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Ex-Korbjäger der Trierer Basketballer sammelt nun Punkte für den DGB

James Marsh an seinem neuen Arbeitsplatz. Seit wenigen Tagen ist er neuer Chef des DGB in der Region Trier. TV-Foto: Heribert Waschbüsch
James Marsh an seinem neuen Arbeitsplatz. Seit wenigen Tagen ist er neuer Chef des DGB in der Region Trier. TV-Foto: Heribert Waschbüsch FOTO: (g_geld )
Trier. James Marsh ist den meisten Menschen in der Region noch bestens als Kapitän der Trierer Basketballer in Erinnerung. Von 1991 bis 2006 ging er auf Korbjagd, wurde 1998 und 2001 mit dem Team deutscher Pokalsieger. Nun steht er wieder an vorderster Linie - und zwar für den DGB als neuer Regionsgeschäftsführer. Heribert Waschbüsch

Trier. Sein sportliches Talent hat James Marsh sicher ein wenig von seinem Vater Bill geerbt. Doch auch was seine politische und soziale Einstellung angeht, ist der Papa ein Vorbild. "Er ist seit vielen Jahren ganz selbstverständlich in der Gewerkschaft", sagt Marsh. Bill Marsh ist seit über 40 Jahren in der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, sein Sohn, als DGB-Chef in der Region, nun der erste Vorkämpfer.

Nach seiner sportlichen Karriere ist der 46-jährige Trierer in die Gewerkschaftsarbeit "hineingewachsen". Marsh machte sein Abitur am Friedrich-Spee-Gymnasium in Ehrang und studierte später in Düsseldorf Sport- und Tourismusmanagement. Nach seinem Engagement im Management der Trierer Basketballer ("Ich weiß gar nicht mehr, wie oft der Name sich in all den Jahren geändert hat") unterrichtete er Sport in der Burg Landshut Schule in Bernkastel-Kues und in Wittlich-Wengerohr an der Liesertal Schule. "Danach habe ich übergangsweise für den Lehrerverband gearbeitet", erinnert sich Marsh.

2012 begann dann seine Gewerkschaftskarriere so richtig. Er wurde hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Trier. "Im Haus der Gewerkschaft sind die Wege kurz und die Kontakte gut", erzählt James Marsh. Und schnell kam vom damaligen DGB-Chef in der Region die Nachfrage, ob er nicht als Gewerkschaftssekretär beim DGB einsteigen wolle.
"Ich habe das als große Herausforderung und Chance gesehen", sagt Marsh. Die Aufgaben beim DGB seien vielfältiger als bei der Einzelgewerkschaft, und dort habe man ihn auch bei seinem Wechsel unterstützt. Der Übergang von Christian Z. Schmitz, der den DGB-Chefsessel mit dem des ersten IG-Metallbevollmächtigten in der Region getauscht hat, lief über einen längeren Zeitraum. Für Marsh, der gerade erst zum DGB-Chef bestellt wurde, eine vorteilhafte Situation. "Ich bin nicht ins kalte Wasser gesprungen, es war ein fließender Übergang." So sei er nach dem Berufsbildungsausschuss im Handwerk auch in denjenigen bei der Industrie- und Handelskammer eingestiegen und nun auch in den Verwaltungsausschuss der Arbeitsagentur Trier. Darüber hinaus freut sich James Marsh nun auf seine politische Aufgabe als DGB-Chef. "Wir haben einige Schwerpunkte in der Region, die wir angehen, und dann steht noch die Bundestagswahl im kommenden Jahr an." Sein Ziel dabei: Dem DGB eine klare Stimme zu verleihen und die Sache der Arbeitnehmer voranzutreiben. "Trotz der scheinbar komfortablen Situation für Jugendliche ist mir die Ausbildungsplatzsituation ein besonderes Anliegen", erklärt der DGB-Chef. Es gehe darum, wirklich jedem Jugendlichen eine Ausbildung zu verschaffen und Probleme wegzuräumen.

Ein zweiter zentraler Punkt ist für Marsh die Situation der Langzeitarbeitslosen. "Es ist wichtig, diese Menschen in anständige Beschäftigung zu bringen", mahnt der Gewerkschafter. Dabei lobt er die Arbeitsagentur, die Programme anbiete, die für Flüchtlinge und alle anderen Menschen Möglichkeiten böten. "Das müssen wir aber auch klar und deutlich kommunizieren."

Information und Kommunikation ist ihm wichtig - auch mit Blick auf die Bundestagswahl. "Wir müssen den Menschen deutlich sagen, was sie von welcher Partei zu erwarten haben." Die AfD stehe in erster Linie für ihre Fremdenfeindlichkeit, meint Marsh. "Doch was dabei vergessen wird, ist, dass sie auch ausgesprochen arbeitnehmerfeindlich ist." Sie stehe für rechte Hetze, würde gern die betriebliche Mitbestimmung einschränken, sagt Marsh: "Die AfD hat mit Arbeitnehmerrechten gar nichts zu tun." Und auch in der Rentendiskussion fehlt nach Meinung des neuen DGB-Chefs noch die richtige Kommunikation. "Jetzt werden die Weichen für eine Rentenpolitik gestellt, die Menschen betrifft, die heute noch jung sind."
James Marsh hat sich für seine neue Aufgabe auf jeden Fall viel vorgenommen. Aber als ehemaliger Flügelspieler der Basketballer kennt er sich mit dem Thema Attacke ja aus.Extra

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist die größte Dachorganisation von Einzelgewerkschaften in Deutschland. Dem DGB gehören acht Gewerkschaften an: die IG Metall (IGM), die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Gewerkschaft der Polizei (GdP). hw