gbt-Gesellschafter vor dem Absprung

gbt-Gesellschafter vor dem Absprung

TRIER. Der durch Millionenverluste aus einem offenbar riskanten Immobilienprojekt in Jülich gebeutelten Trierer Wohnungsbau und Treuhand AG gbt (der TV berichtete) stehen unruhige Zeiten bevor. Die beiden Gesellschafter Landesbank Rheinland-Pfalz und Provinzial Rheinland AG wollen aussteigen.

Im Januar dieses Jahres ist die renommierte Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC) von den drei gbt-Gesellschaftern Stadt Trier (37,64 Prozent), Landesbank und Provinzial (je 30,63) damit beauftragt worden, das Unternehmen gbt, das seinerseits unter anderem mit 48,39 Prozent an der Kreissiedlungs-Gesellschaft Bitburg beteiligt ist, zu bewerten. Das geht aus dem Protokoll der Aufsichtsratssitzung vom 15. Juli hervor. Dort heißt es erklärend, die Landesbank wolle "ihren Anteil an der gbt AG verkaufen". Auch die Provinzial sei "am Verkauf ihres Anteils interessiert". Demgegenüber liege für die Stadt Trier ein Grundsatzbeschluss vor, die Anteile zu halten. Nachdem die PwC intern ihr Gutachten vorgelegt hat, in dem die Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung der gbt aufgezeigt werden, stehen nun Gespräche zwischen den Gesellschaftern bevor. Offenbar spielt die Sparkasse Trier mit dem Gedanken, bei der gbt einzusteigen. Jedenfalls wurde Sparkassen-Chef Dieter Mühlenhoff Ende August bei der Hauptversammlung der Aktionäre als neues Mitglied in den Aufsichtsrat gewählt. Mühlenhoff nimmt einen der beiden Posten ein, auf den die Landesbank aufgrund der sich abzeichnenden Änderung der Gesellschafterstruktur verzichtet hatte. Den zweiten Posten der Landesbank im Kontrollgremium, den Rüdiger Vehof innehatte, besetzt das Kreditinstitut nach dessen altersbedingtem Ausscheiden nicht mehr. Unterdessen hat die TV -Berichterstattung über das hoch defizitäre und folgenschwere Projekt "Galeria Juliacum" in Jülich, das der gbt einen Verlust von sieben Millionen Euro beschert hat, zu einer internen Reaktion des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Helmut Schröer geführt. Während der Trierer Oberbürgermeister öffentlich schwieg, klagte er vergangenen Donnerstag in der nicht-öffentlichen Sitzung des Stadtrates dem Vernehmen nach heftig darüber, dass dem TV interne Informationen zugänglich gemacht wurden. Das sei ein eklatanter Vertrauensbruch und eine strafbare Handlung. Der Stadtrat soll Schröers Ausführungen kommentarlos zur Kenntnis genommen haben.Management-Fehler des Ex-Vorstandes Heise?

Keine Erläuterungen soll der OB zu den offensichtlichen Managementfehlern des ehemaligen gbt-Vorstandes Volker Doerfel, der für das Projekt in Jülich verantwortlich war, gegeben haben. Der Aufsichtsrat hatte intern geprüft, ob gegen Doerfel gemäß Paragraph 93 des Aktiengesetzes Haftungsansprüche geltend gemacht werden können. Von der Einleitung gerichtlicher Schritte wurde aber nach Plädoyers von Schröer und Aufsichtsratsmitglied Manfred Maximini, Fraktionschef der gleichnamigen Unabhängigen Bürgervertretung im Trierer Stadtrat, aufgrund der geringen Erfolgsaussichten - der Aufsichtsrat hatte dem Projekt zugestimmt - abgesehen. Offenbar war Volker Doerfel nicht der einzige gbt-Vorstand, der in der Vergangenheit folgenschwere Entscheidungen traf. So prüfte der Aufsichtsrat am 15. Juli laut Sitzungsprotokoll auch "die eventuell eine Haftung begründenden Verhaltensweisen des ehemaligen Vorstandsmitgliedes Dr. Heise bei der Baumaßnahme Konz-Roscheid IV". Dazu lag eine Stellungnahme der Anwaltskanzlei Ernser-Lehnart vom 15. Juni vor. Karl-August Heise war Ende Februar 2002 aus der gbt ausgeschieden. Regressforderungen muss auch er nicht befürchten: Der Aufsichtsrat sah von weiteren Schritten ab.