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Funkstille im Milchland

Funkstille im Milchland

Im Norden Deutschlands entsteht mit der Fusion von Humana und Nordmilch ein neuer Milchriese: das Deutsche Milchkontor. Zwischen den beiden regionalen Molkereien Hochwald (Thalfang) und Milch-Union Hocheifel (Muh, Pronsfeld) herrscht indes endgültig Funkstille. Eine mögliche Fusion ist offenkundig geplatzt.

Viele Jahre lang zahlten die beiden rheinland-pfälzischen Molkereien Hochwald in Thalfang (Kreis Bernkastel-Wittlich) und Milch-Union Hocheifel (Muh) in Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) die höchsten Auszahlungspreise an ihre Bauern. Doch in den vergangenen Monaten hinken sie anderen nationalen Molkereien hinterher. Während etwa FrieslandCampina - nach Hochwald und Muh die sechstgrößte deutsche Molkerei - rund 35 Cent pro Kilo Milch zahlt, gibt es für die regionalen Milcherzeuger derzeit nur etwa 30 Cent.

Politik und Verbände haben immer wieder versucht, die beiden rheinland-pfälzischen Molkereien zusammenzubringen und dabei große Erwartungen auf Synergien, beispielsweise beim Abholen der Milch im Einkauf oder bei der Position gegenüber dem mächtigen Handel gesetzt. Doch die Akteure können sich weitere Verkupplungsaktionen sparen.

Angesichts des beharrlichen Neins der Muh aus Pronsfeld erklärt nun die Hochwald-Molkerei in Thalfang in einem Mitgliederschreiben: "Da trotz mehrfacher Gespräche seitens der Muh keine Bereitschaft zur Zusammenarbeit erkennbar war, wurden die Gespräche zur Kooperation und einer möglichen Fusion von unserer Seite offiziell beendet." Hochwald-Geschäftsführer Karl-Heinz Engel bestätigt dies dem TV. "Wir laufen der Muh nicht nach. Wir sind auch allein gut aufgestellt und stark genug, um uns weiter für die Zukunft zu rüsten." Doch seiner Ansicht nach könnten beide Unternehmen profitieren, weil derzeit millionenschwere Investitionen anstehen. Indes werde Hochwald nun seine eigenen Pläne vorantreiben.

Muh und Hochwald erwarten stabile Milchpreise



Zumindest in diesem Punkt sind sich Hochwald und Muh einig. Muh-Chef Rainer Sievers auf die Frage nach den Fusionschancen: "Wir sehen für unsere Landwirte keinen Vorteil, und nur das zählt." Nach interner und externer Prüfung gebe es für die Muh aktuell keine Ansatzpunkte, wie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens durch eine Fusion mit Hochwald verbessert werden könnte. "Die Muh setzt auf eine Strategie, die darauf ausgerichtet ist, die Selbstständigkeit des Unternehmens zu bewahren. Ungeachtet dessen prüfen wir derzeit mögliche Kooperationen mit Partnern aus der Lebensmittelindustrie", sagt Sievers.

Was den weiteren Milchauszahlungspreis angeht, erwarten beide Molkereien eine positive Entwicklung. Sievers: "Trotz höherer Milchanlieferungen in Deutschland und Europa wird sich dank der sehr guten Exportsituation die feste Milchpreisentwicklung fortsetzen. Wir erwarten stabile Milchpreise." Und sein Kollege von Hochwald, Karl-Heinz Engel: "Für 2011 erwarten wir eine positive Milchpreisentwicklung und werden auch regional wieder einen wettbewerbsfähigen Preis auszahlen." Kurioserweise begründen beide ihren Optimismus unterschiedlich. Die Hochwald-Molkerei setzt verstärkt auf den Bereich Käse. Man habe im vergangenen Jahr die verarbeitete Milchmenge im Bereich Milch, Sahne, Kondensmilch (weiße Linie) reduziert und im Bereich Käse (gelbe Linie), etwa im Käsewerk Hünfeld, investiert.

