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Für Millionen Verbraucher wird Gas teurer

Für Millionen Verbraucher wird Gas teurer

Millionen Verbraucher in Deutschland müssen sich zum Spätsommer auf spürbar höhere Gaspreise einstellen. Auch die Gaskunden der Trierer Stadtwerke müssen ab September mehr zahlen.

Heidelberg/Trier. 90 Gasversorger haben zum August und September Preiserhöhungen um durchschnittlich elf Prozent angekündigt, teilte das Verbraucherportal Verivox am Mittwoch in Heidelberg mit. Die Verteuerung bedeute für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von rund 20 000 Kilowattstunden eine zusätzliche Belastung von 133 Euro im Jahr.
Für 24 500 Gaskunden der Stadtwerke Trier (SWT) wird der Bezugspreis um etwa 120 Euro im Jahr teurer. "Der Nettoarbeitspreis steigt um 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Der Grundpreis bleibt unverändert. Dies bedeutet für einen Musterhaushalt im Sondervertrag G-Komfort mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden einen Aufschlag von rund zehn Euro brutto im Monat", teilten die SWT auf Anfrage mit. Als Begründung nennen die Stadtwerke Trier höhere Beschaffungskosten.
SWT-Vertriebschef Matthias Sommer gibt aber eine Preisgarantie bis Mitte 2012. "Immerhin ist es uns gelungen, im Gegensatz zu vielen anderen Versorgern die Preise seit dem 1. Januar 2010 konstant zu halten. Um den Kunden im Sondervertrag G-Komfort eine Planungssicherheit zu ermöglichen, erhalten diese zeitgleich mit der Erhöhung eine Preisgarantie bis zum 30. Juni 2012."
In den bundesweit betroffenen Gebieten gebe es rund elf Millionen Haushalte, sagte ein Verivox-Sprecher. Dem Portal lägen aber keine Angaben vor, wie viele Verbraucher einen Gasanschluss haben. Auch machten die Versorger keine Angaben über die Zahl ihrer Kunden, was die Rechnung erschwere. Die 90 Versorger begründeten ihre Preiserhöhungen laut Verivox mit gestiegenen Beschaffungskosten, die sie nun weiterreichten. Jüngst hätten nur drei Anbieter bundesweit sinkende Kosten angekündigt.
Für die Verbraucher lohne sich ein Tarifvergleich immer öfter, sagte der Sprecher. Die Unterschiede hätten sich zuletzt beständig vergrößert. Die Spanne zwischen teuren und günstigen Angeboten werde diesen August im Schnitt bei 300 Euro pro Jahr liegen. hw/dpa
Bei den Gaspreisen gibt es große Preisunterschiede, wie Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, nun veröffentlicht hat. Das Amt vergleicht die Gaspreisentwicklung in 27 EU-Ländern im zweiten Halbjahr 2009 zum zweiten Halbjahr 2010. In Euro ausgedrückt waren die durchschnittlichen Gaspreise für Haushalte in Rumänien (7,7 Euro pro Gigajoule), Estland (11,1), Lettland (11,3) und dem Vereinigten Königreich (11,7) im zweiten Halbjahr 2010 am niedrigsten und in Schweden (30,3), Dänemark (30,1), Italien (21,9) und den Niederlanden (19,8) am höchsten. Der durchschnittliche Gaspreis in der EU27 betrug 15,9 Euro pro Gigajoule. Deutschland liegt bei der Untersuchung im Mittelfeld. Rund 15,86 Euro musste ein Haushalt für ein Gigajoule bezahlen. Im EU-Durchschnitt waren es 15,88 Euro. Die größten Steigerungen gab es in Italien (+47 Prozent), Slowenien (+25) und Bulgarien (+24) und die größten Rückgänge in der Slowakei und Großbritannien (je minus sechs) sowie in Irland (minus vier). Ein Gigajoule ist eine Maßeinheit zur Berechnung von Wärmemengen und entspricht 277 Kilowattstunden. Der Durchschnittshaushalt mit 20 000 Kilowattstunden (= rund 72 Gigajoule) zahlte also in Deutschland gut 1140 Euro im Jahr, in Luxemburg etwa 950 Euro, in Schweden fast 2800 Euro, in Großbritannien, Lettland oder Bulgarien rund 850 Euro für 20 000 Kilowattstunden. hw