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Fachkräftesicherung ist im Handwerk der Schwerpunkt

Handwerk : Ein herausforderndes, schwieriges Jahr

Besondere Zeiten erfordern besondere Formate. So ist auch zum ersten Mal die Vollversammlung der Handwerkskammer Trier als Online-Veranstaltung angelegt. Die Herausforderungen bleiben aber die gleichen.

Das Konferenzzimmer der Handwerkskammer Trier wurde kurzerhand in ein Video-Studio umgewandelt, die Mitglieder der Vollversammlung wurden übers Internet zugeschaltet. Die jüngste Vollversammlung des regionalen Handwerkerparlaments hat sich den Corona-Richtlinien angepasst. Lediglich Kammer-Präsident Rudi Müller, seine beiden Vize, Edgar Gröber und Bernd Elsen sowie Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf stellten sich mit genügendem Abstand in der Gruppe den Fragen ihrer Kollegen. „Wir sind bisher im regionalen Handwerk mit einem blauen Auge davongekommen“, resümiert Präsident Müller. Das Bild sei aber nicht einheitlich. Das Bau- und Ausbauhandwerk floriere, die Auftragsbücher seien voll und die Aussichten auch für 2021 gut. Kosmetikbetriebe, Fotografen, Goldschmiede und teilweise das Lebensmittelhandwerk leide indes unter den Corona-Bedingungen.

Die Differenzierung zeige sich sogar in der Ausbildungsplatzsituation. „Für die Auszubildenden im Bausektor haben wir zusätzlich ein Zelt aufgebaut und eine weitere Halle in Betrieb genommen. Hier gibt es eine positive Entwicklung“, so Müller. Im Friseurhandwerk sind indes die Ausbildungszahlen eingebrochen.

Die Fachkräftesicherung ist deshalb auch in Corona-Zeiten DAS Hauptthema im Handwerk. Das Bild mit dem „blauen Auge“ passt laut HWK-Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf auch in diesem Bereich: „Im Mai hatten wir gegenüber dem Vorjahr noch ein Minus von 24 Prozent bei den neuen Ausbildungsverträgen, jetzt sind es nur sechs Prozent und die Lage ist etwas entspannter.“ Im Bereich der Friseure sei die Zahl allerdings um rund 40 Prozent zurückgegangen. „Gerade hier ist es schwierig, Praktikumsplätze anzubieten und die Ausbildung unter Corona-Bedingungen ist im Friseur-Handwerk herausfordernd.“ In diesem Jahr haben sich knapp 1100 junge Menschen aus der Region für eine Ausbildung in einem Handwerksberuf entschieden. Dabei waren und sind die Voraussetzungen für eine optimale Ausbildung bei der Trierer Handwerkskammer wahrscheinlich nie so gut wie heute. Das 44 Millionen teure Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) ist voll funktionsfähig und bietet in diesen Zeiten die höchsten Hygienestandards. Ausbildungs- und Meisterkurse laufen reibungslos. „Das Berufsbildungs- und Technologiezentrum gibt uns ganz neue Gelegenheiten, die Faszination des Handwerks zu pflegen und es gibt neue Impulse“, freut sich Rudi Müller. Die Zukunftsaussichten für junge Leute seine im Handwerk blendend.

Die Abrissarbeiten am HWK-Gebäude in der Loebstraße stocken, das neue Berufsbildungszentrum im Hintergrund ist indes voll funktionsfähig. Foto: TV/Heribert Waschbüsch

Dennoch hat das Corona-Jahr den Handwerkern in der Region mit ihrem BTZ doch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Rudi Müller: „Eigentlich wollten wir in diesem Jahr eine große Eröffnung feiern. Die haben wir nun ins kommende Jahr verschoben.“ Dann dürften auch die Außenarbeiten abgeschlossen sein. Einige Hürden sind da noch zu nehmen. Der Abriss des alten Berufszentrums funktioniert nicht wie gewünscht. „Wir haben der Vollversammlung mitgeteilt, dass wir uns von der Abbruchfirma trennen mussten.“ Nun wird das Gewerk neu ausgeschrieben. Dass man dennoch Zeit- und Finanzrahmen einhält, ist für Rudi Müller den ehrenamtlichen Handwerkern zu verdanken, die sich voll in die Bauaufsicht und -vergabe einbrächten. „Unser neues BTZ ist das Zentrum der Handwerker, der Kreishandwerkerschaften, der Innungen und in diesen Krisenzeiten ist der Zusammenhalt hier noch einmal gestärkt worden“, freut sich der Handwerkspräsident über das „Gemeinschaftswerk“. Präsidium und Handwerksparlament schauten mittel- und langfristig sehr optimistisch und hoffen kurzfristig auf ein bald coronabefreites 2021.