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Gebündeltes Wissen

Gruppenbild mit Spaten: Projektleiter und Ehrengäste feiern den Baubeginn des neuen Kompetenzzentrums, das als Netzwerk Informationen über nachhaltiges Renovieren und Sanieren bündeln soll.Foto: Hans Krämer
Gruppenbild mit Spaten: Projektleiter und Ehrengäste feiern den Baubeginn des neuen Kompetenzzentrums, das als Netzwerk Informationen über nachhaltiges Renovieren und Sanieren bündeln soll.Foto: Hans Krämer
TRIER. Gebündelte Fachkraft fürs Renovieren und Sanieren: Dazu entsteht in den kommenden Monaten auf dem Trierer Konversionsgelände Castelforte ein Kompetenzzentrum ein Modellprojekt für 8,6 Millionen Euro und mit Ausstrahlung auf ganz Deutschland. Von unserer Redakteurin <br>SABINE SCHWADORF

Der erste Spatenstich gilt im Vorfeld vieler Projekte als beliebtes Ritual. So auch beim Bau des neuen "Kompetenzzentrums für nachhaltiges Renovieren und Sanieren" der Handwerkskammer (Hwk) Trier, kurz "Komzet". Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage, Kammerpräsident Hans-Josef Jänschke, Hwk-Hauptgeschäftsführer Hans-Hermann Kocks und Triers Wirtschaftsdezernentin Christiane Horsch greifen also flugs zur Schaufel und "Glück auf" die Arbeiten können beginnen. Schließlich soll das Komzet nicht nur ein neues Haus der Hwk werden, sondern "ein Signal für die Weichenstellung in Richtung einer zeitgerechten beruflichen Aus- und Weiterbildung", sagt Hwk-Präsident Jänschke. Erhebliches Marktpotenzial

Der Hintergrund für das 8,6 Millionen Euro teure Projekt, das zu 50 Prozent vom Bund und je zu 25 Prozent vom Land und der Hwk Trier finanziert wird, liegt auf der Hand: Denn die Erhaltung und Bewahrung vorhandener Bausubstanz ist für viele Häuslebauer eine Alternative zum Bauen geworden. Folglich ergibt sich auch für die betroffenen Handwerker ein großes Marktpotenzial. Schon heute wird 50 Prozent des gesamten Umsatzes der Bauindustrie im Gebäudebestand erwirtschaftet. Und künftig steht noch einiges an: 80 Prozent aller Wohngebäude sind unzureichend gedämmt, bis 2006 müssen landesweit 150 000 Heizanlagen ausgetauscht werden. "Die Kommunen haben heute keine Möglichkeit mehr zu investieren. Damit hat das Segment Sanieren und Renovieren mehr Potenzial als der Neubau", sagt Hwk-Hauptgeschäftsführer Kocks. Hier setzt das Hwk-Kompetenzzentrum an. So soll es Ende 2004 seine Türen öffnen und dann Handwerker und Bauherren durch Information, Aus-, Weiter- und Fortbildung sowie Beratung unterstützen. Besonderes Augenmerk setzt die Hwk bei der Sanierung der neuen Leitstelle in der Herzogenbuscher Straße/Cläre-Premm-Straße auf ihre Vorbildfunktion in Sachen Nachhaltigkeit. So sollen nur nachwachsende Rohstoffe verwendet und alte Mauern und Fassaden weitgehend erhalten werden. Weitere Standorte neben dem neuen Gebäude in Castelforte sind der Bauhof Kenn und die beiden Berufsbildungs- und Technologiezentren (BTZ) der Hwk. In der Leitstelle soll künftig auch das Hwk-Umweltzentrum seine neue Bleibe finden. Ursprung des Ganzen war der Wettbewerb des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) "Überbetriebliche Berufsbildungsstätten auf dem Weg zu dienstleistungsorientierten Kompetenzzentren" aus dem Jahr 1998. Von 77 eingereichten Ideenskizzen wurden sieben Preisträger ermitttelt, darunter auch der Entwurf der Hwk. So soll das Trierer Zentrum ein Netzwerk für nachhaltiges Renovieren und Sanieren aufbauen und die Ergebnisse bundesweit verbreiten, eines von künftig mehreren thematischen Schwerpunkt-Häusern in Deutschland. Als "Pilot-Projekt" mit überregionaler Bedeutung bekommt das Komzet besonderes Lob vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister. "Nicht zumersten Mal leistet die Hwk Trier Vorbildliches im Bereich Umwelt", sagt Hans-Artur Bauckhage. Mit den Angeboten des neuen Kompetenzzentrums werde ein pragmatischer Beitrag zum Umweltschutz geleistet, sagt er: "Mit ihm kann man mehr für unsere natürlichen Lebensgrundlagen erreichen als mit aller Ideologie und bürokratischen Auflagen und Verboten." Und BIBB-Abteilungsleiter Folkmar Kath lobt: "Die Betriebe dieser Region schaffen mit der Ausbildung von Jugendlichen eine enorme Leistung." Die Region sei im Landes- und Bundesvergleich nahezu eine "Insel der Glückseligen".