1. Region
  2. Wirtschaft

Friede, Freude, frische Milch

Friede, Freude, frische Milch

Strahlende Gesichter trotz unzufriedener Landwirte: Bei der Milchunion Hocheifel (Muh) ist man mit dem vergangenen Jahr zufrieden. Um mehr als 18 Prozent hat die Molkerei in Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) ihren Umsatz gesteigert.

Pronsfeld. Die Stimmung ist so, als ob nichts gewesen wäre. Als ob Bauern nicht tagelang die Werkstore blockiert und die Produktion lahmgelegt hätten, als ob es den Milchstreik vor gut sechs Wochen gar nicht gegeben hätte. Muh-Chef Rainer Sievers strahlt. Mit dem Geschäftsergebnis für 2007 sei er "hoch zufrieden": 985 Millionen Liter Milch wurden verarbeitet, vier Prozent mehr als 2006. Um satte 18 Prozent hat das Unternehmen (700 Mitarbeiter) seinen Umsatz von 462 auf 547 Millionen Euro gesteigert. Im Schnitt 35 Cent bezahlte die Muh den Lieferanten im vergangenen Jahr pro Liter Milch, fast sieben Cent mehr als noch 2006. Klingt nach Friede, Freude, Eierkuchen. Jedenfalls nicht nach unzufriedenen Landwirten. Man habe "sehr viel" Verständnis für die Forderungen der Milcherzeuger, der derzeitige Milchpreis sei für die Landwirte nicht zufriedenstellend, sagt der Molkerei-Chef. Aber: Durch die tagelangen Blockaden aufgebrachter Bauern ist der Muh ein Millionenschaden entstanden. Wie hoch dieser letztlich sei, stehe noch nicht fest, heißt es. Es gebe bereits Schadenersatzforderungen von Händlern, Spediteuren und von Landwirten, die wegen der Blockaden ihre Milch nicht abliefern konnten, sagt Vertriebs-Chef Winfried Meier. Der Muh-Vorstand, der sich mehrheitlich aus Milchbauern zusammensetzt, hat Strafanzeige gestellt. Nicht gegen einzelne Landwirte, sondern gegen "Unbekannt", wie Vorstandsvorsitzender Manfred Graff erklärt, der um Schadensbegrenzung bemüht ist. Er will den Riss, der seit dem Streik zwischen den Landwirten besteht, nicht noch vertiefen. Wie, das wisse er auch nicht. Daher scheint es zumindest zweifelhaft, dass die am Tag zuvor hinter verschlossenen Türen abgehaltene Vertreterversammlung in Prüm (der TV berichtete) tatsächlich so harmonisch und sachlich abgelaufen sein soll, wie Sievers und Graff glaubhaft machen wollen. Selbst die Wahlen von Mitgliedern des Vorstands und Aufsichtsrats, die zuvor für Spekulationen gesorgt hatten, seien ohne Emotionen und langwierige Diskussionen abgelaufen. Einen Dämpfer hat es aber für Aufsichtsrats-Chef Klaus Land gegeben. Nur 75 Prozent der 135 anwesenden Delegierten haben ihn gewählt. Wortreich, aber ohne konkret zu werden, umschrieb Graff die angeblich sachliche Diskussion über die immer noch angestrebte Kooperation mit der nordrhein-westfälischen "Humana Milchunion". Man sei für jede Zusammenarbeit offen.Mit einem Ausblick auf 2008 hält sich Sievers angesichts der Milchpreis-Diskussion zurück. Nur soviel ist klar: Muh strebt erstmals an, mehr als eine Milliarde Liter Milch zu verarbeiten. Ein Schritt dahin ist die gerade erfolgte Erweiterung der Produktpalette um haltbare Frischmilch, die bereits in den Kühlregalen der großen Discounter steht.