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Regionale Wirtschaft
Porta im Gesicht, Kuh auf der Bahre

 Gedächtnistrainerin Christiane Stenger erklärt in der Europahalle ihre Tricks, um sich etwas besser merken zu können.
Gedächtnistrainerin Christiane Stenger erklärt in der Europahalle ihre Tricks, um sich etwas besser merken zu können. FOTO: TV / Katja Bernardy
Trier. Gedächtnisweltmeisterin Christiane Stenger fordert die grauen Zellen von 550 Besuchern in der Europahalle.

Sie ist mit dem Zug von München nach Trier gereist, in die Geburtsstadt ihrer Mutter. Zum zweiten Mal, dieses Mal auf Einladung der Vereine, deren Namen man sich mit Christiane Stengers Tipps nun vielleicht besser merken kann. Marketing Club Trier-Luxemburg, Vereinigung Trierer Unternehmer in der Region Trier sowie Kreis Junger Unternehmer Trier. Zum 17. Mal hatten sie zu der Gemeinschaftsveranstaltung mit Topreferentin in die Europahalle eingeladen.

Die Bühne gehört der mehrfachen Gedächtnisweltmeisterin, Stöckelschuhe, figurbetontes Kleid, lange Haare. Die Münchnerin ist auch Autorin, Moderatorin, Speakerin, Coach, und kommt frisch von der Schauspielschule.

Bevor sie die grauen Zellen des Publikums fordert, plaudert sie sich mit den Männern, Frauen und Kindern warm. Erzählt, dass sie sich als Siebenjährige Krankheiten einbildete, um nicht in die Schule zu müssen. Denn die fand sie langweilig. Erst mit 11, mittlerweile als hochbegabt erkannt und auf dem Gymnasium – ebenso langweilig – fand sie Gefallen an einem Gedächtnistraining.

Dann wurde die Überfliegerin mehrfach Gedächtnisweltmeisterin der Junioren,machte mit 15 Abitur. Seit sie 17 ist teilt sie in Büchern oder auf der Bühne ihre mannigfaltigen Tricks, fantasievolle Eselsbrücken.

„Sich Dinge gut merken zu können, funktioniert über Geschichten und Bilder“, sagt sie mehrmals an diesem Abend – und zeigt dem Publikum, wie es geht. Etwa über die Körperroute. Die Gäste stehen, fassen sich an Füße, Taille, Rücken bis hin zu den Haaren und ordnen insgesamt zehn Körperregionen zuvor gesammelten Begriffen zu. So kommt die Porta ins Gesicht, die Kaisertherme um den Hals - und die Bilder in die Köpfe. Da bleiben sie auch. Zumindest bis zum Ende der Veranstaltung. Stenger fragt ab, das Publikum glänzt. Zwischendurch zeigt sie, was genau im Gehirn passiert. Und wie geht Vokabel lernen? Ein Beispiel: Cubare, lateinisch für liegen. Da kann man sich laut Referentin eine Kuh auf einer Bahre vorstellen. Oder was einem sonst in den Sinn kommt.

Thomas Stiren, Präsident des Marketing Clubs Trier-Luxemburg, wird der Namens-Part besonders gut gefallen haben. Bevor er die Gäste begrüßt hatte, sagte er unserer Zeitung, er hoffe, sich hinterher Namen besser merken zu können. Stenger erklärt: „Menschen mit einem guten Namensgedächtnis fragen beim Kennenlernen noch mal nach dem Namen und nennen ihn auch während des Gesprächs ein paar Mal.“

Und dazu präsentiert sie merk-würdige Eselsbrücken: Anna balanciert eine Ananas auf dem Kopf, Laura eine Laugenstange, Gökhan fährt gerne Kahn. „Greifen Sie in die Fantasietrickkiste“, appelliert sie immer wieder ans Publikum.

Sie selbst tut dies an diesem lehrreichen Abend häufig, strickt sogar um eine komplizierte Formel eine Bärengeschichte. So manche Eselsbrücke sorgt während der 90 Minuten für Lacher, und, dass Stenger an diesem Abend des Öfteren falsch benannt wird. Denn auch Spaß hilft laut Gedächtnisweltmeisterin beim Lernen, und sich zu entspannen.

Und wie merkt sie sich Trierischer Volksfreund? Am Rande der Veranstaltung sagt sie: „ Ich stelle mir ein Volk vor, eine Menschengruppe, Freunde, die gemeinsam unter einem Bogen der Porta Nigra, dem Wahrzeichen Triers, sitzen und Zeitung lesen.“