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Föhrener Veranstaltungsfirma trotz der Corona-Krise

Veranstaltungswirtschaft : Events trotz Corona

Wie eine Firma für Veranstaltungstechnik einen Weg in der Krise gefunden hat und „Christmas Moments“- Fans hoffen lässt.

Macht man sich in diesen Zeiten auf zu einer Firma für Veranstaltungstechnik, macht sich ein Gefühl breit, ähnlich dem, als würde man zu einem Schwerkranken fahren. Große Konzerte, Messen, Firmenläufe, alles abgesagt. Die Auftragsbücher sind leer. Meist.

Anders bei Triacs im Industriepark Region Trier (IRT) in Föhren - ein Unternehmen, 2001 aus zweien entstanden, 20 Mitarbeiter, Riesenhalle, eine weitere sollte in diesem Jahr gebaut werden. Schon im März, als das Thema losging, wie Udo Treimetten die Pandemie nennt, als die Firma von Vollgas auf null ausgebremst wurde, haben er und sein Team umgeswitcht. Treimetten ist einer der beiden Geschäftsführer von Triacs, der Firma, die jährlich mit dazu beigetragen hat, dass Events Hundertausenden im Gedächtnis geblieben sind.

Die Triacs-Mitarbeiter sind europaweit unterwegs, bauen Bühnen auf, sorgen für einen guten Ton, setzen Großveranstaltungen in bestes Licht, um nur einige der Aufgaben zu nennen. „Uns sieht man nicht, wir arbeiten im Hintergrund“, sagt Treimetten. Vielleicht sei dies mit ein Grund, weshalb der riesige Industriezweig – vom Veranstaltungstechniker bis hin zum Lautsprecherhersteller – politisch nicht gesehen werde. „Nur langsam, ganz langsam wird man aufmerksam auf unsere Branche“, sagt er.

Zu langsam. Offenbar hatte er schon im März geahnt, dass er sich und der Firma weitestgehend selbst helfen muss, die Erfahrungen des Teams und das Equipment, das in meterhohen Regalen lagert, nutzen kann. Den Kopf nicht in den Sand stecken, sonst wird man von hinten überfahren, sei sein Lebensmotto, sagt Treimetten. Als die Stadt Trier Mitte März bekanntgegeben hatte, dass sich erstmals ein Einwohner der Stadt mit dem Coronavirus infiziert hatte, tüftelten bei Triacs bereits sechs Mitarbeiter an einem Livestream-Studio. In der großen Halle wurde es schnell gebaut.

Seit diesem Frühjahr können auf 105 Quadratmetern Events umgesetzt werden und per Livestream öffentlich oder für eine ausgewählte Gruppe bereitgestellt werden. Der saarländische Ministerpräsident war schon im Studio, Künstler wie Frank Rohles, Unternehmen und Verbände gestalten mit Hilfe von Triacs professionell gestreamte Tagungen und für Ran hat das Unternehmen eine Sportveranstaltung aufgenommen. Von Föhren aus führen die Triacs-Mitarbeiter Regie, stellen Mobiliar, bauen Präsentationen ein, gestalten Kulissen per LED-Wänden, schalten Gäste zu. „Bis zu acht Personen, ob sie in Berlin oder München sind, können wir in eine Veranstaltung packen“, sagt der Triacs-Chef. Zuschauer vor den Bildschirmen können aktiv mitmachen, beispielsweise über Livechats, Umfragen oder Abstimmungen.

Die Auftragsbücher füllen sich laut Treimetten mit Anfragen aus Politik, Wirtschaft und Kunst. Ein Sechstel des Umsatzes vom vergangenen Jahr konnte das Unternehmen während der Corona-Krise reinholen, 600 000 Euro. Weil die Eventbranche in den vergangenen zehn Jahren boomte, mit Hilfe von Kurzarbeit, der Mitarbeit beim Bau eines Not-Krankenhauses in Saarlouis und dem neuen Livestream-Studio musste Triacs niemanden entlassen. Ein Azubi wurde eingestellt, ein Lehrling nach seiner Prüfung übernommen.

Hoffnung gibt es auch für Fans von „Christmas Moments“. Sie müssen in diesem Jahr nicht auf die Veranstaltung, die für viele das Fest einläutet, verzichten: Triacs wird mit seinem Überlebensmodell Livestream-Studio die Weihnachtsshow übertragen und wer ein Ticket kauft, wird sich „Christmas Moments“ mit seinen Lieben im Wohnzimmer anschauen können (weitere Infos folgen).