Frauenpower am Motor

MÜLHEIM. (len) Mit 13 Jahren entschied sich Diana Ritter, KFZ-Mechanikerin zu werden. Inzwischen arbeitet sie in der Opel-Werkstatt ihrer Eltern, die sie später einmal übernehmen möchte. Heute überreicht ihr die Handwerkskammer Trier ihre Meister-Urkunde im KFZ-Techniker-Handwerk.

Jungenspielen mit Autos, Mädchen mit Puppen - dem Klischee, dassTechnik Männersache ist, wollte KFZ-Mechanikerin Diana Ritternicht nachgeben. "Autos und Technik haben mir immer schon Spaßgemacht", sagt die 26-Jährige. "Ich bin in den Berufhineingewachsen. Von Kind auf hab ich in unserem Betrieb allesmitgekriegt - vom Abschleppdienst bis zur Arbeit in derWerkstatt." Dass sie selbst Hand anlegen wollte, lag nahe.Ritter: "Mit 13 hab ich gesagt, das mach ich." Ihre Ausbildungabsolvierte die KFZ-Mechanikerin in Trier. "Ich habe extra nichtim Betrieb meiner Eltern gelernt", sagt die frisch gebackeneMeisterin. Dorthin zog es sie allerdings, als sie ihrenGesellenbrief und ein Zeugnis als KFZ-Betriebswirtin in derTasche hatte "Auf Rat meiner Eltern habe ich mich auch für diekaufmännische Ausbildung entschieden", erzählt Ritter. Trotzdem sieht sie ihre Zukunft nicht im Büro: "Zurzeit mache ich bei uns in der Firma eigentlich alles", berichtet sie. "Vom Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen bis zur Arbeit in der Werkstatt." Parallel zu ihrer Arbeit besuchte Ritter Meisterkurse und machte eine Ausbildung zur Opel-Servicetechnikerin, die als Teil der Meisterprüfung angerechnet wird. "Man lernt dabei, wie alles funktioniert - vom Motor über Elektrik bis hin zum Fensterheber", erzählt sie.

Die KFZ-Mechanikerin geht mit aller Selbstverständlichkeit ihrer Arbeit nach - und dennoch sind Frauen in dem Beruf eine Seltenheit. Ritter: "In der Berufsschule war ich die einzige Frau in der Klasse, genauso auf der Meisterschule und bei den Lehrgängen. Aber, da hab ich mich nie dran gestört."

Gelegentlich hat die KFZ-Mechanikerin mit verwunderten Kunden zu tun: "Manche fragen nach jemand aus der Werkstatt und gucken dann ein bisschen komisch", erzählt die Technikerin. "Wenn die Arbeit erledigt ist, wollen die dann meist wissen, warum ich mich für den Beruf entschieden habe." Äußerst positiv reagieren ältere Kundinnen auf die Frau mit Schraubenschlüssel und Messgerät. Ritter: "Ältere Frauen finden das toll, sie sagen, sie wären froh, wenn sie in ihrer Jugend überhaupt etwas hätten lernen dürfen."

Heute erhalten 150 Meister aus 13 Handwerksbereichen in der Trierer Europahalle ihren Meisterbrief von der Handwerkskammer ausgehändigt.