Gebutterte Preise: Wer profitiert davon?

Berlin/Pronsfeld/Thalfang · So mancher Verbraucher hat sich in den vergangenen Wochen beim Einkauf gewundert. Ein Pfund Butter für 1,99 Euro? Noch vor Monaten wurde das Päckchen Butter für 0,79 Euro angeboten. Warum sind die Preise so gestiegen und wer profitiert davon?

Berlin/Pronsfeld/Thalfang Die Butter kostet so viel wie seit mindestens 50 Jahren nicht mehr. Fast zwei Euro werden für die 250-Gramm-Packung fällig. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um über 60 Prozent. Während Verbraucher stöhnen, ist das für die heimischen Landwirte eine positive Entwicklung. Doch sie profitieren bei weitem nicht so sehr, wie es den Anschein haben könnte. Zudem haben sie zwei Katastrophenjahre hinter sich. Warum steigen die Butterpreise so explosionsartig?Es gibt zu wenig Fett auf dem Markt. Angebot und Nachfrage gehen weit auseinander und damit steigen die Preise für Butter. Es gibt keine Butterberge mehr, die Lager sind leer. Die Gründe dafür sind vielfältig. In den vergangenen beiden Jahren haben viele Bauern ihre Produktion einstellen müssen, weil sie mit dem niedrigen Milchpreis wirtschaftlich nicht überleben konnten. Zudem verzichten derzeit viele Milchbauern darauf, auch noch teueres Kraftfutter beizumischen. Damit sinkt auch der Fettanteil in der abgelieferten Milch. Und als dritter Punkt spielt das Verbraucherverhalten mit in die Entwicklung hinein: Butter ist bei den Kunden beliebt wie lange nicht mehr. Verschiedene Studien haben zudem Butter als Nahrungsmittel sehr positiv bewertet und damit die Nachfrage bei den Verbrauchern angefeuert. Wer profitiert von den gestiegenen Butterpreisen?Der Handel hat natürlich seine Gewinnspanne eingepreist. Zudem können die Molkereien gegenüber dem Handel bessere Preise für ihre Landwirte aushandeln. "Wir können in diesem Jahr wieder bessere Milchauszahlungspreise zahlen als in den letzten Jahren", sagt Wolfgang Rommel, Pressesprecher der Arla-Molkerei, die in Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) eines der modernsten Milchwerke der Welt betreibt. Im September 2016 bekamen die Arla-Milchbauern 24,69 Cent für den Liter Milch (Grundpreis bei vier Prozent Fett/3,4 Prozent Eiweiß). In diesem September bekommen sie 35 Cent.Wie werden die Preise verhandelt?Handel und Molkereien verhandeln in unterschiedlichen Zeiträumen die Preise für einzelne Produktgruppen. Für Milch, Joghurt, Quark und ähnliches, die sogenannte Weiße Linie, wird alle halbes Jahr verhandelt. Die momentanen Kontrakte wurden Ende April abgeschlossen und werden wieder Ende Oktober neu festgeschrieben. Bei Butter sieht das anders aus: Hier laufen die Verhandlungen alle vier Wochen. Manche Kontrakte werden sogar wöchentlich abgesprochen. Das bedeutet auch, dass spezialisierte, kleinere Molkereien, die sehr viel Milch in Butter und Käse verarbeiten, derzeit sehr stark von der Preiserhöhung bei der Butter profitieren. In breiter aufgestellten Molkereien, mit weiteren Vermarktungsschienen, schlägt sich diese Tendenz nicht so heftig im Milchauszahlungspreis durch. Während Preise bei Butter und Käse (Fett) hoch sind, gibt es etwa für Magermilchpulver (Eiweiß) deutlich weniger. Werden die Weihnachtsplätzchen jetzt teuerer?Die Experten gehen davon aus, dass sich die Situation nicht schnell entspannen wird und deshalb die Preise für Butter hoch bleiben. Für die Landwirte wird indes die nächste Verhandlungsrunde bei der Weißen Linie spannend. Dann geht es um die Preise für Frisch- und H-Milch, Milchmischgetränke, Buttermilch oder auch Joghurt und Quark. Extra: BUTTER? DER ZUFALL HAT GEHOLFEN

(hw) Brötchen, Marmelade, die Nussnougatcreme, Butter und vielleicht noch ein weich gekochtes Ei, so sieht bei vielen zu Hause das perfekte Sonntagsfrühstück aus. Doch wo kommt die Butter eigentlich her? Ein wenig hat hier der Zufall geholfen. Früher hatten Bauern oder Reisende oft ein wenig Milch in einem Gefäß als Proviant mit auf Reise genommen. Ob beim Laufen oder beim Reiten, die vielen Erschütterungen haben dafür gesorgt, dass die Milch fest wurde. Die Butter war erfunden. Und bis ins 19 Jahrhundert hinein war die Butterherstellung auch noch eine aufwendige und kräfteraubende Arbeit. Zunächst ließ man die Milch stehen, bis sich der fetthaltige Rahm oben auf der Flüssigkeit abgesetzt hat. Mit einer Kelle konnte man dann den Rahm von der übrigen Flüssigkeit abheben. Daher stammt übrigens auch das Sprichwort: "Den Rahm abschöpfen", was etwa so viel bedeutet wie "sich das Beste für sich sichern". Der abgeschöpfte Rahm wurde dann in einem Butterfass gestampft und nach langer Arbeit blieben Milchfett - also Butter - und Buttermilch zurück. Heute geht das industriell. In einer schnell drehenden Trommel, der sogenannten Zentrifuge, wird der Rahm abgetrennt und dann erhitzt (pasteurisiert.) Danach muss er abkühlen und reifen. Sein typisches Butteraroma bekommt er durch Milchsäurebakterien, die man noch hinzufügt. Zum Schluss wird die Butter geknetet und abgepackt. Übrigens: Für ein Kilogramm Butter braucht man mehr als 20 Liter Milch.

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