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Gegen den Trend: Mehr Pleiten in der Region

Gegen den Trend: Mehr Pleiten in der Region

Einige große Insolvenzen und viele kleine Pleiten haben 2012 dazu geführt, dass die Zahl der Insolvenzen in der Region um etwa fünf Prozent zum Vorjahr ansteigt. Deutschlandweit gehen die Firmenpleiten indes um gut zwei Prozent zurück.

Trier. Die Insolvenz des Trierer Stahlwerks mit fast 300 Stahlwerkern, die Pleite der Eifelwerk Bordnetzsysteme GmbH in Malbergweich mit 150 Mitarbeitern (Eifelkreis), die Tornado GmbH Handelsgesellschaft in Trier mit 85 Beschäftigten oder auch die Pleite der Tombers Hartholz GmbH in Mehren mit etwa 60 Mitarbeitern (Vulkaneifel) sind die großen Pleiten in diesem Jahr. Doch entscheidend für den Anstieg der Insolvenzen in der Region Trier sind nicht die wenigen spektakulären Fälle, sondern die Krisen der vielen Kleinstunternehmen. Guido Joswig, Pressesprecher der Trierer Wirtschaftsauskunftei Creditreform: "Nach den bisherigen Ergebnissen rechnen wir für das laufende Jahr mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr." 163 Firmen mussten im vergangenen Jahr den Weg zum Amtsgericht antreten und ihre finanziellen Probleme anzeigen, in diesem Jahr sind es etwa 170 Betriebe.
Bundesweit sank indes die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 2,1 Prozent auf 29 500. Glücklich sind die Creditreform-Experten auch damit nicht: "Die Schleifspuren der europäischen Staatsschuldenkrise machen sich auch beim Insolvenzaufkommen bemerkbar", urteilt Creditreform. Dass die Region sich noch schlechter entwickelt, liegt für Guido Joswig an der Krise bei vielen Minifirmen: "Hier hinkt die Region dem Bundestrend hinterher - bundesweit ist ein Rückgang der Insolvenzen von Kleinunternehmen zu verzeichnen."
Die Entwicklung in den Kommunen der Region ist in diesem Jahr sehr unterschiedlich. Mehr Pleiten in der Stadt Trier, im Eifelkreis Bitburg-Prüm und im Vulkaneifelkreis, weniger Krisen in den beiden Landkreisen Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich.
Ebenso unterschiedlich sind die Perspektiven für die Pleiteuntefirmen. Beim Trierer Stahlwerk, das stillgelegt ist, hoffen die ehemaligen Mitarbeiter, dass ein Investor den Betrieb wieder aufnimmt, bei der Eifelwerk Bordnetzsysteme GmbH, die weiter in Insolvenz produziert, halten sich hartnäckig Gerüchte über Massenentlassungen.Extra

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist bundesweit in diesem Jahr um 1,7 Prozent zurückgegangen. Insgesamt sind in 2012 101 500 Privatinsolvenzen zu vermelden (2011: 103 250 Fälle). In der Region rechnet Creditreform Trier für 2012 mit mindestens 490 Verbraucherinsolvenzen (2011: 513 Fälle), was ebenfalls einen Rückgang (minus 4,49 Prozent) bedeuten würde. Nach Landkreisen betrachtet entfallen dabei erneut die meisten Privatpleiten auf die kreisfreie Stadt Trier, den Kreis Bernkastel-Wittlich und auf den Kreis Trier-Saarburg. In Trier und Trier-Saarburg, wie auch im Kreis Bitburg-Prüm, ist in 2012 jedoch mit einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr zu rechnen. Die wenigsten Verbraucherinsolvenzen sind im Kreis Vulkaneifel zu vermelden; allerdings wird in diesem Kreis, wie auch im Kreis Bernkastel-Wittlich im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung zu erwarten sein. Die Gründe: Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit, gescheiterte Selbstständigkeit und immer häufiger Konsum, den man sich nicht leisten kann. Experten kritisieren, dass das leichtfertige Konsumverhalten vieler Verbraucher von manchen Anbietern und Kreditgebern begünstigt wird. hw