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Geplatzte Weizen-Träume

Geplatzte Weizen-Träume

BITBURG. Die Späher der Bitburger Getränkegruppe sind schon seit Jahren auf der Suche nach einem Weizenbier – bislang vergeblich. Weil sich die vermeintliche Wunschbraut Erdinger beharrlich ziert, soll’s jetzt offenbar eine Bit-Tochter richten: Die Anfang 2004 übernommene Brauerei Licher bringt ein Weizenbier auf den Markt.

Es ist wohl eines der schlecht gehütetsten Geheimnisse der Bier-Branche - und eines der am längsten kursierenden: Die Brauer aus dem Eifelstädtchen Bitburg sind ganz närrisch auf die weltweit größte Weißbierbrauerei im bayerischen Erding. Allzu gerne, heißt es in Branchenkreisen, würde die Bitburger Getränkegruppe Erdinger schlucken. Doch die Wunschbraut gibt den Dauer-Werbern aus der Eifel offenbar einen Korb nach dem nächsten.Abfuhr an alle

Wie den Bitburgern ergeht es auch anderen. "Erdinger Weißbräu ist und bleibt unverkäuflich", konterte Weißbräu-Chef Werner Brombach erst jüngst wieder Meldungen, wonach ausgerechnet Bit-Konkurrent Warsteiner ebenfalls Interesse an einer Übernahme habe. "Wir sind eine Privatbrauerei, und werden das auch bleiben", verspricht der Erdinger-Boss. Möglicherweise war es diese eindeutige Abfuhr Brombachs, die auch in Bitburg die Erkenntnis reifen ließ: Auf absehbare Zeit ist alles Werben um den begehrten Marktführer Erdinger (1,45 Millionen Hektoliter Jahresausstoß/400 Mitarbeiter) vergebene Liebesmüh. Statt dessen schauen sich die Bit-Strategen nun offenbar nach Alternativen in der eigenen Gruppe (Bitburger, Köstritzer, Wernesgrüner, König Pilsener, Licher) um. Nach einem Bericht des in München erscheinenden Getränke-Fachmagazins "inside" wird die Anfang 2004 von Bitburger übernommene hessische Brauerei Licher in den nächsten Wochen mit einem eigenen Weizenbier auf den Markt kommen. "Ob dieser Geheimplan Bedeutung für die gesamte Bitburger Gruppe hat (…), ist bislang noch nicht durchgesickert", schreibt das Blatt. Während sich Bit-Sprecher Dietmar Henle zum Thema Weizenbier/Erdinger/Licher nicht äußern will ("Kein Kommentar"), bestätigt Licher-Sprecherin Sibylle Trautmann dem TV immerhin: "Ja, wir haben ein Konzept in der Schublade. Aber wann das Weizenbier auf den Markt kommt, und wie es heißen wird, steht noch nicht fest." Fakt jedenfalls ist: In einem stagnierenden bis rückläufigen Biermarkt (in den letzten zehn Jahren sank der Bierausstoß in Deutschland um elf Prozent) wird immer weniger Pils getrunken. Daran wird sich nach einer erst im Mai veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Laut KPMG rechnen die deutschen Brauereien bis 2009 mit einem weiteren Absatzminus beim Pils von vier Prozent. Zuwächse würden lediglich bei den Biermischgetränken erwartet sowie bei Saison- und Weizenbieren (plus drei Prozent). Das prognostizierte Absatzplus beim kristallklaren oder hefetrüben spritzigen Weizenbier ist wohl mit der Hauptgrund, warum nun auch die Bitburger nicht länger warten mag. Das gewöhnlich überaus gut informierte Brauerei-Fachblatt "inside" mutmaßt bereits, dass die "völlig überteuerte Übernahme von König-Brauerei und Licher" für rund 470 Millionen Euro vor anderthalb Jahren auch damit zusammenhänge, dass der damalige Bitburger-Chef Michael Dietzsch kein adäquates Weizenbier gefunden habe, um sein Portfolio zu verzieren. "Frustsaufen auf höherem Niveau sozusagen", lautet der wenig schmeichelhafte "inside"-Kommentar.