gruppe ist der weltweit größte Hersteller von gestrichenem Recyclingkarton sowie Europas führender Produzent von Faltschachteln. Die MM-Gruppe beschäftigte 2012 etwa 8830 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro. Seit 1994 notiert Mayr-Melnhof an der Wiener Börse. In der Region Trier hat das Unternehmen drei Betriebe, die Mayr-Melnhof Gravure GmbH sowie die MM Graphia Trier GmbH in Trier mit zusammen fast 400 Mitarbeitern und die MM Packaging Caesar GmbH & Co KG in Traben-Trarbach mit etwa 300 Beschäftigten. Weltweit ist die AG mit ihren Unternehmungen an 39 Standorten in 18 Ländern und auf vier Kontinenten vertreten. hw