1. Region
  2. Wirtschaft

Fabian Hegner und Jonas Eiden gewinnen Hessischen Gründerpreis für Zelthaus für Flüchtlinge aus Bitburg und Trier

Start-Up : Sie entwickeln Zelthäuser für Flüchtlinge – Ein Dach überm Kopf für die ganze Welt

Wie zwei ehemalige Studenten der Hochschule Trier den Hessischen Gründerpreis gewannen – und warum ihr Zelthaus Flüchtlingen und Katastrophenopfern das Leben retten kann.

Sie wollen mit ihrer Geschäftsidee weltweit helfen, denn sie haben mit eigenen Augen gesehen, wie dringend ihre Hilfe vonnöten ist: Fabian Hegner aus Bitburg und Jonas Eiden aus der Nähe von Trier haben gemeinsam mit ihrem Kollegen Marius Mersinger das Zelthaus erfunden, um vor allem Flüchtlingen, aber auch Opfern von Naturkatastrophen schnell wieder ein sicheres Dach überm Kopf zu ermöglichen.

Die drei haben sich vor einigen Jahren bei der karitativen Allgäu-Orient-Rallye kennengelernt, waren 2016 im Rahmen dieser Hilfsaktion im griechischen Flüchtlingslager Idomeni gewesen – und haben die katastrophalen Behausungen gesehen, in denen die Menschen dort untergebracht waren. Alles war durchnässt, die Igluzelte hielten der Witterung nicht stand.

Marius Mersinger und Fabian Hegner arbeiten am Prototyp des Zelthauses, das aus mehreren Modulen (Foto rechts) zusammengesetzt wird. Grundsubstanz des Hauses sind recycelte PET-Flaschen, die später aufgeschäumt zu Bauelementen werden. Foto: TV/Tina Rösler

Hegner und Eiden – damals noch Studenten für Intermedia-Design an der Hochschule Trier – und Mersinger, damals Architektur-Student in Frankfurt, beschlossen: wir wollen etwas machen, und gründeten im hessischen Offenbach das Start-up Zelthaus. „Wir wollten menschenwürdigere Unterkünfte schaffen, die einfach und ohne große Vorkenntnisse aufgebaut werden können und gleichzeitig so isoliert sind, dass sie Hitze und Kälte standhalten können“, sagt Hegner.

Das Trio begann mit einem Forschungsauftrag im Labor für textilen Leichtbau an der Frankfurt University of Applied Sciences. Die Lösung klingt einfach: Das Zelthaus besteht nur aus einem Material: Abfall, genauer gesagt, recycelten PET-Flaschen, die zuerst geschreddert werden und dann mit Luft zu einem Schaum aufgeblasen werden, der dann zwischen zwei Deckschichten gefüllt wird, die auch aus recyceltem PET bestehen. „Dadurch haben wir leichte, aber stabile und isolierte Bauelemente, die zudem nach ihrer Benutzung wieder einfach recycelt werden können“, sagt Hegner (27): „Wir wollen internationale Hilfe mit unserem Zelthaus einfach schneller machen.“

Hessischer Gründerpreis 2020 für Zelthaus Foto: TV/Tina Rösler

Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Zelt ist das Zelthaus gedämmt, so dass es wie ein Haus vor jedem Klima und zu jeder Jahreszeit Schutz bietet. Durch seine modulare Bauweise kann es in der Größe individuell angepasst werden. Die einzelnen vorgefertigten Elemente werden vor Ort mit Klettverschlüssen zusammengesetzt, es sind keine Schrauben, Gestänge oder Scharniere nötig.

„Jeder kann das Zelthaus ohne Vorwissen und ohne Werkzeug innerhalb von einer Stunde aufbauen“, sagt Mersinger, der als gelernter Dachdecker bereits Erfahrungen bei einem Entwicklungshilfeprojekt in Togo gesammelt hatte, wo er unter anderem Schulen baute. „Uns war es wichtig, dass Geflüchtete und Menschen in Krisen mitanpacken können, sich damit im Grunde ein Stück selbst helfen.“

Hessischer Gründerpreis 2020 für Zelthaus Foto: TV/Tina Rösler

Entweder 19 oder 29 Quadratmeter Wohnfläche (zwei oder drei Module) bietet das Zelthaus, die Tür ist verschließbar. Und alle Teile für ein Zelthaus passen auf eine Europalette. Das Material für 30 Zelte passt in einen klassischen 40-Fuß-Container, pro Quadratmeter wiegt das Zelthaus rund zwölf Kilo. Im vergangenen halben Jahr konnten das Trio in Frankfurt weiterforschen – denn sie erhielten ein sechsmonatiges Stipendium der „Initiative Hessen Ideen“ (der TV berichtete).

Ende des Jahres folgte nun die nächste Auszeichnung für die Zelthaus-Macher: Die gewannen den Hessischen Gründerpreis 2020 in der Kategorie „Gründung aus der Hochschule“ mit ihren temporären Notunterkünften. Im Wettbewerb setzten sich gegen andere Projekte wie Fliesen aus recyceltem Bauschutt oder einem intelligenten elastischen Fitnessband durch.

„Seitdem haben wir enorm viel positives Feedback und sogar konkrete Anfragen erhalten. Das bestärkt uns in unserer Vision und zeigt, dass ganz offensichtlich eine Nachfrage in der Industrie und vor allem bei den Menschen besteht“, sagte Mersinger. Hegner, Eiden & Co. arbeiten am Prototypen des Zelthauses – und sind parallel auch auf der Suche nach neuen Fördermöglichkeiten, um das Projekt marktreif zu machen: „Ende 2021 wollen wir auf dem Markt sein, wir sind bereits in Kontakt mit Hilfsorganisationen, die schon großes Interesse an unserem Zelthaus gezeigt haben. Wir arbeiten mit einigen Partnern zusammen“, sagt Eiden: „Wir sind Designer und Architekten, nun müssen wir uns mit den wirtschaftlichen Seiten des Projekts befassen und Businesspläne erstellen.“ Ein erster Partner der Zelthäuser wurde schon gefunden, ein Aufforstungsprojekt im Regenwald wird die Häuser einsetzen.

Wie das Zelthaus aussieht und wie einfach es aufgebaut werden kann, zeigt ein kurzes Video auf www.zelthaus.com