Flügel gestutzt

Hiobsbotschaft für den Flughafen Hahn: Die russische Frachtfluggesellschaft Aeroflot Cargo ist pleite. Auf die Gesellschaft entfällt die Hälfte des Frachtumschlags auf dem Hunsrück-Flughafen.

Lautzenhausen. 122 000 Tonnen. Das ist die Summe der zivilen Fracht, die im vergangenen Jahr auf dem Flughafen Hahn umgeschlagen worden ist. Knapp die Hälfte davon wurde von der Frachtfluggesellschaft Aeroflot Cargo in den Hunsrück gebracht und von dort wegtransportiert. Die Tochtergesellschaft der größten russischen Fluggesellschaft, Aeroflot, hat damit für den ehemaligen Militärflughafen die gleiche Bedeutung wie die irische Passagierfluggesellschaft Ryanair: Ohne sie läuft im Hunsrück wenig.

Nun hat der Aeroflot-Aufsichtsrat beschlossen, ein Insolvenzverfahren für Aeroflot Cargo einzuleiten. Die Frachtfluggesellschaft ist pleite. Nach der Bestellung von sechs Maschinen des Typs MD-11F und drei Boeing 737 Frachtern machte Aeroflot Cargo einen Verlust von 115 Millionen Euro. Zwei Jahre lang hat die Gesellschaft keine Gewinne mehr eingefahren. Daher zogen die Verantwortlichen des Mutterkonzerns nun die Notbremse.

Pikant daran: Drei der neuen MD-11F-Maschinen wurden speziell für den Frachtverkehr zum und vom Hahn angeschafft. "Dies wird Aeroflot Cargo weiter beflügeln", sagte der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering bei der Vorstellung der neuen Maschinen vor einem Jahr. Nun sieht es danach aus, als seien den Russen dadurch eher die Flügel gestutzt worden.

Die neuen Flugzeuge können mit 90 Tonnen Fracht knapp ein Drittel mehr als die in die Jahre gekommenen DC 10 transportieren. Doch das Frachtgeschäft brach bei Aeroflot genau wie bei anderen Fluggesellschaften in diesem Jahr ein. Im ersten Quartal wurden 35 Prozent weniger Güter transportiert. Das entspricht dem Rückgang des gesamten zivilen Frachtaufkommens auf dem Hahn in den ersten Monaten des Jahres. Russische Medien berichten, dass aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise derzeit auch nicht damit zu rechnen sei, dass Aeroflot Cargo in absehbarer Zeit wieder in den grünen Bereich kommen wird.

Seit neun Jahren fliegt Aeroflot vom Hahn. 2002 verlegte die Gesellschaft ihre Europa-Basis von Luxemburg in den Hunsrück. Sechs Maschinen haben die Russen dort stationiert.

Die Hahn-Verantwortlichen sehen die Insolvenz der Frachtgesellschaft gelassen: "Wir rechnen bislang nicht mit Auswirkungen für den Flughafen Hahn", sagte gestern Flughafensprecherin Maria Horbert dem Trierischen Volksfreund.

Es sei geplant, die bislang eigenständige Gesellschaft Aeroflot Cargo wieder in die Muttergesellschaft Aeroflot zurückzuführen. Die auf dem Hahn stationierten Flugzeuge von Aeroflot Cargo sollen dort bleiben, sagte Horbert.

Mittlerweile macht der Umschlag von militärischen Gütern der US-Armee auf dem Hahn fast genauso viel aus wie die zivile Fracht. In den ersten vier Monaten wurden 23 518 Tonnen an Nachschubgütern für US-Militärbasen über den Hahn transportiert. Die Menge der zivilen Güter betrug in diesem Zeitraum 24 468 Tonnen.