Freundliche Gebärden zum Arbeitsbeginn

Freundliche Gebärden zum Arbeitsbeginn

Die Integration von behinderten Menschen in den Arbeitsmarkt ist oft für Arbeitgeber, Bewerber und betreuende Stellen nicht leicht. Doch die Mühen lohnen sich in den meisten Fällen, wie das Beispiel von Nina Helm zeigt. Die junge Frau ist gehörlos.

Trier. Für Nina Helm beginnt der Arbeitstag mit einem Lächeln und einem herzlichen Willkommensgruß im Hotel Vinum in Trier. Astrid Klebe empfängt sie meist um 9 Uhr an der Rezeption und überreicht ihr die Arbeitsaufträge für den Tag. "Das Schöne ist, dass sie sich einfach so bemüht hat, die Gebärdensprache zu lernen", schreibt die gehörlose junge Frau auf einen Zettel. Ein Interview mit Nina Helm läuft anders ab als in den meisten Fällen, an der Kommunikation hakt es dennoch nicht.

Die Freizeit gehört der Tochter



Die 26-jährige junge Frau arbeitet seit August im Hotel Vinum in Trier als Reinigungskraft. Im Integrationshotel des Diakonischen Werkes am Bahnhof in Trier ist sie bei weitem nicht die einzige Beschäftigte mit einem Handicap. Geschäftsführung und Gäste sind darauf eingestellt, doch Hotelchefin Bettina Mundig gibt das größte mögliche Lob an das Team weiter. "Die Gäste sagen uns sehr oft, dass sie überhaupt keinen Unterschied zu anderen Hotels bemerken." Der Erfolg gibt dem Hotelkonzept Recht. Der August war der bisher beste Monat mit 850 Übernachtungen.
Für Nina Helm ist es die tägliche Arbeit. 31 Zimmer mit 60 Betten hat das Hotel Garni, die wollen gepflegt und gesäubert werden. "Morgens besprechen wir die Einsatzpläne und teilen die Zimmer auf, die zu reinigen sind", schreibt Nina Helm. Gemeinsam mit einer Kollegin geht sie dann an die Arbeit. Nach einer halbstündigen Mittagspause werden dann ab etwa 14 Uhr die öffentlichen Räume auf Vordermann gebracht, der Eingangsbereich, die Rezeption, der Frühstückraum.
"Das macht mir viel Spaß. Meine Chefin kann mir gut erklären, was meine Aufgaben sind", so die junge Frau. Gibt es einmal Unklarheiten, greifen die Beteiligten zu Stift und Zettel und die Ungereimtheiten sind schnell ausgeräumt. Mit dem Job hat Nina Helm auch wieder ein neues Lebensgefühl gefunden. Vor allem die Gemeinschaft mit den anderen Hotelangestellten bedeutet ihr viel. "Ich habe das Gefühl, es gibt eine halbe hörende Welt und eine halbe gehörlose Welt seit ich hier arbeite", beschreibt Helm ihre Empfindungen.
Betriebe werden gefördert


Das Hotel Vinum hat insgesamt 15 Beschäftigte. Insgesamt fünf Behinderte mit unterschiedlichen Handicaps sind fest angestellt. Hinzu kommen zwei Langzeitpraktikanten mit Behinderung. "Unsere Mitarbeiter sind alle sehr engagiert und mit Freude bei der Sache", lobt Bettina Mundig das Team.
30 Stunden in der Woche arbeitet Nina Helm im Hotel Vinum. Nach getaner Arbeit freut sie sich auf ihre vierjährige Tochter. Mit ihr spielt sie gerne, sie schauen sich gemeinsam Filme an oder basteln.
209 gehörlose Menschen



Ansonsten geht sie häufig ins Kino und trifft sich mit Freunden. Was der behinderte Frau - im Berufsleben wie im Alltag gefällt, ist, dass viele in ihrem Umkreis sich Mühe geben und freiwilllig die Gebärdensprache lernen. "Es ist für uns eine besondere Freude, wenn jemand diesen Schritt auf uns zumacht", schreibt sie zum Abschluss.
In der gesamten Region Trier gibt es insgesamt 209 gehörlose Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren.
Die Agentur für Arbeit fördert die Intergration der Menschen mit begleitenden Programmen (siehe Extra) und Lohnzuschüssen in der Anfangsphase. Der Integrationsfachdienst für hörbehinderte Menschen für den Arbeitsagenturbereich Trier bietet schwerhörigen und gehörlosen Menschen sowie deren betrieblichen Ansprechpartnern an deren Bedürfnisse angepasste Vermittlungsberatung und berufsbegleitende Beratung an. Kerstin Katharina Vogel, Caritasverband Trier, hat so Nina Helm beim Berufseinstig begleitet. Ansprechpartner bei der Arbeitsagentur ist Petra Winter, Arbeitsvermittlerin für schwerbehinderte Menschen. Zu der Betreuung gehören regelmäßige Beratungsgespräche, die Erstellung oder Aktualisierung von Bewerbungsunterlagen, der Kontakt mit Arbeitgebern und der Agentur für Arbeit. Der Arbeitsgeberservice der Arbeitsagentur hat Nina Helm einen Vermittlungsvorschlag für die Stelle beim Hotel Vinum geschickt. Sie hat dann gemeinsam mit Kerstin Katharina Vogel vom Integrationsdienst eine Bewerbung erstellt. Die Vermittlungsberatung bietet zudem Begleitung und Unterstützung in der Einarbeitungsphase an. Weitere Informationen unter www.ifd-trier.de hw

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