Geduldsprobe für Steuerzahler

Geduldsprobe für Steuerzahler

Die deutschen Finanzämter können derzeit zu viel gezahlte Kapitalerträge an Steuerbürger oft nicht zurückzahlen: Experten gehen bundesweit von Hunderttausenden Fällen aus, in Rheinland-Pfalz sei das Ganze aber noch kein großes Thema, sagt eine Sprecherin der Oberfinanzdirektion dem TV.

Koblenz/Trier. Für so manchen Steuerbürger kann das Warten auf Rückerstattungen aus der Steuererklärung 2009 zu einer Geduldsprobe werden. Grund ist eine Software-Panne bei den deutschen Finanzämtern, wie die Financial Times Deutschland berichtet. "Die Probleme gibt es auch bei den rheinland-pfälzischen Finanzämtern", bestätigte die Sprecherin der Oberfinanzdirektion Koblenz (OFD), Wiebke Girolstein, gestern dem TV auf Anfrage. Eine genaue Zahl, wie viele Steuerbürger betroffen sind, konnte sie nicht nennen. "Eine Umfrage bei den Ämtern hat uns gezeigt, bisher ist das kein Riesenproblem." Die Panne trifft Anleger, die bei ihrer Steuererklärung die sogenannte Anlage KAP, in der Einkünfte aus Kapitalerträgen aufgelistet werden, ausgefüllt haben. In einigen Fällen sind die Amts-Computer offenbar nicht in der Lage, diese Erklärungen zu bearbeiten. Dabei geht es in der Regel um sogenannte "negative Kapitaleinkünfte", also Wertpapierverluste, die Steuerbürger bei ihrer Erklärung geltend machen können, um sie mit Gewinnen aus Kapitalerträgen zu verrechnen. Beispielsweise können Kleinanleger, die über mehrere Depots bei verschiedenen Banken verfügen, Verluste bei einer Bank mit Gewinnen bei einer anderen Bank verrechnen. Sie erhalten dann die zuviel gezahlte Abgeltungssteuer zurück.

Dabei sollte alles einfacher werden. Mit der Einführung der Abgeltungssteuer Anfang vergangenen Jahres sollten es die Steuerbürger leichter haben bei der Versteuerung von Aktiengewinnen und Zinseinkünften. Generell wird eine pauschale Abgabe von 25 Prozent der Zinseinkünfte direkt von der Bank ans Finanzamt überführt. Doch für die gemeinsame Amts-Software, die das Finanzministerium NRW entwickelt hat, ist die Aufgabe in diesen speziellen Fällen zu komplex. Nach TV-Informationen will eine Arbeitsgruppe die Probleme in dieser Woche besprechen und bis in einigen Wochen gelöst haben.

Vom Finanzamt Trier werden zunächst Steuerbescheide ohne Verlustrechnung und unter Vorbehalt verschickt. "Sobald die Berechnung möglich ist, wird dies nachgereicht", sagt Triers Finanzamts-Chef Jürgen Kentenich.