Frühjahrsempfang ohne Sommer

Frühjahrsempfang ohne Sommer

Draußen tobt der Sturm. In den Räumen der Europäischen Rechtsakademie in Trier allerdings hofft der Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes Trier, Christian Z. Schmitz, auf Aufwind am Arbeitsmarkt. Der traditionelle DGB-Empfang fand ohne dessen Chef Michael Sommer statt, der kurzfristig abgesagt hatte.

Trier. Einen Tag vor dem meteorologischen Frühlingsanfang wollte der DGB sich mit seinem Empfang mit Gästen aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft sowie aus Gewerkschaftskreisen und Betriebsräten auf das Jahr 2010 einstimmen. Als Hauptredner war DGB-Chef Michael Sommer geladen, doch der prominente Chef-Gewerkschaftler sagte aus terminlichen Gründen sein Kommen ab. Claus Mateki vom DGB-Bundesvorstand ersetzte Sommer, und in Schärfe und Diktion stand er seinem Vorsitzenden nicht nach.

Fast symbolisch tobte vor den Fenstern der Europäischen Rechtsakademie der Sturm, während drinnen die Redner die "soziale Balance" durch die von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) losgelöste Hartz-IV-Debatte gefährdet sehen.

Doch die Veranstaltung war bei weitem nicht nur auf dieses Thema fokussiert. Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen und die rheinland-pfälzische Sozial- und Arbeitsministerin Malu Dreyer (SPD) wiesen auf die gute Zusammenarbeit der Sozialpartner in der Krise hin. "Wir haben in Trier weniger Arbeitslose als zu Beginn der Weltwirtschaftskrise", stellte Jensen fest und lobte dafür sowohl Unternehmer als auch Betriebsräte. "Zudem haben wir eine Arbeitsagentur in der Region, die Hervorragendes leistet", meinte der OB. Auch Jensens Ehefrau Malu Dreyer hob das Miteinander von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite hervor. Für die Hartz-IV-Debatte von Guido Westerwelle gab es beim DGB-Empfang indes nur harsche Kritik: "Westerwelle lässt den Schwanz mit dem Hund wedeln", warf Claus Mateki dem Liberalen vor. Die FDP betreibe nur eine Klientel-Politik, die nach der Wahl in NRW noch schlimmer werde. "Damit versucht Westerwelle, eine Neiddebatte zwischen den Ärmsten und den Armen zu entfachen", so der DGB-Vorstand. Angesichts von 6,5 Millionen Geringverdienern in Deutschland und 1,3 Millionen Menschen, die trotz Arbeit auf Hartz IV angewiesen seien, werde der DGB seine Forderung nach einem Mindestlohn vorantreiben. Nach Meinung der Gewerkschaften bleiben die kommenden zwölf Monate noch stürmisch, denn die Krise sei in vielen Branchen noch längst nicht vorbei.

In der Großregion hoffen viele auf die Wirtschaftslokomotive Luxemburg, wie der DGB-Vorsitzende Saar, Eugen Roth, sagt. Als Vorsitzender des Interregionalen Gewerkschaftsrates Saar/Lor/Lux/Trier/Westpfalz betreuen die Gewerkschaften rund 200 000 Pendler. "Europaweit gibt es 700 000 Pendler, allein bei uns in der Großregion ist es fast jeder Dritte, erklärte Roth. Und die Gewerkschaften würden für einheitliche Sozialstandards kämpfen.

"In Luxemburg und Frankreich hat man beste Erfahrungen mit einem Mindestlohn. Das muss auch bei uns funktionieren", forderte er.

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