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Gründerpreis
Gerüstet für die Zukunft

 Jungunternehmerin Jeanette Spanier freut sich über die vielen Auszeichnungen.
Jungunternehmerin Jeanette Spanier freut sich über die vielen Auszeichnungen. FOTO: TV / Heribert Waschbüsch
Longuich. Gute Zeiten für regionale Existenzgründer: Die Jungunternehmer punkten bei regionalen, landes- und bundesweiten Wettbewerben. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

Die Existenzgründer aus der Region Trier werden derzeit mit Preisen überhäuft – vor allem Jeanette Spanier aus Longuich (Kreis Trier-Saarburg). Die 34-jährige Jungunternehmerin hat beim landesweiten Wettbewerb „Pioniergeist“ der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) den ersten Platz und 15 000 Euro Preisgeld gewonnen. Zudem hat sie den zweiten Platz beim Gründungswettbewerb des Kreises Junger Unternehmer (KJU) erreicht, und zu guter Letzt gab es in diesen Tagen auch noch eine Auszeichnung in München (Building Information Modeling (BIM), wo ihre Geschäftsidee unter den Top 5 landete. „Alle drei Auszeichnungen wurden an einem Tag vergeben. Ich war in Mainz, mein Vater in Trier und mein Lebensgefährte in München“, erzählt Jeanette Spanier. Was aber macht ihre Unternehmensidee so interessant und auszeichnungswürdig?

Für die junge Frau ist der Vorteil ihres Systems vor allem die hohe Transparenz und große Sicherheit vor Ort, also am Bau: Scaffeye (scaff = Gerüst/eye = Auge) heißt die Software, die die Unternehmerin entwickelt hat. Damit lassen sich der Aufbau, die Sicherheit und die Anforderungsprofile von Gerüsten digital erfassen, überprüfen und verwalten. „In der Regel baut ein Monteur das Gerüst auf, nimmt es ab und kann es dann für weitere Gewerke freigeben“, erzählt Jeanette Spanier. Während das alles viel Zeit in Anspruch nimmt, weil die Dokumente zuerst eingescannt und an die ausführenden Handwerker übermittelt werden müssen, spart die Software der Longuicherin hier einige Arbeitsschritte. „Der Gerüstebauer kann per Handy eine digitale Freigabe erstellen, und jeder Handwerker kann danach sofort mit der Arbeit beginnen.“ In Scaffeye hat Jeanette Spanier viel Fachwissen einfließen lassen. Seit 15 Jahren arbeitet sie bereits im elterlichen Gerüstebaumeisterbetrieb Spanier & Wiedemann und hat vor zwölf Jahren ihren Meister als Gerüstebauerin gemacht. Auf diesem Fundament hat sie ihr eigenes Unternehmen aufgebaut. „Im Mai 2017 habe ich Scaffeye als Start-up gegründet. Seit Anfang Oktober 2018 bin ich mit der Firma auf dem Markt.“

Die Zielgruppe für ihre Software ist groß: Gerüstebauer können mit der digitalen Abnahme viel Zeit sparen. Über einen QR-Code lassen sich zeitsparend alle technischen Informationen zu einem Gerüst übermitteln, und die digitale Freigabe ist möglich. Handwerker können sich diese Daten per QR-Code auf Handy oder Tablet vor Ort herunterladen. „Jeder Nutzer muss das Gerüst noch einmal prüfen, bevor er seine Arbeit beginnt. Die entsprechenden gesetzlichen Fragen, die zu überprüfen sind, findet er in der Scaffeye-Anwendung. Nach seinem Okay kann das Handwerksunternehmen dann seine Arbeit aufnehmen. Das bringt jedem Benutzer des Gerüsts mehr Sicherheit und Zeitersparnis. Jeanette Spanier: „Zu einem Gerüst haben viele Unternehmen und Personen Zugang. Das sowie die verpflichtende Sicherheitsprüfung durch die Gerüstnutzer birgt vor allem für den Gerüstersteller Risiken und Kosten.“

Das Konzept hat die Experten überzeugt: „Das Beispiel der Scaff­eye GmbH zeigt, wie digitale Elemente dazu eingesetzt werden können, Prozesse zu optimieren und traditionelle Handwerkskunst exakt an die Bedürfnisse der Anwender anzupassen“, führte Ulrich Dexheimer, Sprecher des Vorstandes der ISB, die Entscheidung der Jury für das Unternehmen aus. „So werden Kosten verringert, während Sicherheit, Transparenz und Kommunikation auf dem Bau deutlich steigen.“

Jeanette Spanier hofft auf große Nachfrage bei Gerüstebauern, Handwerkern, Planern und Architekten. Neben den vordergründigen Argumenten sei vor allem ein Aspekt besonders wichtig. „Scaffeye kann Existenzen sichern. Denn mit der digitalen Verwaltung lässt sich nachweisen, dass ein Handwerker die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten hat.“