In Pronsfeld produziert die Muh ausschließlich in der weißen Linie. Die Einschätzung von Muh-Chef Rainer Sievers: "Seit rund einem Jahr ist die Ertragssituation der Käsereien deutlich besser als die der Molkereien, die vornehmlich Milch, Sahne oder Kondensmilch produzieren. Diese Situation ist allerdings nicht in Stein gemeißelt. Wir erwarten eine Angleichung der unterschiedlichen Verwertungsschienen im Laufe des Jahres 2011."

Meinung

Der Milchpreis entscheidet

Eigentlich sieht das Ganze so einfach aus: Zwei Spitzenmolkereien im Abstand von wenigen Kilometern. In vielen Orten begegnen sich die Milchwagen von Muh und Hochwald und fahren die Milch dann in ihr Werk. Das kostet unnütz viel Geld. Auch im Einkauf könnten die beiden Konzerne wahrscheinlich hier und da einen schönen Mengenrabatt rausschlagen. Zudem produzieren beide auf höchstem Niveau. Zwei Gute, die zusammengehen, das kann doch nur besser werden. Doch genau hier haben wohl viele Bauern ihre Befürchtungen, dieser Rechnung trauen sie nicht. Dabei können nur die Bauern eine Zusammenarbeit oder eine Fusion vorantreiben und beschließen. Vor Jahren gab es zarte Bemühungen zwischen Muh und Humana, doch ein paar Bauernproteste reichten aus, um alle Hochzeitspläne zu begraben. Bei genossenschaftlichen Molkereien gibt es wohl nur ein Argument, das die Bauern antreiben kann, ihre Eigenständigkeit aufzugeben: den Unterschied beim Milchpreis. h.waschbuesch@volskfreund.de

Extra

Genossenschaften: Die beiden Molkereien sind Genossenschaften. Dies bedeutet: Die Konzerne gehören den Landwirten, die Anteile an Muh und Hochwald halten. Die Hochwald-Muttergesellschaft Erbeskopf Eifelperle eG hat 8500 Genossenschaftsmitglieder. Sie haben ihre 227 Mitglieder in die Vertreterversammlung gewählt, die die 29 Aufsichtsratsmitglieder bestimmen und die 19 Vorstandsmitglieder. Die Milchbauern bestimmen über diese Gremien die Politik ihrer Molkerei.

Zwei unterschiedliche Konzerne

Pronsfeld/Thalfang. (hw) Die beiden Molkereien in der Region sind von ihrer Struktur her sehr unterschiedlich. In Pronsfeld, bei der Muh, gibt es einen einzigen Produktionsstandort mit 800 Mitarbeitern.

Hochwald betreibt insgesamt acht Werke mit 1600 Mitarbeitern, davon mit Thalfang und Kaiserslautern (400 Mitarbeiter) zwei in Rheinland-Pfalz. Hochwald zählt insgesamt rund 6500 Milchlieferanten, die zwei Milliarden Kilo Milch anliefern. Der Jahresumsatz liegt bei etwa einer Milliarde Euro. Hauptgeschäftsbereiche sind Milch und Milchprodukte, Käse und Wurstkonserven. Hochwald übernahm 2001 die Molkerei Eifelperle in Hillesheim und zwei Jahre später die Marken Bärenmarke und Lünebest. In dieser Zeit hat Hochwald auch die Zahl seiner Produktionsstandorte stark erweitert. Neben dem Stammwerk in Thalfang gibt es Werke in Norddeutschland, in Hessen, NRW und Bayern.

Die Muh verarbeitet jährlich 1,1 Milliarden Kilogramm Milch. Der Umsatz des Konzerns lag 2009 bei 530 Millionen Euro. Die Muh produziert ausschließlich Produkte der "weißen Linie", also H- und Frischmilch, Sahne oder Kondensmilch. In jüngster Vergangenheit hat sich das Unternehmen aber auch mit seinen laktosefreien Produkten einen guten Marktanteil erworben. Die Muh hat insgesamt rund 2600 Milchlieferanten.