Für zwölf Handwerksberufen kommt die Meisterpflicht zurück

Handwerk in der Region : Meisterpflicht gilt wieder für Fliesenleger & Co.

In diesem Jahr fallen zwölf Handwerksberufe, die seit 2004 davon befreit waren, wieder unter die Meisterpflicht. Was bedeutet das für die Handwerksbetriebe in der Region?

Vor 16 Jahren kämpfte die damalige rot-grüne Bundesregierung gegen die hohe Arbeitslosigkeit. Die Ich-AG und die Lockerung der Meisterpflicht in 53 der insgesamt 94 Handwerksberufe war eine Lösung, die Gerhard Schröder in seine „Agenda 2010“ einbaute. Nun vollzieht die Bundesregierung für zwölf Gewerke die Rolle rückwärts. Von diesem Jahr an gilt in diesen Berufen (siehe Extra) wieder die Meisterpflicht, wenn ein Handwerker sich selbstständig machen möchte.

Mit Blick in die Region sind die Auswirkungen aber vor allem in einer Branche auffällig. „Die Rückkehr der Meisterpflicht fällt vor allem bei den Fliesenlegern ins Gewicht“, sagt Matthias Schwalbach, Geschäftsführer bei der Handwerkskammer Trier (HWK). Die Lockerung der Meisterpflicht vor 16 Jahren bezeichnet Schwalbach als „Webfehler in der Meisterordnung“, weil sie jedem – auch ohne jegliche Qualifikation in einem Bereich – ermöglicht habe, einen Handwerksbetrieb in diesen Bereichen zu führen.

Bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern hat dies bei den Gewerbeeinträgen zu einem „explosionsartigen Boom“ geführt.

Christian Neuenfeldt, HWK-Akademieleiter: „2003 gab es in der Region 98 Fliesenleger, heute sind 435 Fliesenleger eingetragen.“ Doch gleichzeitig ist die Zahl der Mitarbeiter in diesen Betrieben gesunken. Neuenfeldt: „Zwei Drittel der Fliesenlegerfirmen sind ,Solounternehmen’.“ Das hat auch nachhaltige Auswirkungen auf die Ausbildungszahlen in der Branche. Derzeit werden 30 Lehrlinge in allen drei Ausbildungsjahren zum Fliesenleger ausgebildet. Ausbildungsbetriebe sind ausschließlich die 25 Meisterbetriebe. 2003 hatten die 98 Unternehmen 38 Azubis.

Wer das Fliesenlegerhandwerk erlernt und nach seinem Gesellenbrief den Meister machen möchte, kann dies nur in Koblenz, Saarbrücken oder Kaiserslautern. „Derzeit ist die Nachfrage zu gering. Einen Meisterlehrgang können wir in Trier nicht für zwei Kandidaten anbieten“, erklärt Matthias Schwalbach. Dass könne sich natürlich unter anderen Voraussetzungen ändern. „Das Problem ist aber vielschichtig: Es gibt zu wenig Meister, es gibt zu wenige Auszubildende und derzeit gibt es keinen Prüfungsausschuss und keine Infrastruktur.“ Dies wieder aufzubauen, sei eine langjährige Geschichte. „Deshalb befürchten wir auch eine Nachfolgeproblematik in dem Bereich“, so der HWK-Geschäftsführer.

 Die Solo-Unternehmer dürfen ihre Betriebe auch weiterhin ohne Meisterbrief fortführen. Nur wer neu einen Handwerksbetrieb anmeldet, muss den – wie es früher hieß – großen Befähigungsnachweis, also den Meisterbrief, vorlegen.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht hält Christian Neuenfeldt das für sinnvoll. „Der Meisterbrief ist ein Qualitätsnachweis.“ Das volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen hat herausgefunden, dass fünf Jahre nach der Gründung nicht einmal mehr 50 Prozent der Betriebe existieren, die ohne Meisterbrief starten. Bei den Berufen mit Meisterpflicht sieht es anders aus. Hier existieren nach fünf Jahren noch etwa 70 Prozent.

Christian Neuenfeldt nennt aus seiner Sicht weitere Pluspunkte, die eine Meisterausbildung vermittelt: bessere Ausbildungsleistungen, höhere Qualität und damit besserer Verbraucherschutz, nachhaltige Gewährleistung. In Sachen Ausbildung lohne der Blick auf die Handwerksberufe mit Meisterpflicht. In der KFZ-Branche mit 375 Handwerksbetrieben gibt es 196 Ausbildungsbetriebe mit 401 Lehrlingen, im Tischlerhandwerk bilden 123 der insgesamt 402 Handwerksbetriebe 253 Azubis aus. Zum Vergleich: Unter den 435 Fliesenlegerfirmen bilden 25 Betriebe 30 junge Menschen aus.

Bei den anderen Gewerken, die nun wieder unter die Meisterpflicht fallen, ist die Entwicklung ähnlich, wenn auch nicht so dramatisch. Die Zahl der Estrichlegerfirmen ist zwischen 2003 und heute von acht auf 24 gestiegen, die der Parkettlegerbetriebe von 14 auf 36.

Die Rückkehr zur Meisterpflicht oder wie Kritiker sagen, zum Meisterzwang, sieht Matthias Schwalbach als positiv an. „Das ist ein erster wichtiger Schritt.“ Die Regierung will die Änderung nach fünf Jahren überprüfen.