Geburtstag mit Torte, Sekt und Volkes Stimme

Geburtstag mit Torte, Sekt und Volkes Stimme

Vorsichtig optimistische Unternehmer, ein Stelldichein der regionalen Wirtschafts- und Politikelite und ein Festredner, der zur Debatte anregte - so hat die Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) ihren 50. Geburtstag gefeiert (der TV berichtete).

Trier. Der Beifall ist reichlich, die Lacher sind zahlreich, und irgendwie haben viele der 560 Zuhörer in der Europahalle während des Vortrags das Gefühl: Recht hat er, der Mann! Peter Gauweiler, vermutlich einer der bekanntesten CSU-Bundestagsabgeordneten, spricht über Europa. Bei einem Mann, der schon Verfassungsbeschwerden gegen den Vertrag von Lissabon zumindest teilweise erfolgreich durchgefochten hat, der wegen des Euro-Rettungsschirms das Verfassungsgericht (erfolglos) angerufen und im Bundestag gegen den Fiskalpakt gestimmt hat, ist klar: Da kommt keine Schön-Wetter-Rede auf die Zuhörer zu. Tatsächlich versteht der 63-jährige Jurist es brillant, in einfachen Worten und gespickt mit Zitaten vieler linker Intellektueller seine These zu untermauern, die, kurz gesagt, darin besteht, Staaten wie Griechenland lieber über eine Insolvenz und den Austritt aus der gemeinsamen Währung gesunden zu lassen, statt weiter Geld hineinzupumpen. Die Europäische Zentralbank arbeite nach dem Modell "Geld aus dem Monopoly holen und einfach weiterspielen", wettert Gauweiler, und für den Bundestag und die Rettungsschirme gelte: "Wir diskutieren da was, was keiner versteht, aber am Ende beschließen wir es." Da ist viel Volkes Stimme dabei, aber Gauweiler ist halt auch nicht in der Verlegenheit, als Regierungschef tatsächlich solche allzu einfachen Rezepte mit oder gegen die betroffenen Staaten in die Praxis umsetzen zu müssen. VTU-Chef Frank Natus ist dennoch begeistert, lobt und dankt Gauweiler, der - Profi halt - vorher Unternehmern, Trierern, Rheinland-Pfälzern und sogar der Landesregierung elegant und ganz nebenbei Honig ums Maul geschmiert hat.
Lemke kommt nicht gut an


Die Landesregierung hat Wirtschaftsministerin Eveline Lemke entsandt, die mit ihrem doch arg theorielastigen Grußwort nur einen Anstandsbeifall bekommt, auch, weil sie sich an von Natus zuvor angesprochenen Verkehrsfragen (A-1-Lückenschluss und Nordumfahrung Triers) vorbeimogelt. Leichter als die Grüne hat es allein schon parteibedingt bei ihrem Grußwort Oppositionsführerin Julia Klöckner (CDU), die mit einem Plädoyer gegen die Vermögenssteuer und für die Entlastung der "Mitte der Gesellschaft" das sagt, was Unternehmer an einer Geburtstagsfeier hören wollen. Recht hat die Frau, werden viele denken, belohnen Klöckner mit viel Applaus und feiern den Abend wohlgestimmt bei Sektempfang, edlem Büfett, einer gigantischen Geburtstagstorte und sehen einer faszinierenden Sandkünstlerin zu.